Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Vorhut der neuen Welt

Ein Pedant. Jemand, der alles ganz genau nimmt. Der sich pedantisch an Regeln hält und auch anderen gegenüber auf Einhaltung pocht. Da bleibt die Freude oft auf der Strecke. Nein, so will keiner sein!

Aber dann stoße ich mich doch an der Bergpredigt: „Kein einziger Buchstabe und kein Satzzeichen“ darf in den Geboten der Bibel gestrichen werden, „das ganze Gesetz muss erfüllt werden“ sagt Jesus im Matthäusevangelium (Kapitel 5, Vers 18). Und er erklärt, was das z.B. für die Zehn Gebote bedeutet: nicht töten, nicht ehebrechen, nicht lügen. Ist Jesus ein Pedant?

Nein, sondern Jesus hat Großes im Sinn mit seinen Leuten: Sie sollen Vorhut und Beispiel seiner neuen Welt sein!

Bei uns gibt es traurige Menschen, die über den Tod eines geliebten Menschen auch nach Jahren nicht hinweggekommen. Ihr Tod tötet auch sie, innerlich. Sie sollen getröstet werden, ihre Wunden sollen sich in Lebensweisheit verwandeln. Es gibt Menschen, die stehen plötzlich alleine da mit ihren Kindern, nach jahrelangem, kräftezehrenden Streit, mit Schuldgefühlen, alleingelassen. Sie sollen Freunde finden! Sie sollen spüren, dass sie wertvoll sind! Es gibt Menschen, denen Unrecht geschieht und die hinters Licht geführt  werden und nicht einmal ihre Versicherung kümmert sich darum. Sie sollen Recht bekommen!

Das Gesetz Gottes, die Bibel, hat diese neue Welt zum Ziel – Davon darf man nichts wegstreichen! Im Gegenteil, den eigentlichen Sinn muss man immer wieder freilegen! Es sind die Regeln einer neuen Welt – damit die Freude eben nicht auf der Strecke bleibt! Dafür ist Jesus in der Bergpredigt angetreten.

Matthias Rohlfing

Matthias Rohlfing

Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Lahde-Bierde

Etwas aus der Konfizeit….

Unruhiger und gleichzeitig konzentrierter als sonst sind sie im den Raum gestürmt – Konfiprüfung. Sie haben sich mehr, manche auch weniger vorbereitet. Klappt das Glaubensbekenntnis? Und wie geht es mit den Geboten? Die Konfizeit geht zu Ende und da muss eben auch diese Hürde noch genommen werden. Zwei Presbyter sind gekommen und schauen mit wohlwollendem Blick auf die Jugendlichen und was sie an Wissen zu bieten haben. Eigentlich gibt es das gar nicht mehr, so eine Konfirmandenprüfung. Und jeder Konfirmand und jede Konfirmandin weiß auch aufzuzählen, welche anderen Kirchengemeinden wirklich darauf verzichten. Natürlich war das früher viel schlimmer, als noch eine vollbesetzte Kirche beim Abfragen der damals vielen Lieder, Psalmen und Katechismustexten zuhörte.  Das haben die allermeisten Gemeinden schon lange überwunden. Doch hier in dieser Gemeinde wird noch geprüft – wenn auch im gezähmten Rahmen nur vor zwei wohlwollenden Presbytern und mit sehr viel weniger Auswendiggelerntem. Nach einer knappen Stunde ist alles durch und alle einschließlich des Pastors sind erleichtert. Alle haben es geschafft und sollen konfirmiert werden. Sie können jetzt wieder draußen über die Pfützen springen.

Da fragt man sich: Woran werden sie sich später, lange nach der Konfirmation erinnern? An die dann doch nicht so schwere Prüfung? An die auswendig gelernten Texte? An die Inhalte?  An das Erlebnis Konfiunterricht?  Mir wäre das letzte am liebsten.  An was erinnern wir Erwachsene uns? Gut, wenn etwas Tragendes aus der Konfizeit bleibt, das auch später noch Halt gibt.

Henrik Rethemeier

Henrik Rethemeier

Pfarrer, Ev. Kirchengemeinde Petershagen

Erstaunlich

. Erstaunlich, wie sich im Frühjahr die Pflanzen aus der Erde schieben, die Knospen immer dicker werden, Blüten und Blätter sich entwickeln! Erstaunlich, wie manche Frühblüher bei frostigen Temperaturen die Köpfe und Stängel hängen lassen und sich wieder aufrichten, wenn es wärmer  wird! Die Pflanzen haben ihren eingebauten Frostschutz. Wie viele verschiedene Pflanzen und Tiere es auf dieser Erde gibt! Wie unterschiedlich und individuell sind all die Menschen! Und wie das alles funktioniert! Das Herz schlägt, jeden Morgen geht die Sonne auf, der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf und wir hoffen, trotz mancher Lebenskrise, die Zuversicht nicht zu verlieren. In der Bibel steht: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“. Bestnote! Gott hat seine Sache wirklich sehr gut gemacht. Jeder und jedem von uns hat er das Leben geschenkt. Jede und jeder von uns ist ein gelungenes Gegenüber  Gottes. Und das gibt jedem Menschen seine besondere Würde. Gott kann mit jedem und jeder von uns etwas anfangen. –  Auch wenn wir das manchmal gar nicht glauben können oder wollen. Gott steht hinter uns. Unser Schöpfer stärkt uns den Rücken. Deshalb können wir aufrechte Menschen sein. Das gibt uns aber auch eine Verantwortung: Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen und mit unserer Welt um? Für mich heißt das, wir müssen unsere Mitmenschen, unsere Welt und auch uns selbst sorgsam behandeln. Und wir müssen mit Gott in Kontakt bleiben, auf das hören, was er uns zu sagen hat. Gott schaut und die Erde und wir leben aus seinem gütigen Blick. Er gebe uns, dass wir nicht vergessen: Wir sind seine Geschöpfe, die er freundlich und liebevoll anschaut, denen er in Jesus Christus vergibt. Gott gebe uns, dass wir uns darüber staunend freuen können. Auf unseren Schöpfer können wir bauen und ihm vertrauen. – Das ist gut. Das ist sehr gut! In diesem Sinne wünsche ich Ihnenein aufbauendes Wochenende und eine gute neue Woche

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen