Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

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Ich kenn´ da ne Abkürzung

Wird eine Nachricht mit „MfG“ beendet, möchte sie „Mit freundlichen Grüßen“ gelesen werden. Zahlenkürzel wie „116“ bezeichnen die Reihenfolge der Anfangsbuchstaben im Alphabet: „AAF“ („auf alle Fälle“). Abkürzungen beschleunigen die Kommunikation in den sozialen Medien. Sie sparen Zeit. Doch Geschwindigkeit geht oft zu Lasten der Eindeutigkeit: „HDGDL“ kann entweder innigste Zuneigung (Hab Dich Ganz Doll Lieb) oder Gegnerschaft (Hab Dich Gedisst Du Looser) bedeuten. Geschwindigkeit macht Spaß, verlangt aber Phantasie, die Kenntnis des Zusammenhangs und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen.

Wer gern mit dem Mountainbike unterwegs ist, kennt die Genuss spendende Kraft von Abkürzungen, sogenannten Short-Cuts. Die möglichst kürzeste Verbindung zwischen Gipfel und Talsohle verspricht Nervenkitzel, Herausforderung – und manchmal den schmerzhaften Kontakt mit Baumwurzeln oder anderen Unterholzüberraschungen. Jede Pilgergruppe, die dem Hinweis „Ich kenn da ne Abkürzung“ folgend im Brombeergestrüpp landete, wird Jahre später noch von dem zauberhaften Aroma der Waldbrombeeren schwärmen.

Mose, der König der Abkürzungen, zog mit den Israeliten nicht um das Schilfmeer herum – wie es vielleicht der Wanderführer geraten hätte. Er kannte die Gegend um das Schilfmeer und das Naturphänomen eines trockenen Ostwindes, der das Wasser zurücktrieb und eine direkte Querung des Wasserarms zu Fuß ermöglichte. Den Ägyptern, die diesen Zusammenhang nicht kannten, wurde diese Abkürzung zum Verhängnis. Das Wasser war zurückgekommen und begrub „Ross und Reiter der Soldaten des Pharaos“. Gute Abkürzungen versprechen Freiheiten und schütteln die Verfolger ab, die mich in fremdbestimmte Lebensverhältnisse zurückziehen möchten.

Denn Abkürzungen führen von bekannten Wegen ins Unbekannte, vom Berechenbaren ins Abenteuer. Die Geschichte von dem Schilfmeer-Shortcut unter Moses Leitung erzählt die Folgen der Abkürzung: 40 Jahre Wanderung durch die Wüste Sinai. Alle Beteiligten dieser Reise lernen unterwegs, sich immer weniger auf sich selbst und die eigenen, bewährten Erfahrungen zu verlassen. Die entbehrungsreiche und konfliktbeladene Reise führt sie immer mehr in den Einflussbereich einer Macht, die aufrechtes Leben und Genuss spendende Gemeinschaft fördert. Am Ende landet diese Pilgergruppe im gelobten Land dort, wo Milch und Honig fließen.

Nicht immer sparen Abkürzungen Zeit, manchmal sind sie der Beginn von Umwegen. Immer fordern sie komplette Aufmerksamkeit und verbessern die Orts- und Selbstkenntnis. Wie reagieren Sie auf den Hinweis „Ich kenn da ne Abkürzung…“?

WeS*

Frieder Küppers

(*wünsche erholsamen Sommer) ulipke@schulreferat.org

Frieder Küppers

Frieder Küppers

Pfarrer, St. Marienkirchengemeinde Minden

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Was verbinden Sie mit dem morgigen Sonntag?

Zweiter Sonntag in den Sommerferien?

Tag des Endspiels der EM?

In der katholischen Kirche ist dieser Tag der 15. Sonntag im Jahreskreis und vom Datum der 11. Juli, das jährliche Fest des Hl. Benedikt von Nursia. Er wird 480 n. Chr. in Umbrien geboren, geht zum Studium nach Rom, zieht sich als Einsiedler zurück und wird zum Begründer des westlichen Mönchtums. In seiner Regel verbindet er die beste monastische Überlieferung des Ostens und des Westens. Vertrautheit mit der heiligen Schrift und eine reiche geistliche Erfahrung verleihen ihm die Güte und Weisheit, die auch seine Regel auszeichnen. Das Vorwort zu seiner Regel beginnt mit den Worten: „Höre, mein Sohn, auf die Lehren des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm die Mahnung des gütigen Vaters willig an und erfülle sie durch die Tat.“

Die benediktinische Ordensfamilie, zu der neben den Benediktinern auch die Zisterzienser und die Camaldulenser gehören, leben nach der Regel, die mit dem Motto zusammengefasst wird „Ora et labora – bete und arbeite“. Bis vor 210 Jahren, also der Säkularisation 1811, gab es über viele Jahrhunderte auch in der Stadt Minden eine Niederlassung der Benediktiner, die nach dieser Regel ihr Leben ausrichtete. Die Klosteranlage in der oberen Altstadt, rund um die St. Mauritiuskirche und dem Pauline-von-Mallinckrodt-Platz, wurde nach der Säkularisation für das Militär genutzt und nach dem 2. Weltkrieg erneut als Kloster für die Schwestern der Christlichen Liebe. Nachdem von diesen Schwestern nur mehr die Leiterin der Wärmestube, Schwester Annette vor Ort ist, gibt es derzeit vielfältige Überlegungen für die zukünftige Nutzung dieser Räumlichkeiten.

Der Hl. Benedikt wird verehrt als einer der Schutzpatrone und Gründungsväter Europas. Sein zeitloses Motto und seine Regel haben auch nach über 1.500 Jahren nichts von ihrer Tiefe und Bedeutung verloren. Die Überzeitlichkeit lässt uns voll Optimismus sein, dass sich Menschen finden, die diesen Ort im Geist des Hl. Benedikt mit Leben füllen.

Roland Falkenhahn

Roland Falkenhahn

Propst am Dom zu Minden, Leiter des Pastoralen Raumes Pastoralverbund Mindener Land

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Die Medien haben das Ende der Pandemie eingeläutet. Die Meldungen über das Virus treten mehr und mehr zurück. Stattdessen Lockerungen, warme und sonnige Tage in Gaststätten und Restaurants, Einkaufen ohne Termin und ohne Test… Bald wird wieder alles so wie früher?! –

Ich erinnere mich an ein Gespräch aus den Tagen, als es immer klarer wurde, dass das Covid-Sars-19-Virus etwas anderes ist als „eine Form von Grippe“, was viele anfangs meinten. Mein Gesprächspartner meinte: >>Diese Pandemie wird uns alle verändern!<< Ich kann ihm nicht einfach beipflichten, antworte vorsichtig: >>Schauen wir mal?!<< – Heute heißt es oft: >>Es wird Zeit, dass wir wieder zur Normalität zurückkommen.<< oder >>Wir wollen unser altes Leben wiederhaben.<< Und so werden die vielen Spaziergängerinnen und Spaziergänger – Menschen, die man sonst nie auf den Straßen gesehen hat – wieder verschwinden. Hunde, die als Begleiter angeschafft wurden, kommen in die Tierheime und so manches Fahrrad bleibt künftig in der Garage, die Luft wird wieder stärker mit Abgasen belastet, wenn die Flugreisen und Ferienfahrten wieder losgehen. Und irgendwann wird „Corona“ eine Krankheit sein, mit der wir leben.

Nur diejenigen, die an den Folgen der Erkrankung weiterleiden, oder die gar einen Angehörigen an das brutale Virus verloren haben, werden ihr Leben anders fortsetzen müssen. –

Wir Menschen verändern uns nicht gerne, schon gar nicht, wenn es uns vorgegeben und durch Vorschriften untermauert wird. Gut, für eine Weile mag es gehen, da kommen ungeahnte menschliche Züge zum Vorschein. Da kaufen Nachbarn füreinander ein, da werden Pflegekräfte beklatscht… Doch eine nachhaltige Veränderung? Sie wird auch jetzt ausbleiben oder die Ausnahme?!

Ich erinnere in diesem Zusammenhang eine Erzählung aus den Evangelien. Sie heißt: „Der reiche Jüngling“ und berichtet von der Begegnung eines jungen Mannes mit Jesus. Der junge Mann möchte das ewige Leben. Er hat bereits ein vorbildliches Leben geführt. Allerdings fordert Jesus ihn auf, seinen Reichtum aufzugeben und ein Leben mit ihm zu beginnen. Das ist zu viel. Der junge Mann geht traurig davon. Die Umstehenden, die Zeugen der Begegnung wurden, sind verstört. Nein, ein solch radikaler und nachhaltiger Lebenswandel, das wollen viele nicht. Ein wenig, – okay; aber das Auto ganz aufgeben, um das Klima zu erhalten, die saubere Luft weiter zu genießen…

Eine nüchterne und möglicherweise deprimierende Erkenntnis. – Doch am Ende der Geschichte heißt es, dass noch eine Möglichkeit bleibt. Sie liegt bei Gott und Gott sei Dank lassen sich Menschen immer wieder darauf ein und ändern den Weg zum Besseren ihrer selbst und anderer auch jenseits der Pandemie, der Krise, des gewohnten Lebens.

Christoph Kretschmer

Christoph Kretschmer

Pfarrerin, Freiherr-vom-Stein Berufskolleg

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