Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Ein jeder kennt wohl dieses geflügelte Wort. Genauso wie: Zum einen Ohr hinein und zum anderen heraus. Beide Sprichwörter behandeln ein allzu menschliches Problem: wir hören und hören doch nicht, wir sehen und sehen doch nicht. Oft blockieren wir auch Dinge, die uns vielleicht nicht angenehm sind oder aus einer bestimmten Richtung kommen, die wir nicht wollen…
Es gibt viele Gründe, warum wir etwas nicht wahrnehmen oder nicht tiefer eindringen lassen wollen. Im christlichen Sinne wird uns durch das Evangelium vieles gesagt oder auf manches hingewiesen. Es will uns trösten, es will uns aufrichten, es will uns Mut zusprechen, aber auch einmal ermahnen, Richtung geben, zum Handeln anregen und dem Leben einen guten Sinn geben. Allein die Bergpredigt weist auf den Frieden hin, den Nächsten, aber auch auf Gott, der unserem Leben Orientierung geben und Kompass sein will. Wir lesen es, wir hören davon und im nächsten Moment ist es wieder überlagert vom Alltag und seinen Bedürfnissen.
Im Jakobusbrief wird ein Mensch beschrieben, der in einen Spiegel sieht, sich umwendet und sofort vergisst, wie er ausgesehen hat. Es gibt aber auch die Möglichkeit seine Sinne zu schärfen und besser hinzuhören, besser hinzusehen: Wie geht es meinem Nächsten, wie gehe ich selbst mit der Aussage des Evangeliums um! Jakobus beschreibt es so: Nicht nur Hörer, sondern auch Täter zu werden. Aus der Nähe zum Evangelium erhalten Christen die Kraft, in ihrer Umgebung Frieden zu bringen und hier und da ein Segen zu sein. Ein jeder ist aufgefordert im Sinne des Evangeliums: Zu sehen, zu hören, Gutes zu tun!
Ich wünsche uns allen dazu viel Erfolg!

Lothar Ney

Lothar Ney

Ökumene-Beauftragter Bezirk Minden, Neuapostolische Kirche

Gedanken zum Sonntag, 06. 09. 2026

Grau. Tatsächlich. Ich bin erschrocken. Das erste graue Haar. Der Lack ist ab. Ich werde älter, keine Frage. Aber man ist ja so alt wie man sich fühlt. Ich fühle mich jünger als ich bin.
Doch das graue Haar stimmt mich nachdenklich. Alterserscheinungen wie Falten im Gesicht und nachlassende körperliche Kräfte gehen nicht an mir vorbei. Kommt es in letzter Zeit nicht öfter vor, dass ich nicht mehr weiß, wo ich meine Brille hingelegt habe? 
Das löst in mir die Befürchtung aus, irgendwann alt, krank und gebrechlich zu werden. Damit bin ich nicht allein. Anti-Aging Produkte, Haarfärbemittel und Fitnessangebote stehen nicht nur bei Frauen hoch im Kurs. In unserer Gesellschaft ist es wichtig, den Alterungsprozess so lange wie möglich hinauszuzögern und jung zu bleiben. Ich möchte gerne in einigen Jahren zu den junggebliebenen Alten gehören, die sich mit ihrem Freundeskreis treffen, reisen, in einem Ehrenamt engagieren und Spaß am Leben haben. Deswegen ernähre ich mich gesund. Sport? Na ja, da gibt’s noch Luft nach oben.
Jetzt stellt sich bei mir ein Störgefühl ein. Möchte ich wirklich so lange wie möglich jung bleiben? Der Herbst des Lebens ist doch ein ganz eigener Lebensabschnitt mit seiner eigenen Schönheit und eigenen Aufgaben. Was möchte ich noch erreichen? Was muss ich loslassen?
Vielleicht lerne ich auf meinem Weg, gelassener zu werden und mich nicht mehr über Kleinigkeiten aufzuregen. Vielleicht kann ich auch dann schöne Spaziergänge machen, wenn ich mal einen Rollator brauche.
Aber wenn die Gesundheit nicht mitmacht? Als Krankenhausseelsorgerin begegne ich immer wieder Menschen, die krank geworden sind, obwohl sie gesund gelebt haben. Es ist mir wichtig, zu tun, was ich kann, um gesund zu bleiben. Doch letztlich habe ich es nicht in der Hand. Mir fällt ein Bibelvers ein. Gott spricht: „Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid. Ich trage euch, bis ihr graue Haare habt.“ (Jesaja 46, 4a). Diese Zusage gilt jedem Menschen, egal ob jung oder alt, krank oder gesund.
Mir macht sie Mut, meinen Weg vertrauensvoll weiterzugehen. Und wenn alle meine Haare mal grau sind? Vielleicht bin ich dann sogar stolz, sie zu tragen.

Pfarrerin Melanie Drucks

Pfarrerin Melanie Drucks

Ev. Krankenhausseelsorgerin, Johannes Wesling Klinikum Minden

Verantwortung für unser Leben

Wir alle tragen Verantwortung für unser Leben und für das Zusammenleben in unserer Welt, denn uns steht nur diese eine Welt als Lebensraum zur Verfügung. Menschen, die zuhause einen Garten haben, sorgen dafür, dass er gepflegt und in Ordnung gehalten wird. Der eigene Garten ist ein gutes Bild für das Leben um uns herum: Würden wir unseren Müll achtlos in unseren Garten werfen? Wie gehen wir mit öffentlichen Orten in unserer Stadt um? Ist es uns wichtig, dass auch diese Orte einladend und freundlich aussehen? Einen Garten zerstören wir nicht, sondern pflanzen etwas, was wir später als Ertrag ernten können: Gemüse oder Obst. Oder wir freuen uns an dem, was im Garten blüht. Warum gelingt es uns Menschen nicht, unsere Welt wie einen Garten zu sehen, wie ein Geschenk Gottes an uns Menschen?
Dann würden wir Konflikte und Machtinteressen, die es immer wieder unter Menschen, auch unter Völkern geben wird, auf anderem Wege lösen als durch brutale und zerstörerische Kriege mit ihren schrecklichen Folgen für die Menschen und für das Leben auf unserer Erde. Kriege, auch Angriffskriege, darf es heute in unserer Welt nicht mehr geben. Denn Kriege zerstören nicht nur das Leben so vieler Menschen, sondern haben unabsehbare Folgen für das Klima und die Lebensgrundlagen in unserer Welt. Ebenso zerstört der fortschreitende Raubbau an der Natur, wie die Abholzung der Regenwälder, unsere Lebensgrundlagen, weil damit die „grünen Lungen“ unserer Erde für immer verloren gehen.
Die Schöpfungszeit, die unsere Kirchen vom 1. September bis 4. Oktober feiern, will uns daran erinnern, dass wir Menschen Teil dieser Schöpfung sind. Wir tragen eine Mitverantwortung dafür, dass Menschen auch in Zukunft in unserer Welt leben können. Dazu gehört ein Lebensstil, der nicht einem ungebremsten Konsum folgt, sondern verantwortlich mit den Ressourcen umgeht, die wir zum Leben haben. Daran erinnert uns der Ökumenische Tag der Schöpfung am 04. September. Das diesjährige Motto stammt aus dem biblischen Buch Hiob (38, 18): „Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“

Pfarrer Christian Hohmann

Pfarrer Christian Hohmann

oikos-Institut für Mission und Ökumene in der Evangelischen Kirche von Westfalen und Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche in NRW