Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Erstaunlich
. Erstaunlich, wie sich im Frühjahr die Pflanzen aus der Erde schieben, die Knospen immer dicker werden, Blüten und Blätter sich entwickeln! Erstaunlich, wie manche Frühblüher bei frostigen Temperaturen die Köpfe und Stängel hängen lassen und sich wieder aufrichten, wenn es wärmer wird! Die Pflanzen haben ihren eingebauten Frostschutz. Wie viele verschiedene Pflanzen und Tiere es auf dieser Erde gibt! Wie unterschiedlich und individuell sind all die Menschen! Und wie das alles funktioniert! Das Herz schlägt, jeden Morgen geht die Sonne auf, der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf und wir hoffen, trotz mancher Lebenskrise, die Zuversicht nicht zu verlieren. In der Bibel steht: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“. Bestnote! Gott hat seine Sache wirklich sehr gut gemacht. Jeder und jedem von uns hat er das Leben geschenkt. Jede und jeder von uns ist ein gelungenes Gegenüber Gottes. Und das gibt jedem Menschen seine besondere Würde. Gott kann mit jedem und jeder von uns etwas anfangen. – Auch wenn wir das manchmal gar nicht glauben können oder wollen. Gott steht hinter uns. Unser Schöpfer stärkt uns den Rücken. Deshalb können wir aufrechte Menschen sein. Das gibt uns aber auch eine Verantwortung: Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen und mit unserer Welt um? Für mich heißt das, wir müssen unsere Mitmenschen, unsere Welt und auch uns selbst sorgsam behandeln. Und wir müssen mit Gott in Kontakt bleiben, auf das hören, was er uns zu sagen hat. Gott schaut und die Erde und wir leben aus seinem gütigen Blick. Er gebe uns, dass wir nicht vergessen: Wir sind seine Geschöpfe, die er freundlich und liebevoll anschaut, denen er in Jesus Christus vergibt. Gott gebe uns, dass wir uns darüber staunend freuen können. Auf unseren Schöpfer können wir bauen und ihm vertrauen. – Das ist gut. Das ist sehr gut! In diesem Sinne wünsche ich Ihnenein aufbauendes Wochenende und eine gute neue Woche

Beate Rethemeier
Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen
Fasten evangelische Christen eigentlich auch?
Fasten evangelische Christen eigentlich auch? Ja! Viele evangelische Christen fasten wie ihre katholischen Glaubensgeschwister sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern. Fasten heißt innehalten und zur Ruhe kommen. Es ist eine Einladung. Erleben Sie diese Zeit des Jahres bewusst. Hinterfragen Sie die Routine des Alltags. Schenken Sie sich Zeiten der Entschleunigung und Orte der Besinnung. „Ich werde keine Süßigkeiten essen. Nun ist Schluss mit all dem ungesunden Zeug“, kündigt ein Familienmitglied an. Eine möchte sieben Wochen vegetarisches Leben ausprobieren. „Als sie alles Gesammelte maßen, da hatten die Vielsammler keinen Überschuss und die Wenigsammler keinen Mangel. Sie hatten gerade so viel heimgebracht, wie jede Person brauchte“ (2. Mose 16,18). In der biblischen Urgeschichte muss das Volk Israel auf dem Weg zur Freiheit die Wüste durchqueren. Eine Zeit des Hungerns wird den Menschen zugemutet. Gott sichert ihr Überleben, indem Gott „Mannah“ zum Essen schenkt. Die Nahrung reicht immer nur für einen Tag. Es reicht für alle, doch, was zu viel gesammelt wird, verdirbt. Wir merken heute, dass die vielfachen Überschreitungen der ökologischen Grenzen Folgen haben, die die Menschheit kaum noch aufhalten kann. Eine Begrenzung ist dringend nötig. Die ökumenische Fastenaktion hat deshalb ihre Fastenaktion unter das Motto „So viel du brauchst…“ gestellt. Sie versteht sich als Fastenaktion für Klimaschutz & Klimagerechtigkeit. Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, noch auf der Suche sind, wie Sie der Fastenzeit Sinn und Tiefgang geben können, möchte ich Sie auch zum Klimafasten einladen. Ich nehme mir vor: sieben Wochen mit weniger Energieverbrauch leben, anders unterwegs sein, weniger kaufen und verbrauchen, mehr Zeit für mich und meine Mitgeschöpfe haben. Das muss kein schmerzlicher Verzicht sein – im Gegenteil. Papst Franziskus sieht in einem achtsamen und genügsamen Lebensstil sogar eine Intensivierung von Leben

Imke Reinhardt-Winteler
Pfarrerin im Referat für gesellschaftliche Verantwortung im Ev. Kirchenkreis Minden
Braut und Hure
Zärtlich nimmt die Mutter das Kind in den Arm, schaut sich das aufgeschlagene Knie an, tröstet und wischt die Tränen ab, die die Wange des Kindes hinunterlaufen. Nun kann alles wieder gut werden, zumindest ein Stück weit. Auch wenn wir erwachsen sind, gibt es diese Momente, in denen es so wohltuend ist, wenn wir getröstet werden. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen …“. Was für ein starkes Bild finde ich im letzten Buch der Bibel, gerade richtig für graue, trübe Novembertage. Die Worte berühren mich. Gott sieht jede Träne, die ein Mensch weint: Tränen der Trauer und des Schmerzes, Tränen der Verzweiflung und des Leids. Bei ihm sind sie gut aufgehoben. Ganz gewiss schaut er nicht aus irgendeiner Ferne auf unsere Sorgen und Nöte, vielmehr kommt er zu jedem und jeder von uns persönlich, rührt uns an. Wir dürfen unsere Tränen weinen, unseren Schmerz zeigen. Gott bietet sich als Adressat unserer Tränen an. Aber er ermutigt uns auch, die Trauer und die Tränen unserer Mitmenschen zu begleiten, Tränen bei ihnen abzuwischen. Gott tröstet. Oftmals erleben wir das durch liebevolle Worte, kleine Gesten und Zeichen, die ein anderer Mensch uns schenkt. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein …“ – Eine zärtliche Berührung Gottes, die etwas von dem erahnen lässt, das einmal sein wird. Es wird eine Zeit kommen, in der alle Tränen getrocknet sein werden. In Gottes Ewigkeit wird es keine Tränen und auch keinen Tod mehr geben. Dafür steht Jesus Christus, ein Lichtblick in den Schattenseiten unseres Lebens. Er hat dem Gott, der am Ende die Tränen abwischen wird, vertraut. Das dürfen wir auch. Alles kann gut werden.

Beate Rethemeier
Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen