Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Ernte – Geschenk und Aufgabe
Es ist wieder Erntezeit. Aus diesem Anlaß feiern wir besondere Gottesdienste. Der Altarraum in den Kirchen wird dazu mit Erntegaben geschmückt. So bringen wir symbolisch all das vor Gott, was er in unseren Gärten und auf unseren Feldern wachsen läßt. Denn wir wissen, dass trotz aller harten Arbeit beim Pflanzen, Pflegen und Ernten der Erfolg nicht in unserer Hand steht. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Doch Wachstum und Gedeihen steht in des Herren Hand!“ So bringt es ein Liedvers in besonderer Weise auf den Punkt. Weil wir als Christen glauben, dass letztlich alles Gute, unsere ganze Existenzgrundlage von Gott kommt, deswegen ist unser erster Impuls zum Erntedankfest der Dank an Gott, dem Schöpfer und Erhalter unseres Lebens!
Doch viele Menschen haben zu wenig, um halbwegs gut leben zu können. Liegt das an Gott? Reicht es am Ende doch nicht, was er uns Menschen schenkt? Sind es zu wenig Gaben für zu viele Menschen?
Die Evangelien überliefern dazu eine Begebenheit aus dem Leben Jesu Christi: Das sogenannte Speisungswunder. Mehrfach wird berichtet, dass Menschen Jesus lange zugehört haben und dann nicht mehr nach Hause gehen können, um zu essen. Jesus fragt daraufhin seine Jünger, was denn noch an Nahrungsmitteln da sei. Zwei Fische, fünf Brote – so lautet die ernüchternde Antwort. Also: viel zu wenig. Doch Jesus dankt Gott für seine Gaben und beginnt, die Brote und Fische zu teilen. Und das Wunder geschieht: am Ende werden alle satt, und es bleibt sogar noch viel übrig. Hat Gott da unbemerkt immer wieder etwas dazu gelegt? Das könnte er sicher getan haben. Aber ich denke, dass das eigentliche Wunder darin bestand, dass die Menschen geteilt haben. Jeder hat nachgeschaut, was er noch in den Taschen hatte, alles wurde geteilt – und letztlich war es für alle genug.
Das ist die zweite Botschaft von Erntedank: es ist unsere Aufgabe, zu teilen. Gott segnet seine Schöpfung überreich mit allen guten Dingen. Es gibt genug – doch Gott verteilt es durch uns. Wenn wir immer nur sammeln und festhalten wollen, dann reicht es für Viele nicht. Wenn wir aber teilen, dann werden alle satt.
Dankbarkeit und Teilen, das müssen unsere Reaktionen zum Erntedankfest sein. Bekennen wir frei und offen, wem wir alles verdanken, und lassen wir diesem Dank Taten folgen. Dann können immer mehr Menschen einstimmen in den Psalmvers, der über dem Erntedanksonntag steht: Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Christoph Ruffer
Pfarrer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Martini, Minden
Wenn Glaube Berge versetzen kann
„Stärke unseren Glauben!“. So lautet die Bitte der Jünger an Jesus in Lukas 17,5. Und Jesus antwortet mit einem ungewöhnlichen Bild: Schon ein Glaube so klein wie ein Senfkorn könne etwas bewirken, das eigentlich unmöglich scheint.
Ein Senfkorn ist winzig. Man kann es leicht übersehen. Aber aus diesem kleinen Korn kann etwas Großes wachsen.
Am 27. September 2026 ist der Tag der Gehörlosen. Er erinnert daran: gehörlose Menschen gehören mitten in unsere Gesellschaft. Sie leben ihren Alltag, arbeiten, feiern, lieben, hoffen und glauben – wie hörende Menschen auch. Und doch gibt es viele Erfahrungen, die Hörende nur schwer nachvollziehen können.
Stellen Sie sich vor: Sie gehen zum Arzt. Der Arzt spricht mit Ihnen, aber Sie verstehen ihn nicht, die Diagnose bleibt unklar. Im Wartezimmer wird Ihr Name aufgerufen – aber Sie hören es nicht. Oder Sie sitzen bei einer Familienfeier inmitten von Menschen. Alle unterhalten sich munter, es werden Reden gehalten, aber Sie selbst bleiben außen vor. Gehörlose Menschen haben das alles schon erlebt.
Aber gerade hier kann der Gedanke vom Senfkorn wichtig werden: Veränderung beginnt oft klein.
Ein hörender Mensch lernt einige Gebärden. Jemand schaut einen gehörlosen Menschen beim Gespräch wirklich an und spricht langsam und deutlich. Eine Veranstaltung wird mit Gebärdensprachdolmetscherinnen so gestaltet, dass alle teilnehmen können.
Das sind kleine Schritte. Aber sie können viel verändern.
Christlicher Glaube zeigt sich in der Liebe. Diese Liebe muss nicht alles auf einmal verändern. Sie beginnt mit einem kleinen Schritt, mit Aufmerksamkeit und mit der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.
Jesus macht Mut: Auch ein kleiner Glaube kann wachsen und Großes bewirken.
Der Tag der Gehörlosen ist deshalb auch eine Einladung an uns Hörende: Schauen wir hin. Lernen wir einander kennen. Überwinden wir Barrieren.
Vielleicht beginnt es mit einem kleinen Schritt.
Ein Senfkorn ist klein. Aber daraus kann etwas Großes wachsen.

Pfarrer Christian Schröder
Gehörlosenseelsorger in der EKvW
Österliche Töne im beginnenden Herbst
Gedanken zum 16. Sonntag nach Trinitatis
Der Spätsommer geht zu Ende, der Herbst rückt näher, die Bäume werden eher als gedacht welk und werfen ihre Blätter ab. Bereits jetzt sind die Tage deutlich kürzer geworden. Morgens, wenn ich um 5.45 Uhr aufstehe, ist es schon wieder dunkel.
In dieser Zeit merke ich, wie mir die Natur die Vergänglichkeit vor Augen führt, merke, mein Leben ist verletzlich und wird wie alles andere irgendwann ein Ende haben.
In diese Stimmung hinein wirkt der Wochenspruch aus dem 2. Timotheusbrief aufmunternd, Mut machend, ein helles Licht in die immer dunklen werdenden Tage hinein.
„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1,10b)
Die Worte des Paulus oder eines seiner Schüler wollen uns nicht vertrösten, sondern beschreiben eine feststehende Tatsache, die Ulrich S. Leupold im Lied EG 116 so beschreibt:
Er (Christus) ist erstanden, Halleluja.
Freut euch und singet, Halleluja.
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.
Laßt uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja!
Die Suaheli-Melodie des Liedes »Mfurahini, Haleluya« von Bernard Kyamanywa gibt dem Lied den richtigen Schwung, es reißt uns mit, in dieses Bekenntnis einzustimmen.
Christus hat dem Tod die Macht genommen und uns befreit zum ewigen Leben!
Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft. Sie wird mitten in den immer trister und düsterer werdenden Alltag hineingerufen, schenkt uns Kraft und Zuversicht und lässt uns nicht mutlos werden.
Denn Christus ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden,
Halleluja.
(Altösterlicher Jubelruf)

Thomas Pfuhl
Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Martini, Bezirk Erlöserkirche