Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Müdigkeit und Aufbruch im Vertrauen

So kurz vor den Sommerferien tritt dies Phänomen nicht nur in der Schule auf: Müdigkeit und Mutlosigkeit, vor allem wenn sich trotz Engagement der erwünschte Erfolg nicht eingestellt hat. Das kennen viele von uns auch, dass wir in unsere Arbeit, in eine Beziehung oder anderes manches investiert haben, aber wenig dabei herauskommt. Dies erlebt auch der Fischer Simon und klagt Jesus sein Leid: „Wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen.“ Aber Jesus fordert ihn auf, all seiner Berufserfahrung zum Trotz, doch noch einmal mitten am Tag die Netze auszuwerfen. Und Petrus vertraut seiner ermutigenden Rede: „Auf dein Wort hin will ich es tun.“ Und er macht die beglückende Erfahrung, dass er mit einem reichen Fang beschenkt wird. So will Gott auch uns trotz mancher frustrierenden Erfahrung herausfordern, neue Schritte zu wagen im Vertrauen auf ihn. Dabei erleben wir, er beschenkt uns mit Mut, Kraft und manchmal ganz überraschenden Lösungen. Denn für Jesus ist der wunderbare Fischzug nur der Auftakt dafür, dass er mit Simon noch Größeres vorhat. Er soll sein Mitarbeiter werden und andere Menschen für das Vertrauen zu Gott gewinnen. Er bekommt schließlich sogar einen neuen Namen und eine Verheißung: „Du bist Petrus (das bedeutet Fels) und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“
Nun erleben wir ja in unseren Kirchen derzeit teilweise das Gegenteil: Menschen wenden sich ab, sind nicht mehr bereit, die Aufgaben in der Kirche mitzutragen. Da ist äußerlich eher Rückbau angesagt.
Aber die Verheißung gilt und hat lebensverändernde Kraft. Alle, auch Mitarbeitende in der Kirche, will Jesus neu ermutigen, trotz manchem Frust auf ihn zu vertrauen. Vielleicht sogar den Mut, neue Schritte zu gehen, um Menschen die immer noch beste Botschaft der Welt weiterzusagen: Dass Gott uns in keiner Lebenslage allein lässt.

Andreas Wilmsmeier

Andreas Wilmsmeier

Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen

Was, wenn ich gar nicht wichtig bin?

Manchmal merke ich es erst hinterher. Ich habe einen Text geschrieben, einen Gedanken formuliert, eine Aussage auf den Punkt gebracht – und jemand liest ihn und sagt, das hat ihn bewegt. Nicht ich. Der Text, der Gedanke, die Sache dahinter. In solchen Momenten bin ich schon einmal überrascht. Ich hätte erwartet, enttäuscht zu sein. Bin ich aber nicht. Der Text hat funktioniert, weil ich nicht im Weg stand.
Am 24. Juni feiert die Kirche den Johannistag – die Geburt von Johannes dem Täufer. Kein großes Fest, eher ein stiller Tag im Kirchenjahr. Und doch hat dieser Tag es in sich: Ausgerechnet dieser Mann wird der Größte, weil er auf einen anderen zeigt. Er wächst in einer Priesterfamilie auf, geht dann in die Wüste, predigt, tauft, sammelt Menschen um sich – und weist sie weiter. Seht, das ist das Lamm Gottes, sagte er, als Jesus vorbeikam; nicht er sollte gesehen werden, sondern der, auf den er zeigte.
So sagt es die Predigt für diesen Tag: Wie Johannes sind auch wir berufen, Christus zu bekennen. Durch das, was wir sagen, wie wir leben, wie wir mit Menschen umgehen. Ich frage mich manchmal, ob das durch mich wirklich zu spüren ist – ob durch mich wirklich jemand merkt, dass da jemand ist, der größer ist als ich.
Mit der Taufe gehöre ich dazu – zu dieser langen Reihe von Menschen, die auf Christus gezeigt haben und zeigen. Ich muss kein Johannes sein. Aber ich darf mich immer wieder fragen: Kommt durch mich jemand einen kleinen Schritt näher – nicht zu mir, sondern zu Christus? Vielleicht ist das genug. Vielleicht ist das sogar alles.

Priester Oliver Rütten

Priester Oliver Rütten

Bezirksvorsteher Neuapostolische Kirche Minden

Verliebt ins Gelingen

Vertretung 8a. Französisch. Die jungen Leute erklären mir kurz, woran sie gerade arbeiten. Dann senken sich wieder die Köpfe.
„In der achten Klasse können sich Schüler schlecht konzentrieren, haben Mühe, sich auf schulische Inhalte einzulassen, normaler Unterricht ist kaum möglich“, sagen Lernpsychologen. Mein Blick gleitet über die Gesichter der Schüler vor mir: Keiner spielt am iPad. Keiner knufft seinem Nachbarn in die Seite. Keiner muss erstmal auf die Toilette. Sportklasse. Stille, Konzentration. Voller Fokus. Wie beim Start zum 100-Meter-Lauf. Ruder-Vierer. Siebenmeter-Wurf. Und jetzt: französische Konjugationen.
„Die sind aber mächtig verliebt“, denke ich. „Verliebt ins Gelingen“.
Wie der liebe Gott, als er sich die Welt und diese Mädchen und Jungs erdacht hat: „Siehe, es war sehr gut“, kommentiert die Bibel (1.Mose 1,31). So viel Begabung. So viel Talent. Möglichkeiten, Spielräume, die der Schöpfer ihnen mitgegeben hat. Machen muss natürlich jeder selbst etwas daraus. Die Schüler hier zeigen mir gerade, wie‘s geht: „Verliebtsein sein ins Gelingen“. Schwächen? Wer hätte die nicht. Diese Reibe- und Reifeflächen zu menschlicher Größe. Scheitern, Versagen gehört dazu. Mal nicht ganz oben auf dem Treppchen stehen. Kennen sie auch vom Sport. Für diesmal aber stehen alle auf der Gewinnerseite. Ihre Arbeitshaltung: Weltklasse!
Als ich beim Gongschlag mit Dank in die Runde den Raum verlasse, treffe ich im Flur noch auf Lennie, einen Schüler der Oberstufe. Sitzt in einem Spezialrollstuhl. Lächelt. Hebt die schmale Hand zum Gruß. Wie der Junge die Schule meistert und seinen Tag: Der gehört für mich ganz oben aufs Siegertreppchen.
Ja, ich glaube, keiner ist wie er verliebt ins Gelingen. Und wer Lennie kennt, seine Seelenpower, mit der er unterwegs ist, weiß: Bei ihm, da war auch der liebe Gott mächtig verliebt. Na, Sie wissen schon worin.

Jens Burgschweiger

Jens Burgschweiger

Schulpfarrer an der NRW-Sportschule Besselgymnasium Minden