Minden. Gerade mal zwei Staffeln „Kirchen und Kino“ waren in Minden gelaufen, da stand die Fortsetzung der Filmreihe schon vor dem Aus. Mitte Mai untersagte plötzlich die Stadt Minden ihrem einzigen Kino „Die Birke“ aufgrund technischer Mängel und mit sofortiger Wirkung den weiteren Betrieb. Nachdem Kirchen und Kino vor zwei Jahren von Bad Oeynhausen nach Minden umgesiedelt war, schien das Projekt nun auch hier keine Zukunft zu haben. Erfreulicherweise gibt es jetzt Entwarnung: Für die nächste Staffel findet sich ein Dach über dem Kopf im Albert-Schweitzer-Haus (ASH). Pfarrer Armin Backer, der gemeinsam mit Martin Decking vom Dekanat Herford-Minden das ökumenische Kino-Projekt betreut, stellt  als Kinosaal das Gemeindezentrum ASH zur Verfügung (Brauereistraße 8, 32425 Minden).

Das eigentliche Kirchen-und-Kino-Programm startet am 5. Oktober. Wie gewohnt ist dann bis Mai ein Film pro Monat zu sehen jeweils am ersten Mittwoch des Monats um 19.30 Uhr für acht Euro pro Ticket. Jeweils zwei Tage zuvor werden die Filme auch im Capitol in Herford gezeigt.

Da dieses Mal bei Kirchen und Kino in Minden alles ein bisschen anders ist, findet vorab bereits im September eine Auftaktveranstaltung statt. Am Mittwoch, 9. September, ist in Anwesenheit der Regisseurin Tanja Cummings im ASH der Film „Das Zelig“ zu sehen. Beginn ist um 19 Uhr und im Anschluss an die Vorführung ist ein Gespräch mit Cummings über ihren Film vorgesehen.

Im Café Zelig treffen sich jede Woche hochbetagte Holocaust-Überlebende aus allen Ländern Europas, viele in Begleitung ihrer Kinder. Sie alle leben heute im Raum München; die meisten von ihnen blicken auf traurige, dramatische, traumatische Familiengeschichten zurück. Dennoch ist das Café Zelig kein bedrückender Ort, sondern ein Ort voller Leben, an dem es auch viel Fröhlichkeit gibt.

Das Wort „zelig“ geht auf das jiddische Wort für „gesegnet“ zurück, hat aber auch Bezüge zu Begriffen wie Heimat, Zugehörigkeit und Leichtigkeit. Im Café Zelig wird gelacht, gefeiert, über Politik gestritten und getrauert. Der Dokumentarfilm von Tanja Cummings nähert sich den Besuchern des Cafés auf behutsame Weise und macht spürbar, wie schwer es für die Überlebenden war, wieder ins Leben zu finden – in Deutschland, im Land der Täter, in dem sie letztlich dennoch Wurzeln geschlagen haben.

„Das Zelig“ ist 2020 in Deutschland gedreht worden; der Film dauert 96 Minuten und ist geeignet für Zuschauer und Zuschauerinnen ab 12 Jahren.