Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Hauptsache gemeinsam

Weihnachten ist für mich schon von Kindheit an ein Familienfest. Heiligabend Kernfamilie. Erster Feiertag zum einen Teil der Familie. Zweiter Feiertag zum anderen Teil. Die Wohnzimmer waren geschmückt und vor allem voller Menschen. Voller Menschen, die mit mir verwandt waren. Ich erinnere mich gern an die völlig überfüllte Garderobe. An das leckere Essen. Alle waren etwas schicker als normal. Alle waren gut gelaunt. Zumindest hat sich das für mich als Kind so angefühlt. Mein Opa spielte auf dem Schifferklavier viel zu viele Lieder, meiner Meinung nach. Wir Kinder wollten schnellstmöglich zur Bescherung übergehen aber Opa musste wenigstens noch ein Lied singen. Die Erwachsenen hatten sich furchtbar viel zu erzählen. Wir Kinder haben immer wieder was Neues gefunden, was als Spielzeug herhalten musste.
Mittlerweile ist kein Wohnzimmer mehr groß genug, um alle unterzubringen, so dass andere Lösungen gefunden wurden. Aber dieses Gefühl bleibt. Weihnachten ist Familienfest. An Heiligabend mit der eigenen Kernfamilie. Nur muss Papa halt immer arbeiten an Weihnachten. Noch schnell vorher die Kostüme fürs Krippenspiel rauslegen. Nachschauen, dass die richtigen Liedzettel ausliegen. Am 24.12. ist immer was zu tun. Darum gibt’s nach den Gottesdiensten Essen, was man gut vorbereiten kann. Käseplatte mit Baguette und leckeren Dips. Und natürlich, in Erinnerung an die Zeit in Nordhessen, Ahle Wurscht. Süßigkeiten gibt es, wie in so vielen Häusern an Weihnachten im Überfluss und am Baum hängt eine Weihnachtsgurke. Wer die als erstes findet, der darf das erste Geschenk öffnen.
Bei allem gilt, den Geburtstag von Jesus feiern wir gemeinsam. Die Gemeinschaft ist wichtig. War sie schon damals in Bethlehem. Da war auch viel los in dem Wohnzimmer oder besser gesagt dem Stall. Maria, Josef und Jesus als die Kernfamilie waren zusammen. Aber dann waren da ja noch die Tiere, die eigentlich im Stall wohnten. Und dann kamen auch noch Fremde dazu. Hirten, die man eigentlich nicht so einfach ins Haus lässt. Vermutlich noch das ein oder andere Schaf. Sterndeuter kommen auch noch dazu und damit war die Hütte sicher schon mehr als voll. Kuschelig. Eine bunte Mischung, die man sonst nie zusammen sehen würde. Danach wohl auch nicht mehr gemeinsam gesehen hat. In dieser Nacht gehören sie alle zusammen. Feiern gemeinsam dieses besondere Kind, von dem sie gehört haben. Dass sie zusammengeführt hat.
Jesus schafft Gemeinschaft. Jesus schafft Zusammenhalt. Schon allein dadurch, dass er einfach nur da war. In dieser Nacht hat er noch gar nichts getan. Er konnte ja noch gar nichts tun. Er war ein Baby. Ein echtes menschliches Baby. Die können noch gar nichts. Doch Jesus schafft Gemeinschaft. Eine, die über diese Nacht hinausreicht. Bis heute noch. In unser Wohnzimmer. Nicht nur an Heiligabend. Das ist für mich einer der bedeutendsten Weihnachtsgedanken. Gemeinschaft. So bedeutend, dass selbst Menschen, die überhaupt nichts mehr mit Glauben am Hut haben, das spüren. Weihnachten möchten man nicht alleine sein. Die meisten jedenfalls nicht. Weihnachten rauft man sich auch mal zusammen. Selbst wenn der komische Onkel auch da ist, der immer Witze erzählt, die keiner versteht. Weihnachten versucht man es wenigstens und so manches Mal klappt es tatsächlich.
Und es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, wie diese Gemeinschaft gestaltet wird. Mir ist dieses Jahr eine Tradition über den Weg gelaufen, die ich zwar kannte, aber irgendwie noch nie umgesetzt habe. Das soll sich jetzt ändern. Die Ugly-Christmas-Sweater. Im Grunde sind das einfach nur möglichst hässliche Pullover. Also so hässlich, dass sie schon wieder schön sind. Aber gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Sagen wir Oberbekleidung, die etwas heraussticht aus der aktuellen Mode. Auf diesen Kleidungsstücken ist viel los. Reihen von Rentieren wechseln sich mit Reihen von Weihnachtskugeln ab. Es kommen so viele Farben vor, wie man sie in dieser Nähe sonst nur aus einem Tuschkasten kennt. Da sind Lebkuchen, Stiefel und so ziemlich alles, was mit Weihnachten zu tun hat, vereint auf einem Pullover. Manchmal gepaart mit Sachen, die überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben. Da steht dann auch schonmal Meister Yoda neben Darth Vader am Weihnachtsbaum. Oder der Hauself Dobby verschenkt Socken. Oder etwas ganz anderes.
Aber das macht gar nicht die Gemeinschaft aus. Die Gemeinschaft entsteht dadurch, dass die ganze Familie Pullover trägt, die normalerweise nicht zum modischen Repertoire gehören. Man sich vielleicht auch selbst nicht ganz so ernst nimmt. Bei uns im Haus sollen diese Ugly-Christmas-Sweater also dieses Jahr einziehen. Und schon das Aussuchen hat großen Spaß gemacht. Jeder hat versucht den anderen an Hässlichkeit zu übertreffen. Sich immer wieder gegenseitig Fotos davon geschickt, was noch alles möglich ist. Bis man sich letztendlich auf Pullis geeinigt hat, die die Grenze zwischen hässlich und schick einfach verschwimmen lassen.
Und das gemeinsam. Das gibt Mut. Das gibt das Gefühl dazuzugehören. Gemeinschaft. Sinnbildlich für die Gemeinschaft damals im Stall. Die ausgeht von dem besonderen Kind und sich überträgt auf die verschiedensten Charaktere in dieser Nacht, die zum Großteil wohl auch nicht sehr modisch gekleidet waren. Und sich überträgt, eben auch auf mich. Auf die Menschen heute. Auch nach so vielen Jahren suchen Menschen immer noch nach Gemeinschaft. In der Weihnachtszeit ganz besonders.
Ich glaube fest, dass Gott uns immer noch Gemeinschaft schenkt. Dass er uns danach suchen lässt und sich selbst im Zusammenhalt finden lässt. In den Feiern, die wir ausrichten. Den Keksen, die wir verschenken. In den Gesprächen, die wir führen. Und auch in den hässlichen Pullovern, die wir gemeinsam tragen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Oliver Jusek

Oliver Jusek

Pfarrer, Ev.-Luth. St.-Jakobus-Kirchengemeinde

Wieder Weihnachten!

​Noch vier Tage, dann ist Weihnachten.
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Für mich ist es das 27. Weihnachten, das ich feiere. Gleichzeitig ist es das erste Mal, dass ich selbst an Heiligabend den Gottesdienst halte und predige.
Die Konfirmand:innen proben schon lange das Krippenspiel: Drei Hirten sind auf dem Weg, sehen den hellen Stern über Bethlehem und fragen sich, was das zu bedeuten hat. 
Ich glaube, die Weihnachtserzählung in jeder Variante schon einmal gehört zu haben: Aus Sicht der Hirten, aus Sicht der Könige, aus Sicht von Maria und Josef, der Engel, des Esels… einmal habe ich sogar eine Weihnachtspredigt aus der Perspektive des Türknaufs am Stall gehört.
Was lässt sich noch sagen über diese Geschichte, die jedes Kind in und auswendig kennt?
Jedes Jahr erzählen wir die Geschichte von dem kleinen Kind, das in einer Krippe liegt. Immer und immer wieder, seit rund 2000 Jahren. Ist das nicht Wahnsinn?
Uns begleiten besinnliche Lieder, die vor hunderten Jahren geschrieben wurden. Bräuche und Traditionen, die die Zeit überdauerten. Da ist etwas, was die Menschen seit biblischen Zeiten miteinander verbindet – die Hoffnung.
Es kommt ein neues Licht in die Welt. Die Welt braucht dieses Licht, denn es ist längst nicht alles gut. Auch das verbindet die Menschen von damals mit uns heute.  
Die Geschichte bleibt die Gleiche, was sich verändert, ist die Welt drumherum.
Vielleicht geht es gar nicht darum, wie wir die Geschichte erzählen. Es geht darum, dass wir sie erzählen. Jahr für Jahr, in unsere Zeit hinein.
„Welt ging verloren, Christ ist geboren. Freue dich, o Christenheit!“
In welche Welt wird das Kind in der Krippe heute hineingeboren?
Und wie sieht diese Welt aus, wenn wir mit Hoffnung auf sie schauen?

Ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Katrin Pfeiffer

Katrin Pfeiffer

Vikarin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Marien, Bezirk St. Matthäus

Besinnlicher Advent

„Ich eile von Besinnung zu Besinnung“

antwortete mir ein Kollege auf die Frage, wie es ihm so gehe im Advent. Ja, die Adventszeit ist geprägt von der Suche nach Ruhe, Gemütlichkeit und schönen Zeiten zum Innehalten. Natürlich wollen die besinnlichen Stunden und alle Überraschungen und Nettigkeiten vorbereitet sein. Wie kann es gelingen, sich in die richtige Advents- und Weihnachtsstimmung zu bringen?

Die Geschichte, an die wir zu Weihnachten erinnern und die an Heiligabend in den Kirchen wieder in zahlreichen Krippenspielen aufgeführt wird, ist allerdings alles andere als besinnlich und entspannt:

Ein junges Paar – sie hochschwanger – müssen reisen. Um die Steuerlisten aktuell zu halten, sind alle Menschen aufgefordert, sich an ihre Heimatorte zu begeben. Während der Reise kommt das Kind in einem schlichten Stall zur Welt. Kurz darauf muss die junge Familie auch noch über die Grenze in ein anderes Land fliehen. Wahrscheinlich lebten sie einige Zeit in einem Flüchtlingslager und warteten sehnlichst darauf, dass sich die Lage in der Heimat normalisiert und sie zu Freunden und Familie zurückkehren können.

Das Kind – Jesus Christus – landet direkt in der harten Realität. Sein Start ins Leben auf Erden war alles andere als gemütlich und besinnlich.

Dieser Gedanke hilft mir, mich in dieser Adventszeit auf das Wesentliche der Weihnachtsgeschichte zu konzentrieren: Gott gibt diese Welt nicht auf. Er kommt zu uns, auch mitten in unser Chaos, mitten ins Ungemütliche.

Der Liederdichter Paul Gerhard beschreibt Gottes Motivation für sein Kommen in diese Welt 1653 in dem bekannten Weihnachtslied „Wie soll ich dich empfangen?“ so unnachahmlich:

Nichts, nichts hat dich getrieben

zu mir vom Himmelszelt

als das geliebte Lieben,

damit du alle Welt

in ihren tausend Plagen

und großen Jammerlast,

die kein Mund kann aussagen,

so fest umfangen hast.

 

Stille Momente, Andachten und Gottesdienste helfen mir, Gottes vielfältige Liebe zu bedenken und mich auf sie einzulassen.

Vielleicht begegnen wir uns in einem dieser Gottesdienste und teilen diese besondere Zeit miteinander. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Pastor Olaf Mohring

Pastor Olaf Mohring

Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Minden - Kirche am Glacis