Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Österliche Töne im beginnenden Herbst
Gedanken zum 16. Sonntag nach Trinitatis
Der Spätsommer geht zu Ende, der Herbst rückt näher, die Bäume werden eher als gedacht welk und werfen ihre Blätter ab. Bereits jetzt sind die Tage deutlich kürzer geworden. Morgens, wenn ich um 5.45 Uhr aufstehe, ist es schon wieder dunkel.
In dieser Zeit merke ich, wie mir die Natur die Vergänglichkeit vor Augen führt, merke, mein Leben ist verletzlich und wird wie alles andere irgendwann ein Ende haben.
In diese Stimmung hinein wirkt der Wochenspruch aus dem 2. Timotheusbrief aufmunternd, Mut machend, ein helles Licht in die immer dunklen werdenden Tage hinein.
„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1,10b)
Die Worte des Paulus oder eines seiner Schüler wollen uns nicht vertrösten, sondern beschreiben eine feststehende Tatsache, die Ulrich S. Leupold im Lied EG 116 so beschreibt:
Er (Christus) ist erstanden, Halleluja.
Freut euch und singet, Halleluja.
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.
Laßt uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja!
Die Suaheli-Melodie des Liedes »Mfurahini, Haleluya« von Bernard Kyamanywa gibt dem Lied den richtigen Schwung, es reißt uns mit, in dieses Bekenntnis einzustimmen.
Christus hat dem Tod die Macht genommen und uns befreit zum ewigen Leben!
Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft. Sie wird mitten in den immer trister und düsterer werdenden Alltag hineingerufen, schenkt uns Kraft und Zuversicht und lässt uns nicht mutlos werden.
Denn Christus ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden,
Halleluja.
(Altösterlicher Jubelruf)

Thomas Pfuhl
Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Martini, Bezirk Erlöserkirche
Aus den Augen, aus dem Sinn?
Ein jeder kennt wohl dieses geflügelte Wort. Genauso wie: Zum einen Ohr hinein und zum anderen heraus. Beide Sprichwörter behandeln ein allzu menschliches Problem: wir hören und hören doch nicht, wir sehen und sehen doch nicht. Oft blockieren wir auch Dinge, die uns vielleicht nicht angenehm sind oder aus einer bestimmten Richtung kommen, die wir nicht wollen…
Es gibt viele Gründe, warum wir etwas nicht wahrnehmen oder nicht tiefer eindringen lassen wollen. Im christlichen Sinne wird uns durch das Evangelium vieles gesagt oder auf manches hingewiesen. Es will uns trösten, es will uns aufrichten, es will uns Mut zusprechen, aber auch einmal ermahnen, Richtung geben, zum Handeln anregen und dem Leben einen guten Sinn geben. Allein die Bergpredigt weist auf den Frieden hin, den Nächsten, aber auch auf Gott, der unserem Leben Orientierung geben und Kompass sein will. Wir lesen es, wir hören davon und im nächsten Moment ist es wieder überlagert vom Alltag und seinen Bedürfnissen.
Im Jakobusbrief wird ein Mensch beschrieben, der in einen Spiegel sieht, sich umwendet und sofort vergisst, wie er ausgesehen hat. Es gibt aber auch die Möglichkeit seine Sinne zu schärfen und besser hinzuhören, besser hinzusehen: Wie geht es meinem Nächsten, wie gehe ich selbst mit der Aussage des Evangeliums um! Jakobus beschreibt es so: Nicht nur Hörer, sondern auch Täter zu werden. Aus der Nähe zum Evangelium erhalten Christen die Kraft, in ihrer Umgebung Frieden zu bringen und hier und da ein Segen zu sein. Ein jeder ist aufgefordert im Sinne des Evangeliums: Zu sehen, zu hören, Gutes zu tun!
Ich wünsche uns allen dazu viel Erfolg!

Lothar Ney
Ökumene-Beauftragter Bezirk Minden, Neuapostolische Kirche
Gedanken zum Sonntag, 06. 09. 2026
Grau. Tatsächlich. Ich bin erschrocken. Das erste graue Haar. Der Lack ist ab. Ich werde älter, keine Frage. Aber man ist ja so alt wie man sich fühlt. Ich fühle mich jünger als ich bin.
Doch das graue Haar stimmt mich nachdenklich. Alterserscheinungen wie Falten im Gesicht und nachlassende körperliche Kräfte gehen nicht an mir vorbei. Kommt es in letzter Zeit nicht öfter vor, dass ich nicht mehr weiß, wo ich meine Brille hingelegt habe?
Das löst in mir die Befürchtung aus, irgendwann alt, krank und gebrechlich zu werden. Damit bin ich nicht allein. Anti-Aging Produkte, Haarfärbemittel und Fitnessangebote stehen nicht nur bei Frauen hoch im Kurs. In unserer Gesellschaft ist es wichtig, den Alterungsprozess so lange wie möglich hinauszuzögern und jung zu bleiben. Ich möchte gerne in einigen Jahren zu den junggebliebenen Alten gehören, die sich mit ihrem Freundeskreis treffen, reisen, in einem Ehrenamt engagieren und Spaß am Leben haben. Deswegen ernähre ich mich gesund. Sport? Na ja, da gibt’s noch Luft nach oben.
Jetzt stellt sich bei mir ein Störgefühl ein. Möchte ich wirklich so lange wie möglich jung bleiben? Der Herbst des Lebens ist doch ein ganz eigener Lebensabschnitt mit seiner eigenen Schönheit und eigenen Aufgaben. Was möchte ich noch erreichen? Was muss ich loslassen?
Vielleicht lerne ich auf meinem Weg, gelassener zu werden und mich nicht mehr über Kleinigkeiten aufzuregen. Vielleicht kann ich auch dann schöne Spaziergänge machen, wenn ich mal einen Rollator brauche.
Aber wenn die Gesundheit nicht mitmacht? Als Krankenhausseelsorgerin begegne ich immer wieder Menschen, die krank geworden sind, obwohl sie gesund gelebt haben. Es ist mir wichtig, zu tun, was ich kann, um gesund zu bleiben. Doch letztlich habe ich es nicht in der Hand. Mir fällt ein Bibelvers ein. Gott spricht: „Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid. Ich trage euch, bis ihr graue Haare habt.“ (Jesaja 46, 4a). Diese Zusage gilt jedem Menschen, egal ob jung oder alt, krank oder gesund.
Mir macht sie Mut, meinen Weg vertrauensvoll weiterzugehen. Und wenn alle meine Haare mal grau sind? Vielleicht bin ich dann sogar stolz, sie zu tragen.

Pfarrerin Melanie Drucks
Ev. Krankenhausseelsorgerin, Johannes Wesling Klinikum Minden