Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Es gibt noch viel zu lernen

.Die Schule geht los. Nun auch bei uns in Nordrhein-Westfalen. An meinem Leo-Sympher-Berufskolleg starten neue Schülerinnen und Schüler so: In der Berufsvorbereitung schnuppern sie ein wenig Berufspraxis und machen vielleicht einen Schulabschluss, andere steigen in der gymnasialen Oberstufe ein oder gehen zum Ausbildungsbeginn gerade bei uns im ersten Jahr `zur Berufsschule´. Doch die spektakulärsten Lernanfängerinnen und -anfänger sind und bleiben die kleinen Mädchen und Jungen, die in die erste Grundschulklasse kommen. Früher war die orangene Kappe auf dem Kopf das klare Zeichen: Ich bin kein Kindergartenkind mehr! Aber auch: Pass auf mich auf im noch ungewohnten Straßenverkehr. Doch gegenüber den Dritt- und Viertklässlern war das farbige Signal auf dem Kopf eine psychologische Katastrophe. „Guck Dir diese lütten I-Männchen an!“ Dabei gibt es gute Gründe, gerade die Schulanfänger zum Vorbild zu nehmen. Sie wissen, wieviel sie noch zu lernen haben, und sie sind meistens sehr gespannt auf alles Neue. Von Mahatma Gandhi ist das Zitat überliefert: „Lerne, als wenn du ewig leben würdest, lebe, als wenn es dein letzter Tag wäre.“ Lernen wäre demnach eine lebenslange Aufgabe und Chance. Noch überraschender lässt sich die Mahnung und Einladung Jesu hören: „Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr das Reich Gottes nicht erben.“ Das hieße sogar, dass wir Erwachsenen bei den Kindern Unvoreingenommenheit, Direktheit, Vertrauen und vieles mehr lernen könnten. Wer braucht also kein Lernen mehr? Ich denke, ich brauche lebenslanges Lernen in meinem kleinen Lebensalltag, und wir alle brauchen es genauso gegenüber den großen Fragen der globalen Gegenwart. Wie lernen wir endlich – so die zwei zusammengehörigen Aufträge der Schöpfungsgeschichte: die Erde zu bebauen und zu bewahren?  Wie lernen wir, so im Römerbrief des Paulus eine Anleitung für ein teilnahmsvolles Gemeindeleben, `uns mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Weinenden zu weinen´? Ich denke, es gibt nicht nur in der ersten Klasse viel zu lernen. Einen guten Start in neues Lernen wünscht Lehrling Jörg.
Dr. Jörg Bade

Dr. Jörg Bade

Pfarrer, unterrichtet als Religionspädagoge am Leo-Sympher-Berufskolleg

Das Schöne sehen

So langsam nähern sich die Sommerferien dem Ende. Noch ein paar Tage, und es rollen morgens wieder die Schulbusse durch die Stadt. Das nennen wir Alltag. Dann steht wieder alles auf Vollbetrieb in den Schulen, in den Kirchengemeinden und im täglichen Leben.  In den Ferien lief manches ruhiger. Konnten wir es genießen? Viele Familien nutzten die Ferien zu einem Urlaub in anderen Regionen. Meine Frau und ich haben mit unseren Enkelkindern eine Fahrt mit der Mindener Museumseisenbahn erlebt. Wir Erwachsenen genossen die Entschleunigung und erinnerten uns an den Geruch und die Geräusche vom öffentlichen Nahverkehr unserer Kindertage. Die Augen der beiden vierjährigen Zwillinge konnten sich nicht satt sehen. Jeder Trecker und jeder Bagger wurde begeistert wahrgenommen. Tiere wurden benannt und schließlich entdeckten sie die Windmühle in Südhemmern. Dort stand das Getreide in vollen Ähren, und die Kinder sammelten einige Halme auf, die auf dem Boden lagen. Die Körner waren fast reif. Dann ging es hinauf in die Mühle, wir konnten das weiße frische Mehl sehen. Aus Mehl wird Brot gebacken. Bevor wir später das Brot aßen, hoben die beiden Kleinen die Hände und formten einen Schmetterling. Gemeinsam sprachen wir ein Dankgebet: „Fliege, lieber Schmetterling, fliege hoch zum Himmel hin, sag dem lieben Gott dort oben, dass wir ihn fürs Essen loben. Amen.“ Mir wurde bewusst, dass die Augen einen Zugang geschaffen hatten zu der inneren Welt. Und dass der tägliche Umgang im kirchlichen Kindergarten und das Gebet im Elternhaus Früchte trug. Aber auch wir Erwachsenen sollten uns erlauben, mit unseren Augen das Schöne wahrzunehmen. Wenn der Alltag wieder losgeht und die Minuten enger getaktet sind, begegnen wir in unserer Gesellschaft auch wieder dem Ego und der Rücksichtslosigkeit. Wenn dann im Straßenverkehr wieder ein Obercooler sich toll findet, beim Fahrspurwechsel bewusst auf den Blinker zu verzichten, dann denke ich an die Sonnenblumen auf manchen Feldern oder an den herrlichen Sonnenaufgang, der am Morgen über dem Mindener Land geleuchtet hat. Dann orientiere ich mich nicht an der inneren Armut von Anderen, sondern an dem Reichtum von Gottes Schöpfung. Und spreche in Anlehnung an die Worte meiner Enkel: „Fliege lieber Schmetterling, fliege hoch zum Himmel hin, sag dem lieben Gott dort oben, dass wir ihn für seine schöne Schöpfung loben.“

Eberhard Baade

Eberhard Baade

Pfarrer in der Kirchengemeinde Bergkirchen

Tu m’appelles – Ruf mich an
Adel Tawil
Ruf meinen Namen
Ich steig‘ ein, fahr‘ los und bin da
Ich flieg‘ über jeden Ozean
Weil mich für dich nichts am Boden hält

Ich schwör‘ dir, kein Weg ist zu weit für mich
Ein Wort ist genug
Ich komm‘ überall hin, sobald ich hör‘
Dass du mich rufst
Diese Zeilen stammen aus einem Lied, das wir momentan oft im Radio hören. Es stammt von Adel Tawil – einem Sänger, der sich in seinen Liedern mit Themen beschäftigt, die uns alle angehen. In seinem Lied „ Ist da jemand“ sucht er jemanden, der uns in den schweren Zeiten des Lebens begleitet und uns hilft. In seinem neuen Lied „Tu m’appelles“ verspricht er: egal, wo du hingehst, wie weit du entfernt ist: ich komm zu dir und helfe dir.
Ganz schön mutig – welcher Mensch kann schon so etwas versprechen … .
Der Gott der Bibel verspricht ähnliches:
RUFE MICH AN IN DER NOT; SO WILL ICH DICH RETTEN UND DU SOLLST MICH PREISEN Ps 50,15
Das ist Gottes Telefonnummer, so habe ich es meinen Konfirmanden und Schülern beigebracht. Ich glaube übrigens, dass viel mehr Menschen mit Gott reden als wir glauben. Nicht nur in Notsituationen, sondern auch sonst. Beten ist mehr als eine religiöse Pflichtübung. Es gehört zu einem Leben mit Gott dazu – so wie wir Menschen in Beziehungen ja auch miteinander sprechen. Auch Jesus betete. Und als seine Jünger ihn fragten, wie sie denn eigentlich beten sollten, gab er ihnen und uns das Vater Unser.
Und Jesus hat dem Beten eine besondere Verheißung gegeben: Bittet, so wird euch gegeben.
Ruf mich an – das Lied von Adel Tawil bleibt unkonkret; es wird uns nicht gesagt, wer da wen anruft.
Wir sind eingeladen, ganz konkret das Gespräch mit dem Herrn der Welt zu suchen und ihn um alles zu bitten, was wir auf dem Herzen haben.
Er wird sich darum kümmern, weil er es versprochen hat. „Rufe mich an, dann antworte ich dir und teile dir unfassbare Dinge mit, von denen du nichts weißt.“ Jeremia 33,3 (Neue evangelische Übersetzung )
Gute Tage mit viel Zeit zum Gespräch mit Gott und seinen Menschen wünscht Ihnen
E. Zinnke, Schulpfarrer an der Gesamtschule Porta Westfalica

Eckart Zinnke

Eckart Zinnke

Schulpfarrer an der Gesamtschule Porta Westfalica