Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Irgendwas, was bleibt

Dieser Wunsch der Band Silbermond aus dem Jahr 2009 ist auch mein Wunsch in dieser Zeit kurz vor dem Jahreswechsel. Wir denken zurück, aber auch nach vorne. Wir erinnern uns, was war und ziehen Bilanz: Was ist gelungen? Was war schwer und hat mich bedrückt? Und was wird uns das neue Jahr  bringen?

Irgendwas, das bleibt? Wir brauchen für unser Leben Sicherheit, etwas, das Bestand hat. In dem Song heißt es: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas, das bleibt.“

Genau das ist es, was wir brauchen. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der das vorherrschende Gefühl: Unsicherheit ist. Und ich merke, dass sich viele Menschen nach Geborgenheit und Sicherheit sehnen, nach etwas, das Bestand hat.

Ich erinnere mich, dass bei uns zu Hause früher im Wohnzimmer an der Wand ein Spruch hing. Mein Vater, der auch Pastor war, hatte ihn aufgehängt: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“ Diese Worte stehen in der hebräischen Bibel, im Alten Testament, Psalm 33. 

In meinem Leben habe ich gerade in schweren Zeiten erfahren, dass das stimmt. Ich habe es erfahren, als einige nahe Angehörige in relativ kurzer Zeit hintereinander gestorben sind, auch jüngere wie mein Bruder und mein Schwager. Da wurde mir die Vergänglichkeit des Lebens bewusst. Das, was mir half, war der Glaube. Und der gab mir Geborgenheit und Sicherheit. Ich kann mich auf Gott verlassen, auf seine Zusagen. Er hält sie gewiss. Darauf möchte ich auch im neuen Jahr vertrauen, das wie ein unbeschriebenes Blatt vor uns liegt. Und ich möchte Sie einladen, das auch zu tun.

Irgendwas, das bleibt – Das ist meine Hoffnung für das neue Jahr. Ich vertraue darauf, dass Gott uns schenkt, was bleibt. Er kann uns Halt und Geborgenheit geben und die Zuversicht, dass er uns auf unseren Wegen begleitet, in guten und in schweren Zeiten, und die Kraft gibt, uns für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Auf Gottes Zusage können wir uns verlassen: „Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir; wohin du auch gehst!“ (Josua 1,9, Gute Nachricht-Bibel)

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!

Dorothea Hüffmann

Dorothea Hüffmann

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Barkhausen

Drei Könige

Ein paar Hirten und drei Könige, das musste reichen, mehr nicht. Das musste reichen, um die Botschaft in die Welt zu tragen, um Hoffnung zu bringen in eine Welt voll Finsternis. Ein paar Hirten und drei Könige, das musste reichen… Obwohl die Bibel von der Zahl von Dreien gar nicht spricht, aber die christliche Tradition tat gut daran, weil es anders wahrscheinlich auch nicht geht – als in kleiner Zahl… Ja, mehr durfte es eigentlich auch gar nicht sein, um es zu fühlen, zu empfinden, um es der eigenen Seele spürbar zu halten.

Vor weniger als zwei Monaten waren meine Frau und ich in Israel, ein Traum, den wir lange hegten, und der jetzt Wirklichkeit hatte werden sollen.   Klar waren wir in Bethlehem, hinter dem Zaun der die palästinensischen Autonomiegebiete umgrenzt. Die Geburtskirche sehen, also die Grotte, den Stall, wo Jesus geboren sein soll, worum nun aber eine große Kirche zum Lob Gottes gebaut ist.  Der Eingang zu ihr ist – na ja, sagen wir gerade 1,20 hoch – man muss sich klein machen, wie die Hirten, die ersten Empfänger der frohen Botschaft kleine, arme Leute waren; man muss fast auf die Knie gehen, wie die Könige aus Morgenlanden an der Krippe auf die Knie gegangen sind…  Aber –  Gott sei´s geklagt– wenn du drin bist, dann ist es mit der Herrlichkeit vorbei; Menschen über Menschen, sie stehen wie am Flughafen von Abgrenzungsbändern geleitet, um für zwei Minuten einen Blick werfen zu können auf den Ort, die Grotte, wo der Sohn Gottes – womöglich – geboren worden ist. 400 Meter Schlange in einer Kirche, bis an die tausend Leute in der Warteschlange.

Ein paar Hirten und drei Könige, mehr durften es nicht sein, um es wahrhaft empfinden und spüren zu können, was für ein Wunder damals in Bethlehem geschehen war, und was es für unser Leben bedeutet und es wirklich hell macht.

Später erzählte unser palästinensischer Reiseleiter Nabil, dass die Geburtskirche morgens für vier Stunden immer gesperrt sei, damit die katholische, die armenische und die orthodoxe Kirche in festgelegten Schichten Tag für Tag eben an diesem Ort, wo sie alle Zuhause sind, Zeit zum Gebet hätten. Einige unserer Reisegruppe amüsierten sich darüber. Ich dachte: die machen damit etwas viel Sinnvolleres, als Schlange zu stehen.

Sie strecken sich aus nach dem Licht und nach der Liebe, die uns auch heute noch von Jesus zu kommen. Und sie werden Wärme und Helligkeit und Frieden und Vertrauen und Dankbarkeit an dieses Menschenkind viel eher in sich aufnehmen und mitnehmen können als die Abertausend Touristen Tag für Tag an diesem Ort

Volker Niggemann

Volker Niggemann

Pfarrer , St. Matthäus in Minden

Stille Nacht…. heilige Nacht

Kennen Sie Owie? Owie ist rotgewandet oder blau, mit Flügeln. Eine kleine Figur aus Ton, den Lockenkopf zum Himmel gerichtet mit singendem runden Mund. Gerade so, als ab er inbrünstig singen würde: „Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in deiner Geburt, Christ, in deiner Geburt.“ Heute ist der singende Engel in wenigen Haushalten beheimatet; das Lied aber feiert in diesem Jahr sein 200jähriges Jubiläum. Die einen finden es kitschig. Für die anderen ist es der Inbegriff von Weihnachten. In jedem Fall ist es das weltweit erfolgreichste Weihnachtslied. Zum ersten Mal wurde „Stille Nacht“ zum Weihnachtsfest 1818 in einer Dorfkirche nahe Salzburg gesungen. Ein junger katholischer Hilfspriester namens Joseph Mohr hatte den Text 1816 gedichtet. In einer Zeit für Sehnsucht nach Besserem. Der Organist Franz Xaver Gruber komponierte die Musik in Dur. Weil sich das Leben der meisten Menschen damals eher in Molltönen abspielte. Aus Tirol zog das Lied in die ganze Welt, bekam von Johann Hinrich Wichern eine evangelische Prägung mit der Verwendung des Christustitels und fand Eingang in evangelische Gesangbücher.

In das Bild der heiligen Familie hat der Dichter wohl seine Sehnsucht nach Geborgenheit und intakter Gemeinschaft hineingelegt. Die Botschaft „Christ, der Retter ist da“, gilt allen, die Weihnachten mit Sehnsucht feiern. Mit der Sehnsucht nach Zusammenhalt in der Familie, mit der Sehnsucht nach Gesundheit, mit der Sehnsucht, das Leben wieder mehr in den Griff zu bekommen. Weihnachten steht für die Botschaft: Gott ist an Deiner Seite, er lässt Dich nicht allein in Deinen Sehnsüchten und in Deinen unerfüllten Hoffnungen. „Christ, der Retter ist da!“ Gestalten Sie die Adventszeit mit Owie und singen Sie in der Erwartung der Weihnachtsfreude: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 46 und Gotteslob, Nr. 249.

Ulrike Lipke

Ulrike Lipke

Pfarrerin, Mediothek und Schulreferat