Es ist eines der sehr faszinierenden Bücher zur Geschichte des Judentums und zur Geschichte der Frauen in Deutschland: Am Dienstag, den 29. September, beginnt um 19:30 Uhr in der Alten Synagoge Petershagen, Goebenstraße 5, eine kommentierte Lesung aus den Lebenserinnerungen der Glikl Bas Judah Leib.
Glikl führte im 17. und 18. Jahrhundert ein Leben als 14-fache Mutter, erfolgreiche Geschäftsfrau und Jüdin. Nach dem Tod ihres Ehemannes begann sie, ihre Erlebnisse aufzuschreiben, und schuf damit die älteste ausführliche Autobiographie einer Frau in Deutschland.
Frank Meier-Barthel von der Ev. Erwachsenenbildung wird spannende Passagen aus den Memoiren Glikls vorlesen und kommentieren, etwa ihre Erinnerung an die Begeisterung für Shabbtai Zvi, der von vielen Juden für den Messias gehalten wurde, woraufhin Glikls Schwiegereltern bereits ihre Sachen für die Heimkehr ins Gelobte Land packten.
Ein kurzer Exkurs geht auf Glikls Großvater Nathan ein: Er lebte in Detmold, von wo er wie alle lippischen Juden 1614 vertrieben wurde. Auch Nathan unterzeichnete den Protestbrief der jüdischen Gemeinschaft, in dem steht: Juden sind „Menschen von Gott erschaffen“ und vor dem Gesetz wie Christen zu behandeln – ein frühes Dokument des Ringens um Gleichberechtigung, und dies aus der Region Ostwestfalen.
Die Lesung gehört zum Rahmenprogramm des Laubhüttenfestes 2026, das vom 25. September bis zum 2. Oktober mit einer offenen Laubhütte im Gymnasium Petershagen begangen wird. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der AG Alte Synagoge Petershagen, der Ev. Erwachsenenbildung, der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V. und des Städt. Gymnasiums Petershagen.
Wegen des begrenzten Raumes ist eine Anmeldung notwendig bei Frank Meier-Barthel unter frank.meier-barthel@ekvw.de oder 0174-93 79 572. Der Eintritt ist kostenlos.