Minden. Wie vielfältig die jüdische Synagogen-Architektur ist, zeigt ab 15. September vier Wochen lang eine Ausstellung in der offenen Kirche St. Simeonis (Simeonskirchhof, 32423 Minden). Unter dem Titel „100+ Synagogen in Deutschland“ vermittelt die Ausstellung einen Eindruck sowohl von jüdischen Gebetshäusern, die seit über 1.000 Jahren im Gebrauch jüdischer Gemeinden sind, als auch von solchen, die umfunktioniert wurden und dabei immer noch das jüdische Erbe erkennen lassen. Supermoderne, in den letzten Jahren erbaute Synagogen stehen neben bescheidenen, handbemalten fränkischen Landsynagogen mit langer Geschichte. Barocke, klassizistische, romanische und neomaurische Sakralbauten werden ebenso vorgestellt wie eine Bauhaus-Synagoge in Hamburg, UNESCO-Welterbe-Stätten in Erfurt und Wörlitz und durchgestylte Design-Synagogen in Mainz sowie am Frankfurter Flughafen.
Die Ausstellung in St. Simeonis geht zurück auf das ebenfalls unter dem Titel „100+ Synagogen in Deutschland“ erschienene Buch von Alex Jacobowitz.
Jacobowitz wurde 1960 in einer aschkenasischen jüdischen Familie in New York geboren und ist ausgebildet als klassischer Musiker. Im Jahr 2000 kam er nach Berlin und begann dort, sich intensiv mit der traditionellen jüdischen Instrumentalmusik (Klezmer) auseinanderzusetzen. Im Laufe der Jahre kristallisierte sich als bevorzugtes Konzert-Format für ihn heraus, jüdische Musik zu spielen, dem Publikum Erklärungen zur Bedeutung und Geschichte dieser Musik zu geben und „authentische Musik an authentischen Orten zu spielen“. In Deutschland allerdings war die Suche nach solchen Orten schwierig, weil es keine systematische Übersicht deutscher Synagogen gab. Jacobowitz beschloss, das zu ändern, fuhr kreuz und quer durch Deutschland und fotografierte sowohl aktuell von jüdischen Gemeinden genutzte als auch ehemalige Synagogen. Damit war der Grundstein für sein Buch und für die Ausstellung gelegt.
Am Dienstag, 15. September, um 18 Uhr wird die Ausstellung im Beisein von Alex Jacobowitz eröffnet. Die musikalische Gestaltung der Vernissage liegt in den Händen von Kreiskantor Nils Fricke. Veranstalter der Ausstellung sind die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen e. V. und die Offene Kirche St. Simeonis. Die Ausstellung ist zu sehen dienstags bis samstags während der regulären Öffnungszeiten der Kirche von 11 bis 15 Uhr bis Donnerstag, 15. Oktober.