„Wir werden hier gebraucht, also werden wir auch bleiben“: Pfarrerin Catharina Bluhm weiß um die Bedeutung ihrer Kirche für die Menschen in Mindens Westen. Gemeinsam mit dem Presbyterium und Superintendent Michael Mertins erklärte sie in der Gemeindeversammlung, wie die Gemeinde ihre Gebäude zukunftssicher aufstellen möchte. Die Planungen bedeuten den Abschied vom Thomashaus, dem jüngeren der beiden Gemeindehäuser, aber auch die Entstehung eines neuen Treffpunkts im Quartier um den Schwabenring.
Die Zielmarke heißt: Vierzig Prozent. So weit müssen die Kirchengemeinden in und um Minden die Kosten für ihre Strukturgebäude, also Kirchen und Gemeindehäuser und -zentren, senken. Zurzeit werden ungefähr ein Drittel der verfügbaren Gelder für die Gebäude aufgebracht; für die Gemeindearbeit bleiben zwei Drittel. Doch weniger Kirchensteuereinnahmen, demographischer Wandel und Teuerung bedeuten, dass dieses Verhältnis bald kippen könnte. „Diese Entwicklung wollen wir aufhalten,“ erklärte Michael Mertins den Anwesenden in der Thomaskirche. Und das solle mit dem Mindener Weg gehen: Anstatt die Gemeinden mit der Aufgabe alleine zu lassen, arbeiten diese vier Regionen zusammen, um ihre Gebäude unter die Lupe zu nehmen. Wie können Kosten gesenkt, welche Gebäude gemeinsam genutzt, welche potenziell aufgegeben werden? Auch in der Thomaskirche ist das regionale Denken angekommen, und Gottesdienste werden mit den Nachbargemeinden St. Jakobus und Barkhausen abgestimmt.
Gebäudestrategien im Planungsraum auf der Zielgeraden
Mit diesen Vorgaben hat sich auch die Gemeindeleitung auf den Weg gemacht. Ihr Lösungsvorschlag: Die Gemeinde verabschiedet sich vom Thomashaus, das in den 1980er Jahren an das bestehende Gemeindehaus angebaut wurde. Die dadurch mögliche Einsparung reicht nicht ganz an die Zielvorgabe von vierzig Prozent heran. Aber mit den gemeinsamen Anstrengungen im Planungsraum ist das Ziel erreichbar. Fast alle Gemeinden des Kirchenkreises hätten ihre Gebäudestrategien schon fertig, konnte Superintendent Mertins verkünden, zwei Monate vor dem Stichtag der Sommersynode im Juni. 37 Prozent Einsparungen werden im Planungsraum Minden-West erreicht, zu dem die Thomaskirche gehört, und die anderen Regionen melden ähnliche Zahlen.
Kleiner, aber erkennbarer
Mehr als über die reinen Zahlen freut sich Michael Mertins über die kreative Energie, die der Prozess freigesetzt hat: „Indem man sich kleiner setzt, kann man auch erkennbarer werden“. Und gerade die Pläne für die Thomaskirche seien ein Beweis dafür, sagte der Superintendent, der schon einen Einblick in die Vorschläge hatte.
Worum genau es geht, stellte Christian Herda vor. Der Löhner Architekt hat über Jahre bei der Landeskirche gearbeitet und bringt sein Fachwissen jetzt als freischaffender Architekt und im Mindener Studio Lax + Wolf ein. So entstand der Kontakt zur Thomaskirche. Die Gemeinde sei gut mit ihren Gebäuden umgegangen, aber sie seien im „bauzeitlichen Zustand“, wie Christian Herda es diplomatisch ausdrückte: Die Dämmung, Elektrik, Fenster seien sehr gut erhalten, aber eben nach den Standards der 1960er bis 1980er Jahre.
Das Thomashaus zieht ein
Mit Catharina Bluhm und dem Presbyterium hat er eine pragmatische Lösung entworfen: Kein großer Um- oder Neubau, sondern eine clevere Ausnutzung der vorhandenen Räume. Im hinteren Teil der großen Hallenkirche soll ein Ersatz für das Thomashaus entstehen. Der Bereich unter der Empore soll mit einer Glaswand abgetrennt werden und lichten, freundlichen Raum für die vielen Gruppenaktivitäten bieten, vom Thomas-Kinder-Morgen oder den Nähengeln bis zum im Quartier so beliebten „Wohnzimmer“. Die Gemeindebücherei zieht ebenfalls ein und soll die Emporentreppe so umschließen, dass sie gleichzeitig den beheizten Teil von der nicht immer beheizten Kirche trennt.
In das Foyer zwischen Kirche und Turm soll die Küche verlagert werden. Mit einer zentralen Kücheninsel entsteht ein einladender Raum für gemeinsame Kochabende und Gruppenaktivitäten. Mit den großen Glasflächen des Foyers wird aus einem einfachen Wirtschaftsraum ein weithin sichtbarer Leuchtturm für die Kirche in ihrem Quartier.
Die Vorschläge von Architekt und Gemeindeleitung wurden vom Publikum mit spontanem Applaus quittiert. Auf der kommenden Sommersynode sollen die Strategien in den vier Planungsräumen vorgestellt werden, bevor es dann bis 2029 in die Umsetzung gehen soll. Am Schwabenring bedeutet das: Optionen für die Vermarktung des Thomashauses werden entwickelt, die Pläne für den neuen Gruppenbereich werden ausgearbeitet und der Umzug der Gruppen in die Kirche kann beginnen.