Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Schluss mit dem frommen Versteckspiel
Manchmal gehen wir lieber im Halbdunkel. Nicht, weil wir die Dunkelheit mögen, sondern weil sie uns schützt. Sie lässt Raum für Ausreden, für kleine Kompromisse, dafür, dass wir noch nicht ganz so weit sind. Im Schatten müssen wir uns nicht rechtfertigen – nicht vor anderen, und oft auch nicht vor uns selbst. Wir spielen ein stilles, frommes Versteckspiel, und es fühlt sich sicher an. Doch das Evangelium dieses Sonntags spricht vom Licht. Ein Licht, das in die Welt gekommen ist – und das uns herausfordert, unser Versteck aufzugeben. Es ist kein grelles, entlarvendes Licht, sondern das Licht Christi, das Leben schenkt. Wer sich ihm stellt, riskiert, dass etwas sichtbar wird: unsere Schwächen, aber auch unsere tiefsten Sehnsüchte. Und genau dort beginnt Veränderung. Nikodemus, der nachts zu Jesus kam, um unerkannt zu bleiben, warte diesen Schritt – vorsichtig, tastend, suchend. Auch unser Weg beginnt oft so: zwischen Fragen und Hoffen. Doch irgendwann spüren wir, dass das Licht ruft. Dass wir uns nicht länger hinter frommen Ritualen, Ausreden oder halben Wahrheiten verstecken können. Ins Licht zu treten, heißt nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, ehrlich zu werden – vor Gott, vor anderen, vor uns selbst. Dort erkennen wir: Gott sieht mich – mit allem, was ich bin, und mit allem, was ich noch werden kann. Und er bleibt. Im Licht verliert die Angst ihre Macht. Was uns belastet, wird leichter, weil wir es nicht länger verstecken müssen. Und wo wir selbst Licht empfangen, können wir es weitergeben – durch ein offenes Wort, einen Akt der Versöhnung, ein stilles Gebet. Vielleicht ist das der eigentliche Mut des Glaubens: das fromme Versteckspiel zu beenden und Schritt für Schritt ins Licht zu gehen – und zu vertrauen, dass wir dort nicht verurteilt, sondern angenommen und lebendig werden.

Priester Oliver Rütten
Bezirksvorsteher Neuapostolische Kirche Minden
Wartezeit
Übermorgen kann das erste Türchen am Adventskalender geöffnet werden. Wie schön! Das versüßt die Wartezeit auf Weihnachten. Denn mit dem Warten ist es ja manchmal so eine Sache. Ist es vor der Ladenkasse oder an Bushaltestelle oder Bahngleis nicht oft nervig? Und manches sorgenvolle Warten mag uns aufreiben, zermürben. Aber wenn wir auf den angekündigten lieben Besuch oder sogar die Geburt eines Kindes warten, dann kann uns das mit Hoffnung und Vorfreude erfüllen, uns nach vorne blicken lassen. Weil wir auf ein ersehntes Ziel zugehen.
„Herr, ich warte auf dein Heil.“ – In der Bibel steht, dass Jakob diesen kurzen Satz sagt, als er seine Söhne segnet. Jakob erwartet etwas von Gott, etwas Gutes. Ich finde, dieser Satz passt sehr gut an den Anfang der Vor-Weihnachtszeit, der Adventszeit. ,Gott, du bist in Jesus in diese Welt gekommen, ich warte nun darauf, dass du auch bei mir ankommst. Und in dieser Wartezeit kann ich mich auf deine Ankunft vorbereiten.’
Was erwarten wir von Jesus? Was erwarten wir von Gott? Was gibt es bei uns heil zu machen?
Die Adventszeit mit ihren kerzenwarm leuchtenden Momenten bietet sich an, darüber mit uns selbst, mit einem anderen Menschen, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Gott will uns heilvoll in unserem Leben begegnen und auch am Ende aller Zeit. Darauf zu warten, darauf zu hoffen, das kann uns diese Zeit Tag für Tag nahebringen. Auch im Jahr 2025. Vielleicht brauchen wir manchmal etwas Geduld, wenn wir auf Gott warten. Vielleicht brauchen wir jemanden, der uns ein Stück begleitet, das Warten mit uns teilt. So kann manche „Wartezeit“ auch spannend sein und uns weiterführen, uns neue Gedanken und Anstöße geben. Ich denke, es lohnt sich allemal, darauf zu warten, dass der Himmel uns heilvoll berührt, uns Kraft, Halt und Hoffnung gibt, uns Liebe bringt, Wärme und Licht schenkt, und dass wir angenommen sind. „Herr, ich warte auf dein Heil.“
So wünsche ich Ihnen eine erwartungsfrohe, heilvolle Wartezeit im Advent!

Beate Rethemeier
Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen
Mit dem Tod leben lernen – Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Am Ewigkeitssonntag werden wir uns in den Kirchen treffen,
die, die im letzten Kirchenjahr einen Angehörigen oder Freund verloren haben,
die, die schon länger einen lieben Menschen vermissen.
Uns alle beschäftigt der Verlust und die Frage, wie können wir mit diesem Verlust weiterleben?
Der Tod gehört zum Leben dazu, das wissen wir alle, es zu akzeptieren fällt schwer und darüber zu reden ist oft immer noch ein Tabu.
Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden gehen wir im Rahmen eines Projekttages auf den Südfriedhof. Dort begegnen wir Bestattungsarten und den Spuren derer, die uns vorausgegangen sind, deren Namen wir auf Grabsteinen und Grabmalen lesen können. Anschließend kehren wir ins Gemeindehaus zurück, wo Bibeltexte, Lieder und Bücher Raum geben für Gespräch und Nachdenken.
Einen besonders tiefen Eindruck hinterlässt das Buch „Leb wohl lieber Dachs“. Nachdem der alte Dachs gestorben ist, erzählt sich die Tiergemeinschaft, was sie mit ihm erlebt hat, was er ihnen mitgegeben hat für ihren Lebensweg.
Der Fuchs hat gelernt seine Krawatte richtig zu binden, die Häsin Plätzchen zu backen, der Frosch Schlittschuh zu laufen… Und während des Erzählens merken die Tiere, dass die Erinnerung an den alten Dachs leichter werden, weil sie sie miteinander teilen. Mit dem Tod leben lernen heißt für mich: Im Gespräch mit Gott und den Menschen zu sein, die mir wichtig sind und zugleich zuzuhören, wie es der oder dem Anderen geht.
Und so bekomme ich einerseits im Gespräch und Gebet mit Gott und andererseits im Austausch mit anderen neuen Mut, neue Kraft und neue Hoffnung, das Leben neu zu entdecken.
Jesus lädt uns dazu ein: „Kommt her zu mir, wenn ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Mt 11,28) und „Ich bin bei dir alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20).
Deshalb: „Fürchte dich nicht…., denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jes 43,1).

Thomas Pfuhl
Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Martini, Bezirk Erlöserkirche