Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es weiterhin wie gewohnt in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus neuerdings auch hier.

Dankbar in der Krise?

 

„Jesus nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus.“ Dieser Satz stammt aus dem biblischen Bericht über die Speisung der 4000. Und direkt im Anschluss werden dann 4000 Menschen satt. Und das in einer Situation, in der allen ganz klar vor Augen stand, dass es eigentlich nicht möglich ist, mit so wenig Essen eine solche Menge satt zu bekommen. Aber Gott tut ein Wunder, und am Abend sind alle reichlich gesättigt, und es bleibt sogar etwas übrig.

Bemerkenswert an der Geschichte finde ich neben dem Versorgungs-Wunder, das Gott tut, den Ort in der Geschichte, an dem der Dank steht. Der Dank kommt in diesem Wunderbericht nicht ganz am Ende, nachdem Gott das Wunder getan hat und offensichtlich ist, dass es für alle gereicht hat. Stattdessen dankt Jesus mitten in der schwierigen Situation, genau in dem Moment, in dem die Krise ganz klar vor Augen steht, die Lösung aber noch nicht in Sicht ist.

Jesus dankt Gott für die sieben Brote, die Gott ihm anvertraut hat. Jesus erkennt an, dass er auch mitten in der Krise von Gott beschenkt ist, auch wenn es für die Situation viel zu wenig scheint. Im Dank vertraut er Gott diese wenigen Brote und Fische an, weil er weiß, dass aus ihnen in Gottes Hand viel mehr, viel Wunderbareres werden kann, als würde er sich selbst daran festklammern. Sein Dank ist voller Zuversicht, dass auch diese übersichtlichen, sogar unzureichenden Gaben in Gottes Hand genug sind, weil er Großes damit tun kann. Nach dem Dank hat Jesus den Mut, das Brot zu verteilen. Und er erlebt, wie sein Vater durch ihn das Wunder vollbringt, dass am Ende alle mehr als genug haben.

Wir erleben gerade alle miteinander eine Krise. Jeder ist auf seine Weise betroffen. Wir erwarten, dass Gott helfend eingreift in die Situation. Ich möchte sie heute ermuntern, mit dem Danken nicht zu warten, bis die Krise gelöst ist, sondern wie Jesus mitten in der Krise im Dank anzuerkennen, dass wir beschenkt sind. Um dann das, was wir haben, zusammen mit unseren Sorgen in Gottes Hände zu legen. Voller Vertrauen darauf, dass es in seinen Händen viel mehr ist als in unseren, dass er uns hindurchträgt und versorgt, vielleicht auch auf Wegen von denen wir heute nicht einmal etwas ahnen.

Thomas Berneburg

Thomas Berneburg

Pfarrer in der Kirchengemeinde Lerbeck, Bezirk Meissen

… wir bleiben in Verbindung ….

„Wir bleiben in Verbindung!“, mit diesen Worten legt meine Gesprächspartnerin auf. Viele Telefongespräche enden gerade so. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass wir uns sehen. Also müssen wir andere Wege finden, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. Da helfen Telefon und Videokonferenz. Und die Versicherung, wir halten Kontakt.

Eins unserer Kinder hat heute jemanden aus meiner Gemeinde getroffen. Sie haben sich Grüße zugerufen. Ich werde eine Nachricht als Dank schreiben und freue mich schon auf ein Gespräch.

Gespräche sind etwas Kostbares geworden. Ich genieße jede direkte Begegnung, es gibt sie gerade kaum. Immerhin geht es gerade allen anderen genauso. Ich verpasse nichts, wenn ich zu Hause bin. Die Straßen sind leer, meine Lieblingsorte verwaist, meine Kirche geschlossen. Gemeinschaft leben im Homeoffice, das ist eine neue Erfahrung. Ich greife zum Telefon und höre „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Mit dieser Person bleibe ich schon mal nicht in Verbindung.

Meine Liste mit veralteten Adressen und Telefonnummern wächst. Der ein oder andere Kontakt läßt sich doch wieder herstellen. Da hat jemand nur vergessen, seinen Umzug der Kirchengemeinde mitzuteilen. Für manche war es nur eine Floskel, dieses „wir bleiben in Verbindung“. Die Anbindung zur Gemeinde gibt es schon lange nicht mehr. Aber was, frage ich mich, ist mit der Verbindung zu Gott?

Gott hat über die Jahrtausende immer wieder erlebt, dass Menschen versprechen, in Verbindung mit ihm zu leben. Doch dann wird anderes im Leben wichtiger und Gott ist nur noch eine Randfigur. Weihnachten ist Gottes Angebot an uns: „Ich will mit euch in Verbindung bleiben!“ Jesus hat uns vorgelebt, wie ein Leben mit Gott aussehen kann, mitfühlend, liebevoll, getragen vom Gebet. Mir zeigt die Bibel: Gott gibt nicht auf. Er bietet uns immer wieder an, mit ihm zu reden, mit ihm zu leben.

„Wir bleiben in Verbindung“ – Gottes Zusage ist da. Diese Verbindung halte ich gerne.

Herzliche Grüße

Nicole Bernardy

Nicole Bernardy

Nicole Bernardy

Pfarrerin , Methodistische Kirche Minden

Bewegt euch

Was ist die Parole der Stunde? „Bleiben Sie zu Hause“, hört man oft und immer: „Kontakte vermeiden“. Aber was tun wir zu Hause, um diese schwierige Zeit zu überstehen? Im April letzten Jahres haben noch viele die Zeit genutzt, in sich zu gehen. Viele Stimmen äußerten sich hoffnungsvoll, dass die Welt dadurch eine gerechtere werden kann, wenn Menschen sich auf das Wesentliche konzentrieren. Aber nach November, Dezember und nun der Verlängerung der Coronamaßnahmen liegen die Nerven blank. Das ist eine ganz natürliche Abfolge. Erst das Aufatmen, dann der zunehmende Stress, der Lagerkoller und die psychische Belastung durch die Einschränkungen bei der Arbeit. Lehrerinen oder Lehrer sehen, dass sie die Unterrichtsmethoden ständig umstellen, um den Jugendlichen den nötigen Unterrichtsstoff noch zu vermitteln, aber dass die nötige langfristige Planung fehlt. Andere müssen zusehen, wie das Ergebnis ihrer jahrelangen Aufbauarbeit zerbricht.

Keine und keiner kann aus der Situation und seiner Angst ausbrechen. Aber wir können eines tun, uns bewegen. „Bewegt euch“, sollte ein Gesundheitsminister rufen. Wer sich bewegt, wer Sport treibt, kann den Stress abbauen, den Kopf wieder frei bekommen, um kreativ mit der schwierigen Situation umzugehen. Wer sich bewegt, schläft gut und tut etwas gegen die ganzen  psychischen Erkrankungen, die uns in dieser Zeit drohen.

Bewegung und Sport müssen natürlich auch Spaß machen, sonst haben sie nicht die positive Wirkung. Sich alleine bewegen ist nicht jedermanns Sache. Deshalb bieten manche Vereine in Minden notgedrungen wenigstens eine online Vernetzung für Interessierte an (z.B. TuS Minderheide, Zoomtrainig für Kinder und Erwachsene).  Der Arbeitsbereich Kirche und Sport der Ev. Kirche bietet sogenannte workout-Gottesdienste online an, bei dem Gymnastik zum Mitmachen mit einem kurzen Gottesdienst verknüpft wird. Die erste Ausgabe April 2020 (von inzwischen drei) führt gut in das Anliegen ein: https://www.youtube.com/watch?v=NWShHOJ8npw

Bewegung ist zentral für die biblische Botschaft. Wir sind gerufen, Jesus nachzufolgen, d.h. wir müssen uns bewegen, nicht nur im übertragenen Sinne. Das Leben ist eine Reise; und ein schwerer Weg liegt vor uns. Nur ganzheitlich, mit Körper und Geist, können wir diesen Weg gehen, damit wir am End des Jahres mit 2. Timotheus  4,7 sagen können: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.

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Clemens Becht

Clemens Becht

Pfarrer, St. Marienkirchengemeinde Minden , Bezirk St. Lukas

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