Gemeinsam am Tisch sitzen sie nicht nur, wenn Pressevertreter dabei sind: Die Stimmung beim Gespräch mit Vertretern der Interessengemeinschaft für den Erhalt der Lerbecker Kirche und der Kirchengemeinde ist vertraut und konstruktiv. Aus spontaner Sorge nach dem Aufgabebeschluss für das Gebäude ist eine Initiative entstanden, die mit der Kirchengemeinde zusammen an Lösungen arbeitet. Hinter den Kulissen ist seitdem viel geschehen, und neue Perspektiven für die Zukunft der Lerbecker Kirche deuten sich an. So viel verraten die beiden Partner bereits: Schon in den nächsten Wochen kommen neue Events in den historischen Raum.
Ein Blick zurück: Im Frühsommer hatte die Kirchengemeinde Lerbeck die mögliche Aufgabe ihrer Kirche bekanntgegeben. Als Teil der Gebäudeplanung im Ev. Kirchenkreis Minden musste auch in Lerbeck massiv bei den Gebäudekosten gespart werden, um nicht schon in naher Zukunft den Großteil des Haushalts allein für den Erhalt von Stein und Beton, anstatt für aktives Gemeindeleben aufzubringen. Obwohl die Kirchengemeinde sich bereits vor einigen Jahren von zwei ihrer Gebäude getrennt hatte, ließen die Zahlen nur eine Möglichkeit zu: Um das Sparziel zu erreichen, müsste sich die Gemeinde auf ein einziges Gemeindehaus konzentrieren.
Für die Kirche blieb in diesem Szenario keine Perspektive, zumindest unter den bestehenden Vorzeichen. Dabei sei jedoch ein Verkauf der Kirche nicht angestrebt gewesen, betont Thomas Berneburg im Gespräch. Von Anfang an war ein anderes Träger- oder Nutzungskonzept, das die Kirche weiter für die Menschen in der Gemeinde und im Ort erhalten würde, die absolute Präferenz. Einzig ein „Weiter so“ könne es nicht geben.
Aus spontaner Initiative wird aktive Interessengemeinschaft
Die Nachricht hatte die Menschen in Meißen, Lerbeck, Neesen und Nammen getroffen. Eine öffentliche Ortsratssitzung zum Thema hatte fast 100 Teilnehmende ins Lerbecker Begegnungszentrum gebracht. Viele gaben ihrer Sorge um ihre Heimatkirche Ausdruck. Das Gespräch zeigte aber auch mögliche Auswege auf. Christoph Schürmann, der selbst im Pfarrhaus in Lerbeck aufgewachsen ist, erkannte: Die Menschen und die Energie, die nötig sind, seien doch bereits im Raum. Gemeinsam mit anderen Anwesenden sprach er sich für die Bildung einer Interessengemeinschaft für den Erhalt der Kirche aus. Auch Andreas Koldehoff, der zur Teilnahme an der Sitzung aufgerufen hatte, freute sich über die Gesprächsbereitschaft von Kirchenkreis und -gemeinde. „Die Offenheit für verschiedene Träger- und Beteiligungsmodelle“, so der SPD-Kreistagsabgeordnete, würden den Menschen in Lerbeck „Raum für ein langfristig tragfähiges Nutzungskonzept“ geben.
Aus der spontanen Initiative hat sich seitdem eine aktive Interessengemeinschaft entwickelt. Bereits jetzt verfolgen und unterstützen mehr als 150 Menschen aus der Region das Vorhaben von Christoph Schürmann und seinen Mitstreitern. Sie arbeiten eng mit den Vertretern der Gemeinde zusammen und bereiten sich darauf vor, der Initiative demnächst einen offiziellen Rahmen zu geben.
Nicht zuletzt inspiriert von den Trägerschaftsmodellen für die Marienkapelle in Hahlen und in Nordhemmern, werden mögliche Konzepte geprüft, um die Kirche für die Gemeinde und den Ort zu erhalten. Die Herausforderung in Lerbeck ist jedoch ungleich größer: Jährliche Kosten im hohen fünfstelligen Bereich stehen im Raum. In den laufenden Kosten schlagen besonders Heizung, Versicherung und die Rücklage, die für den Erhalt der Bausubstanz zu bilden ist, zu Buche. Mehr Veranstaltungen und eine Öffnung für andere kirchliche und kulturelle Akteure könnten Mieteinnahmen und Erträge generieren.
Doch nicht nur finanzielle Unterstützung sei nötig. Auch Menschen, die nicht Geld, sondern Zeit und Kompetenz einbringen können, seien gefordert. Viel Bausachverstand ist bereits vorhanden, nicht zuletzt aus dem Kirchbauverein. Dazu jedoch braucht es Menschen, die sich bei juristischen, technischen oder organisatorischen Fragen engagieren möchten und auch einfach mit anpacken können. Auch wenn viele Fragen noch zu klären sind, sei er dankbar, sagt Thomas Berneburg, dass die Gemeindeleitung Partner gefunden hätte, „mit denen wir den weiteren Weg mutig gehen können.“
„Wir wollen nicht die kalten Steine erhalten, sondern einen Ort voller Leben“
In der Kirche in Lerbeck tut sich indessen bereits viel. „Wir wollen nicht die kalten Steine erhalten, sondern einen warmen Ort voller Leben“: So hatte Thomas Berneburg den Sinn der gemeinsamen Bemühungen beschrieben. Nicht zuletzt mit Unterstützung des Kirchbauvereins zeigen mehrere Veranstaltungen in den kommenden Wochen, wie das in Zukunft aussehen kann: Am Donnerstag, 5. November, bringt Patrick Gläser sein über die Landesgrenzen hinaus erfolgreiches Projekt „Orgel rockt“ nach Lerbeck und zeigt, was in den 25 Registern der Steinmann-Orgel steckt. Seit sechzehn Jahren begeistert der Baden-Württemberger Organist sein Publikum mit unerwartet modernen Klängen von Metallica bis Pirates of the Caribbean. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei; um Spenden wird gebeten.
Bereits am Samstag, 7. November, folgt mit „Aurora“ ein weiteres Highlight. Lichtkünstler Oliver Roth und seine musikalischen Mitstreiter Markus Jentsch und Alexander Wenn hatten mit ihrem jüngsten Projekt bereits die Mindener Martinikirche an gleich zwei Abenden ausverkauft und freuen sich darauf, die Licht- und Lasershow in der Lerbecker Kirche wieder aufleben zu lassen. Ab 19 Uhr soll in der Kirche „ein Meer aus Licht und Sound“ entstehen.
Bewusst beziehen Kirchengemeinde und Interessengemeinschaft auch andere Partner aus der kirchlichen und kulturellen Landschaft in Lerbeck und darüber hinaus in ihr Vorhaben ein: So laden Chor und Orchester der Christlichen Brüdergemeinde Porta am 28. November zum Adventskonzert in die Kirche, die einen größeren Auftritt als die Räumlichkeiten der Brüdergemeinde am Pfahlweg zulässt. Auch der Jugendsingkreis Porta hat sich die große Kulisse der Lerbecker Kirche für sein Weihnachtskonzert ausgesucht. Mit den festlichen Gottesdiensten der Kirchengemeinde Lerbeck, einem Kindermusical an Heiligabend und dem großen „Horizons“-Neujahrskonzert geht das Programm weiter und verspricht viel für die Zukunft der Kirche in Lerbeck.