Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Gott nahe zu sein, ist mein Glück
„Frohes neues Jahr!“ „Gutes neues Jahr!“ rufen wir uns gegenseitig zu oder schreiben es.
Zum neuen Jahr fangen wir an zu hoffen – für uns selbst und für andere.
Diese Hoffnungen und Wünsche finden sich jedes Jahr in Postkarten, Briefen, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten.
Am Endes eines Jahres wünschen wir uns und anderen Erfolg, Gesundheit, Liebe, Kraft, manchmal auch Gottes Segen, vor allem aber Glück.
Wir wissen nicht, was 2020 auf uns zukommt. Aber wir hoffen das Beste, wir hoffen, dass wir am Ende eines Jahres glücklich erzählen können, was wir Schönes erlebt haben.
Aber was ist Glück? Was macht mich glücklich? Wann spreche ich von Glück? Ist Glück Zufall, Schicksal? Schwein gehabt?
In der Hirnforschung hat man viele Erkenntnisse über die biologischen Grundlagen von Glücksgefühlen gewonnen. Glückshormone spielen dabei eine Rolle.
Es gibt die Glücksforschung, die festgestellt hat, das Glücksgefühle eng mit der Lebenszufriedenheit, mit der Lebenshaltung zusammenhängen.
In dem ostasiatischen Land Bhutan ist das Glück der Bürger sogar oberstes Regierungsziel und auch bei uns ist die Literatur zum Thema Glück unüberschaubar.
Inzwischen wird sogar vor dem Streben nach Glück gewarnt. Glücksstreben ist ein zusätzlicher Stressfaktor geworden, der zum Burn-out führen kann.
Ich denke, Glück kann man nicht anstreben, nicht machen, nicht kaufen.
Im 73. Psalm heißt es: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“ (Ps 73,28 Einheitsübersetzung)
Vielen Menschen ist dieses Vertrauen auf Gott im Leben abhanden gekommen.
Ihre Alltagserfahrungen vermitteln etwas anderes. Wo ist der Gott der Liebe und der Gerechtigkeit? Wieso muss gerade mir diese Unglück passieren? Wo ist in meinem Leben spürbar, dass Gott nahe ist?
Seit dem Herbst gehört die Begleitung der Gäste im Hospiz zu meinen Aufgaben. Dort begegne ich Menschen, die Schlimmes erlebt haben, die viel Leid tragen müssen und mit Gott und der Welt hadern. Aber ich erlebe auch einfühlsame Pflegekräfte, wertschätzendes Miteinander, eine wohltuende Atmosphäre, intensive Begegnungen.
Und dabei entdecke ich: so kann Gottes Nähe spürbar werden. Hier komme ich in die Nähe Gottes. Nicht in einem großes mystisches Erlebnis, sondern mitten im Alltag, wenn wir einander zutiefst menschlich begegnen, ist Gott dabei. Und das macht glücklich!
Die Voraussetzung ist, dass ich bereit sein muss, nach Gottes Nähe zu fragen und sie finden möchte.
Vielleicht kann die Suche dann ganz anders sein, so wie Pablo Picasso es beschreibt:
„Ich suche nicht – ich finde.
Suchen ist das Ausgehen von alten Beständen und ein Findenwollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, eine heiliges Abenteuer.“
Machen Sie sich im neuen Jahr auf den Weg! Viel Glück!.

Karin Daniel
Pfarrerin in der St. Martini-Kirchengemeinde in Minden
Weihnachten wird`s auch ohne uns….
„17 Millionen Deutsche feiern kein Weihnachten“, habe ich in der Zeitung gelesen. Eigentlich schade, denke ich. Sich so ein schönes Fest entgehen zu lassen. Macht aber nichts.
Wir können ja um alle Weihnachtsmärkte dieser Welt einen Bogen schlagen. Oder sie als Ballermann der Besinnungslosigkeit besuchen. Können sagen: Weihnachtsbäume, Kerzen, Engel, Dominosteine und die Wiener Sängerknaben, die kommen mir nicht ins Haus. Können uns – Greta zum trotz – in den Flieger setzen und auf die Malediven, nach Bora Bora oder sonst wohin reisen. Oder mit Goethes „Faust“ unsere intellektuellen Zweifel hegen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Weihnachten macht das alles nichts aus. Denn Weihnachten hängt – Gott sei Dank – nicht von uns ab.
Weihnachten wird’s auch ohne uns. Weil Weihnachten erstmal Gottes Sache ist: die Geburtsstunde seiner Menschlichkeit. Gott verwandelt den Himmel in einen Stall. Seine Allmacht in menschliche Nähe. Wird ein Kind. Ein jüdisches übrigens. Man muss es heute leider wieder so deutlich sagen: Gegen jedweden Antisemitismus wirft Gott dieses Leben in die Waagschale. Gegen Hass und Verblendung gibt Gott der Wahrheit eine Stimme. In Jesus von Nazareth gibt er der Menschlichkeit ein Gesicht.
Was wäre, wenn? Ich meine, wenn wir das zumindest zulassen könnten, diese Menschlichkeit Gottes. Im Umgang mit all denen, die uns tagtäglich begegnen. Was wäre, wenn? Wenn auch wir einfach ein klitzekleines bisschen mehr Menschlichkeit riskierten?
Wie viele Sonnenfäden des Glücks würden wir weben: Auf Augenhöhe miteinander reden. Stammtischparolen widersprechen. Jemandem die Tränen trocknen, statt ihn zum Weinen zu bringen. Einem, der uns verletzt hat, wieder gut sein. Und Kinder als das ansehen, was sie sind: Ein Geschenk. Überhaupt – jemanden beschenken. Ob wir nun Weihnachten feiern oder nicht. Meist reicht dazu schon ein kleines Lächeln.
In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten!

Jens Burgschweiger
Schulpfarrer am Besselgymnasium Minden
Fürchtet euch …
„Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es“, rief die 16 Jahre alte Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden beim Weltwirtschaftsforum in Davos: „Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht, ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“
Furcht ist eine mögliche Reaktion auf die Herausforderungen unserer Zeit. Zukunftsprognosen zur Arbeit in der digitalen Welt, Klima und Migration sind schwierig geworden. Fake-News erschweren es uns, uns eine Meinung zu bilden. Der alarmistische Ton der Warnungen wird immer lauter und scheinbar findet sich überall ein Grund, sich zu fürchten.
Ähnlich ging es auch Maria und Joseph aus der biblischen Weihnachtsgeschichte: Ein junges Paar, ohne ausreichende Zukunftsperspektive und Sicherheiten, wandert durch ihr besetztes Land in den Geburtsort des jungen Mannes, um sich in eine Steuerliste einzutragen. Unterwegs setzt die Geburt ein, aber niemand will wirklich helfen, bis die Frau in einem Stall – abseits unserer hygienischen Vorstellungen – einen Sohn zur Welt bringt.
Das Paar hat sich auf diesen Weg eingelassen, weil sie beide – unabhängig voneinander – einen Engel gesehen und gehört haben. Der Engel begann seine Rede mit den Worten: „Fürchte dich nicht!“ Es gab für Maria und Josef genügend Unsicherheiten und Gründe, sich zu fürchten. Aber das Wort des Engels hat ihnen Mut gemacht, ihren Weg im Vertrauen auf Gott zu gehen. Die Worte des Engels waren für sie Unterstützung, Hilfe, Wegweisung und Hoffnung.
Wenn wir das Weihnachtsfest feiern, dann erinnern wir uns immer wieder daran: Gott sagt immer wieder auf Neue zu mir: „Fürchte dich nicht!“. Seit Weihnachten wissen wir: Gott ist in der Welt! Er wird in Jesus Christus begreifbar und kommt uns ganz nah.
Zu erleben ist dieser Zuspruch, wenn wir die Geschichte von Weihnachten im Lukasevangelium lesen, wenn wir weiter lesen was Jesus gelehrt und getan hat, wenn wir Gottesdienste besuchen und uns gemeinsam an dieses Wunder erinnern und wieder die Worte hören: „Fürchte dich nicht!“

Olaf Mohring
Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden