Minden / Lübbecke. Schon immer gehen viele Menschen im Mühlenkreis davon aus, dass es so wie den „Kreis Minden-Lübbecke“ auch einen „Kirchenkreis Minden-Lübbecke“ geben würde. Bald könnte daraus Wirklichkeit werden.
Hintergrund dafür ist, dass Dr. Uwe Gryczan, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lübbecke, aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand geht. Schon seit vielen Monaten leitet daher Pfarrerin Barbara Fischer in ihrer Eigenschaft als stellvertretende Superintendentin (Synodalassessorin) den Kirchenkreis Lübbecke.
Nach sorgfältiger Prüfung ist das Führungsgremium des Kirchenkreises, der Kreissynodalvorstand (KSV), zu dem Schluss gekommen, dass eine Neubesetzung des Superintendenten-Amtes in Lübbecke nicht zukunftsfähig ist. Der Lübbecker Kreissynodalvorstand ist deshalb an den Mindener Kreissynodalvorstand mit dem Vorschlag herangetreten, die beiden Kirchenkreise zusammenzulegen.
Nach intensiven Vorgesprächen ist jetzt in einer gemeinsamen Sitzung der Kreissynodalvorstände der Kirchenkreise Lübbecke und Minden verabredet worden, dass tatsächlich eine Zusammenführung der beiden Kirchenkreise angestrebt wird. Die beiden Kreissynodalvorstände werden daher diesen Plan ihren Kreissynoden vorlegen. Die Synode des Kirchenkreises Minden tagt am 20. Juni, die Synode des Kirchenkreises Lübbecke am 10. Juli.
Der Kirchenkreis Lübbecke hat aktuell rund 50.000 Kirchenmitglieder, der Kirchenkreis Minden rund 60.000. Damit gehören beide Kirchenkreise im Vergleich mit den anderen 26 Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche von Westfalen zu den kleineren Kirchenkreisen. Generell stehen die Zeichen bei der Evangelischen Kirche zurzeit auf „Kooperation“. Das zeigen zum Beispiel der Reformprozess im Kirchenkreis Minden mit seiner Systematik der vier „Planungs- und Kooperationsräume“ und der Zusammenschluss der Verwaltungen der Kirchenkreise Herford, Minden, Lübbecke und Vlotho zum „Evangelischen Kreiskirchenamt Weser-Werre-Wiehen“, der zum 1. Januar 2026 stattfand.
„Erste Ansätze von Kooperation auf inhaltlicher Ebene gibt es ohnehin schon“, sagt Michael Mertins, der Superintendent des Kirchenkreises Minden, und verweist auf die Regelung, dass die Mindener Flüchtlingsberatung auch ein Angebot in Lübbecke unterhält. Darüber hinaus laufe der aufgrund sinkender Mitgliederzahlen erforderliche Reformprozess in Lübbecke ähnlich wie in Minden. „Durch den geplanten Zusammenschluss beider Kirchenkreise wird Evangelische Kirche in Minden-Lübbecke in Zukunft handlungsfähiger werden“, betont Mertins. „Die Kirche steht derzeit vor großen Herausforderungen“, sagt Barbara Fischer, und deshalb sei eine enge und verbindliche Zusammenarbeit der Kirchenkreise Lübbecke und Minden für beide Seiten eine große Chance. „Die aktuellen Herausforderungen betreffen beide Kirchenkreise ähnlich und eine Begegnung auf Augenhöhe ist so sehr gut möglich.“
Die beiden Kirchenkreise im Überblick:
- Im Kirchenkreis Minden gibt es derzeit rund 60.000 evangelische Kirchenmitglieder. Im Kirchenkreis Lübbecke sind es rund 50.000.
- Der Kirchenkreis Minden hat 21 Gemeinden und 31 Pfarrstellen, der Kirchenkreis Lübbecke 18 Gemeinden und 22 Pfarrstellen.
- Im Kirchenkreis Minden gibt es 29 evangelische Kindertageseinrichtungen, im Kirchenkreis Lübbecke 25.
- Der Zeitplan sieht so aus, dass nach der Beratung über den Zusammenschluss auf den Sommersynoden (in Minden am 20. Juni, in Lübbecke am 10. Juli) erste Beschlüsse auf den Herbstsynoden (14. beziehungsweise 20. November) gefasst werden. Die pfarramtliche Verbindung der beiden Superintendenten-Stellen wäre zum 1. Januar 2027 möglich und der tatsächliche Zusammenschluss der Kirchenkreise zum 1. Januar 2029.