Ein großes Hochzeitsfest in der Verwandtschaft. Es ist Mai und ungewöhnlich heiß. Die Feier findet in einer großen Gärtnerei statt, die sich auf den Verleih von repräsentativen Bäumen und das Ausrichten von unterschiedlichen Festivitäten in einem besonderen Ambiente spezialisiert hat. Die Gäste kommen zum Teil von weit her, auch aus dem Ausland. Sie sollen auf Wunsch des Brautpaares ein blumiges Accessoire tragen. Viele haben sich Mühe gegeben und sich schön gemacht, auch Braut und Bräutigam in ihren Festtagsgewändern. Alt und Jung in ihrer besonderen Art und nach ihrem jeweiligen Geschmack.
Meine Schwiegermutter mit 93 Jahren genauso wie ihre Urenkel, die beide ein paar Monate alt sind. Es war an alles gedacht, vom Aperitif bis zum Mitternachtsschnaps, von der Deko bis zur Rede der Standesbeamtin. Alles passte zum frühsommerlichen Wetter. Verschiedene Sitzgelegenheiten waren aufgebaut, so dass alle gemütlich Platz nehmen konnten. Angeregt wurde ausgetauscht, in wechselnden Besetzungen geplaudert und gelacht. Plötzlich sagte meine Schwiegermutter in die Runde: „Eine Trauung ohne Segen ist keine Trauung! Ich kann mir das nicht vorstellen.“ Inzwischen verwitwet war sie über 50 Jahre verheiratet und ihr Glaube war immer ein Teil ihres Lebens – vielleicht der wichtigste. Sie hat im Laufe ihres Lebens die Gewissheit erlangt, dass der Segen Gottes, der Zuspruch in seinem Wort und das regelmäßige Gespräch mit ihm im Gebet lebensnotwendig sind. Später am Abend hat sie in einer kleinen Rede dem Brautpaar ihren Segen zugesprochen.
Am Sonntag Trinitatis, dem Fest der Dreifaltigkeit, feiern Christen Gott als Schöpfer, der uns unser Leben schenkt. Sie feiern ihn als Erlöser, der uns befreit.
Und als Geistkraft, die uns Mut macht, aufrecht zu gehen, den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen und getröstet zu leben.
Das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit ist die Liebe. Und diese Liebe ist uns allen ein Segen, mit dem man leben kann.

Maike Brodowski-Stetter

Maike Brodowski-Stetter

Pfarrerin am Leo-Sympher-Berufskolleg