Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Sonntag ist Vatertag….

Sonntag ist Vater-Tag! Ich höre Sie sagen: „Nein, Muttertag! Am 2. Sonntag im Mai lassen doch wieder viele Kinder – gleich welchen Alters – ihrer Mutter eine Aufmerksamkeit zukommen, um ihr zu zeigen: Du bist für mich da. Es ist gut, dass es dich gibt.“ Ja, wir brauchen dafür wohl einen Erinnerungstag! So etwas vergisst man leicht, obwohl es guttun würde, möglichst oft daran zu denken.

In diesem Jahr ist am Muttertag auch Vatertag! Vater-unser-Tag! Warum?

In meinem Kalender heißt der 09. Mai 2021„Rogate“. „Betet.“ „Bittet.“ Was liegt näher, als an das „Vater unser / unser Vater im Himmel, …“ zu denken? Überall auf der Welt und in vielen Sprachen wenden sich Christen mit diesen Worten, die Jesus ihnen zum Beten und Bitten gegeben hat, an Gott, und können sich so auch über manche Distanz hinweg als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern Jesu Christi, untereinander verbunden fühlen.

Diesen Sonntag können wir als Erinnerung nehmen, dass auch wir in diese Worte einstimmen können. Er lädt uns ein: Probier es doch mal (wieder), dich an Gott zu wenden! Vielleicht wirst du dabei ganz neu entdecken, was für dich wirklich wichtig ist im Leben – auch in deiner Beziehung zu deinen Mitmenschen und zu Gott. Im „Vater unser“ steckt so viel drin! Aber natürlich können Sie auch mit Ihren eigenen Worten beten und für sich und andere bitten. Sprechen Sie vor Gott ruhig aus, was Sie federleicht macht, aber auch, was Ihnen steinschwer auf der Seele liegt. Entdecken Sie: Mit Gott im Gespräch zu bleiben, das gibt Ihrem Leben Halt. Jesus sagt: “Bittet, so wird euch gegeben.“ Ich habe die Erfahrung gemacht: Das stimmt, aber manchmal gibt Gott anders und zu anderen Zeiten, als ich es erwarte. Eines ist gewiss: Gott ist auch für Sie da, wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter. Er lässt Sie nicht im Stich. 365 Tage im Jahr können Sie darauf vertrauen. Aber vielleicht tut es ganz gut, zwischendurch mal daran erinnert zu werden. Deshalb: Einen fröhlichen, zuversichtlichen „Vater unser“-Tag!

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Stell dir vor, es ist Kirche und keiner geht hin ….

In meiner Gemeinde ist viel los: die Jugend trifft sich, die Älteren sowieso, der Gebetskreis ist wichtig für uns, der Teeschoppen nach dem Gottesdienst wird gut genutzt. Und so viele Zuhörer bei meinen Predigten hatte ich noch nie. Aber die Kirchentüren sind zu. Alles findet online statt. Eine neue Verordnung? Trifft uns erst mal nicht. Leserbriefe gegen Gottesdienstregelungen? Tun uns weh, denn wir bleiben zu Hause.Begegnungen fehlen uns allen. Ob in der Familie, im Beruf, im Sportverein, in der Kirche, wir würden uns gerne wieder unbeschwert treffen. Die steigenden Impfzahlen lassen mich hoffen, dass unsere Kirchentüren bald wieder offenstehen.

Aber Kirche ist mehr als nur ein Ort, um Gottesdienst zu feiern. Kirche ist auch gelebte Gemeinschaft. Da werden wir kreativ, nutzen Briefe, Telefon, Internet und bringen auch mal was an die Haustür. Ich freue mich immer wieder, wie kreativ da die einzelnen Gemeinden werden. Außerdem schafft Kirche Raum für Begegnungen mit Gott. Dafür muss ich nicht in das Gebäude gehen. Ein Kirchenbesuch erleichtert es mir manchmal, zur Ruhe zu kommen. Mir bewusst Zeit für Gott zu nehmen. Aber zu Hause geht das auch. Die Entdeckung der Menschen in der Bibel war ja gerade, dass Gott an jedem Ort zu finden ist. Gott lässt sich gerade nicht an ein Gebäude binden und ist nur an einem Ort anzubeten. Gott ist ein Gott, der mitgeht. An den Arbeitsplatz. Ins Krankenhaus. Zu mir nach Hause.Das kann mir keiner nehmen: wo auch immer ich gerade bin, kann ich mit Gott reden. Er fordert uns dazu auf: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich retten und du sollst mich ehren!“ (Psalm 50, 15).

Wir sind in Not, weltweit. Aber wir haben einen Gott, der uns sieht, uns zuhört. Gott lässt sich bitten, darauf hat Jesus in vielen Erzählungen hingewiesen. Die Kirchen sind zu. Aber Gottes Türen stehen für uns offen

Nicole Bernardy

Nicole Bernardy

Pfarrerin, Ev. Methodistische Kirche Minden

Lachen ist gesund …

In der vergangenen Woche ist mir eine Karikatur aufgefallen (Johann Mayr „Verzweiflung“), in der dargestellt ist, wie ein kniender Mann mit dem Blick nach oben fragt: „Gott …. ! Was soll ich machen?“ Und in einer Sprechblase, die aus dem Himmel kommt, steht in großer Schrift: „Lachen!“

Worüber soll man lachen, wenn die Infektionszahlen steigen, Menschen auf Intensivstationen liegen, die einen um ihre finanzielle Existenz fürchten, die anderen überlastet sind von Arbeit und Kindererziehung, das Gefühl von Einsamkeit in allen Altersklassen steigt und die Aggression im gesellschaftlichen Miteinander zunimmt.

Zynismus oder Galgenhumor ist der aktuellen Lage ganz gewiss nicht angemessen, sich über die Not und Verzweiflung anderer lustig zu machen, finde ich abscheulich.

Aber trotzdem entlockt der hintergründige Sinn der Karikatur mir ein Schmunzeln.

Wie befreiend kann es sein, sich weniger zu sorgen und weniger zu grübeln, sondern stattdessen mal zu lächeln oder zu lachen!

Eine Empfehlung von Psycholog*innen sagt, dass man, um aus der Sorgen- und Grübelfalle hinauskommen, ganz bewusst einen Zeitrahmen einplanen soll, nur in dem das Sorgen und Grübeln erlaubt sind.

Wie wäre es, wenn wir einen Zeitabschnitt einplanen, der für das Lachen reserviert wäre?

Es muss ja nicht gleich ein Online-Kurs in Lach-Yoga sein, aber mehr Leichtigkeit, mehr Unbeschwertheit, mehr Lachen und Freude könnten uns allen in diesem langen Lock-down guttun.

Lachen ist gesund, sagen der Volksmund und wissenschaftliche Studien.

Und auch die Bibel weiß, was für Menschen in Verzweiflung und Sorgen wichtig ist: „Freut euch, wenn ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten.“ (Römer 12, 12)

Und wenn gemäß der Karikatur, die Stimme aus dem Himmel zum Lachen auffordert, dann können wir Gott auch um mehr Leichtigkeit, mehr Freude, mehr Humor bitten. Vielleicht öffnet er uns die Augen für die Absurditäten des Alltags in der Pandemie und lässt uns lachen, notfalls auch über uns selbst

Karin Daniel

Karin Daniel

Pfarrerin, Kirchengemeinde St. Martini, Minden

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen