Es war einmal wieder soweit: auf dem Display des Autos erschienen die Worte: Ölwechsel in 1500 km. Etwas unbeholfen wählte ich die Nummer eines angesehenen Autohändlers, um einen Termin zu vereinbaren. Anstatt einer höflichen und zuvorkommenden Stimme einer Rezeptionistin wurde ich von einer seelenlosen KI-Stimme empfangen, die mir als erstes mitteilte, dass ich mit ihr in ganzen Sätzen zu sprechen habe… Dann folgte das ermüdende Herunterrattern der Optionen. Natürlich waren spezifische Rückfragen nicht möglich. Erste Reaktion: aufflammender Ärger. Ich versuchte es erneut. Als ich dann endlich einen Menschen am Apparat hatte, wurde mir ungehalten mitgeteilt, dass dieser Mensch nicht für mein Anliegen zuständig sei. Meine Reaktion: wutentbranntes Auflegen.
KI macht es möglich, dass ich ohne Wartezeit mit meinem Anliegen „bearbeitet“ werde. Was will ich denn mehr? Ich möchte als Mensch behandelt werden und nicht als Vorgang! Wenn mir das wichtig ist, hilft es nicht auf die KI zu schimpfen und oder beleidigt zu resignieren. Es gilt mein von Gott geschenktes Hirn einschalten und abwägen: entweder ich suche so lange nach einer Werkstatt, bis ich eine finde, die auch am Telefon (immer noch) auf Menschen als Grundlage der Interaktion mit potentieller Kundschaft setzt oder ich setze mich in mein Auto und fahre zu der Werkstatt, um persönlich mein Anliegen vorzutragen und dann einen Termin zu vereinbaren: ganz „Old School“.
Eine Frage der Freiheit!
Gottes Segen zum Sonntag!

Frederic Kernbach

Frederic Kernbach

Pastor am Dom, Pastoralverbund Mindener Land