Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Richtig sorgen!

Was tun gegen das Grübeln?

Immer wieder gibt es Gelegenheit, sich richtig Sorgen zu machen: Kriege und Krisenherde in der Nähe oder in der Ferne, Klima und Energie, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Vielleicht machen wir uns Sorgen um nahe Angehörige oder um unsere Gesundheit.

Sorgen machen wir uns darum, wie es unseren Kindern und Enkeln in Zukunft ergehen wird und ob sie eine lebenswerte Welt von uns übernehmen. Diese Sorgen haben auch eine positive Seite, denn sie tragen dazu bei, dass wir über unseren Lebensstil nachdenken und ihn verändern.

Sorgen machen wir uns auch um unser Zusammenleben. Mancher scheint nach der durchgestandenen Pandemie etwas dünnhäutiger geworden zu sein. Wir müssen uns wieder aneinander gewöhnen.

Wenn die Sorgen in unserem Kopf erst einmal starten, sind sie schwer wieder zu bremsen. Manchmal machen sie sich auch einfach selbständig und es ist nicht einfach, aus der Sorgenspirale wieder auszusteigen, mit dem Grübeln aufzuhören und den Kopf wieder hoch zu bekommen.

Aber kann man sich auch „richtig“ sorgen oder um die richtigen Sachen sorgen?

Jesus Christus spricht in seiner Bergpredigt davon, dass niemand durch Sorgen, die er sich macht, sein Leben verlängern könne und in Kapitel 6 Vers 33 des Matthäusevangeliums drückt Jesus es so aus:

„Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.“

Wir sollen uns also um die Dinge sorgen, die ganz oben auf Gottes Prioritätenliste stehen:

Dass Menschen etwas von Liebe, Verständnis und gegenseitiger Unterstützung spüren und dass es Gerechtigkeit gibt. Und da gibt es ja genug zu tun. Gott braucht uns alle für diese Aufgabe.

Für Jesus sind Sorgen und Grübeln nicht das letzte Wort, denn er gibt Hoffnung.

Immer gibt es die Möglichkeit, zu Jesus zu beten, leise oder laut. Immer gibt es die Möglichkeit, einen Gottesdienst zu besuchen, mit jemandem zu sprechen oder gemeinsam zu beten. Probieren sie es doch morgen einfach einmal aus.

Pastor Olaf Mohring

Pastor Olaf Mohring

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Minden

Lieblingsfarbe: Bunt!

Beeindruckt verlasse ich das Krankenzimmer. Schon viele Jahre halten die beiden zusammen. Klar, ihre Freundschaft musste Krisen durchstehen. Aber wenn es drauf ankommt, sind sie füreinander da. Auch jetzt. Eine schwere Erkrankung hat die Patientin aus der Bahn geworfen. Nicht alle in ihrem Umfeld können gut damit umgehen. Doch auf diese Freundin ist Verlass. Ihr Zusammenhalt gibt ihr Kraft.

ZUSAMMEN:HALT ist das Motto der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade (6.-16.11. 2022). Ein wichtiges Thema angesichts der aktuellen Krisen. Der Ukrainekrieg verursacht unermessliches Leid. Flüchtlinge suchen bei uns Schutz. Die steigenden Energiepreise verstärken die Spaltung zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft. Die Klimakrise hat weitreichende Folgen.

Worauf können wir uns verlassen? Gott hält zu uns Menschen, davon erzählt die Bibel. Ein Zeichen für diesen Zusammenhalt ist der Regenbogen. Neulich leuchtete einer wunderschön in klaren Farben am wolkenverhangenen Himmel über unserer Stadt.

Zornig hatte Gott einst eine vernichtende Sintflut geschickt, weil die Menschen viel Unheil angerichtet hatten. Doch sie waren dadurch nicht besser geworden. Da sagt Gott: „Halt! So mache ich nicht weiter.“ Gott besinnt sich auf seine Menschenfreundlichkeit und verspricht, alles Leben zu bewahren, solange die Erde steht. Seinen Kriegsbogen hängt er weg – in die Wolken hinein (1. Mose 8,20 – 9,17). Wir sehen ihn als Regenbogen, als Zeichen des Friedens zwischen Gott und uns Menschen.   

Unter dem Regenbogen haben alle Menschen Platz unabhängig von ihrer Hautfarbe, egal ob arm oder reich, krank oder gesund, egal ob sie anders leben und lieben. Längst ist der Regenbogen zum Symbol für Frieden und Toleranz in unserer Gesellschaft geworden, also auch für Zusammenhalt. Er macht Mut, füreinander einzustehen und „Halt!“ zu sagen, wenn Menschen ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Wenn Antisemitismus und Rassismus um sich greifen.

Kein Wunder, dass die LGBTQIA+-Community sich den Regenbogen als Symbol zu eigen gemacht hat. Ich bin überzeugt, Gottes Lieblingsfarbe ist bunt.

Pfarrerin Melanie Drucks

Pfarrerin Melanie Drucks

Ev. Krankenhausseelsorgerin, Johannes Wesling Klinikum Minden

Audienz beim allmächtigen Gott

Angesichts der Situation in dieser Welt, mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, den Entwicklungen in China und den Konflikten zwischen Nord- und Südkorea, kommt mir der Gedanke: Hoffentlich klagen wir nicht irgendwann einmal und sagen: Hätten wir doch mutiger und anhaltender gebetet.

Ich freue mich über die Menschen, die Woche für Woche bei uns in der Kirche zum Friedensgebet zusammenkommen, um für Frieden nicht nur in der Ukraine zu beten. Ich freue mich über die Menschen, von denen ich höre, dass sie sich an anderen Stellen zum Friedensgebet treffen.

Wir stehen vor dem Reformationsfest. Das Gebet ist für Luther ganz wichtig gewesen. Er sagt: „Man kann keinen Christen finden ohne Gebet – so wenig wie man einen lebendigen Menschen ohne Puls finden kann, den Puls, der nimmer stehen bleibt.“ Beten ist der Pulsschlag des Glaubens. Luther weiter: „Gott braucht mein Gebet nicht, aber mein Leben braucht das Gebet.“

Gebet ist Audienz bei dem allmächtigen Gott, ist ganz persönliche Begegnung mit Jesus, und nur aus diesem persönlichen Umgang mit Jesus im Gebet erwächst Vertrauen und wächst Glaube.

Wahrscheinlich kennt jeder, genauso wie ich, auch die Fragen im Blick auf das Gebet. Wie wird mein Gebet erhört? Warum erhört Gott manchmal Gebete anders oder erst viel später, als ich es mir wünsche.

Und doch will ich immer wieder zu Gott kommen, alleine oder in der Gemeinschaft mit anderen, und neben Lob und Dank alle meine Bitten und Fürbitten vor IHN bringen. Und neben dem, was mich persönlich privat bewegt, will ich die Politik im Großen und Kleinen, die Fragen und Nöte in unserem Land und in dieser ganzen Welt nicht vergessen.

Somit möchte ich Sie einladen, am Ende dieser kurzen Andacht, Stille zu werden und gerade die weltweiten Probleme von Krieg bis Klimakatastrophe vor Gott zu bringen.

„In allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ Philipperbrief, Kapitel 4, Vers 6.

Peter Fischer

Peter Fischer

Pfarrer, Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Hille