Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Vom Abschiednehmen und Aufbrechen
Haben Sie schon die Koffer gepackt?
Was nehmen Sie mit, wenn es jetzt auf die Reise geht? Was brauchen Sie unbedingt, was lassen Sie zurück?
Der Platz ist begrenzt, und es reist sich besser mit leichtem Gepäck.
Man kommt schneller vom Fleck, ist flexibler, mobiler, spontaner.
Den Koffer vollstopfen ist kein Problem. Schwieriger ist die Beschränkung auf das Wesentliche. Dazu muss man sich entscheiden. Und vorausschauen. Was brauche ich wirklich im Urlaub? Was nehme ich mit?
Was lasse ich ganz bewusst zurück? Womit will ich mich tatsächlich nicht beschäftigen?
Was erwartet mich am Zielort? Wie werde ich wiederkommen?
Aufbrüche in den Urlaub, in fremde Gegenden und unbekannte Länder bilden in gewisser Weise unsere Lebensreise ab: Wo komme ich her, wo gehe ich hin …
Mein Lebenskoffer ist voll geworden mit den Jahren …
Was ist Vergangenheit, was lasse ich zurück? Vieles ist am Ende tatsächlich nur Ballast.
Heute sind wir Weltmeister im Anhäufen, Aufheben, Sammeln, Verstauen, Archivieren.
Das lähmt.
Schwieriger ist die Trennung von anderem Ballast.
Schwierig ist das Loslassen von Gewohnheiten und Bequemlichkeiten.
Schwierig ist der Abschied von Illusionen und falschen Gewissheiten.
Schwierig ist, Orte und Menschen hinter sich zu lassen, mit denen uns eine lange Geschichte verbindet.
Das fällt schwer, kann aber notwendig und befreiend sein wie das Aufräumen von Speichern und Schränken.
„Adieu“, „Adios“ – mit Gott! Gott befohlen! „Goodbye“ die Abkürzung von „God would be with you“.
Zum Aufbruch gehört der Segen. Davon erzählt die Bibel (Gen. 12). Ohne Segen sollte sich niemand auf den Weg machen. Ohne Segen solltet ihr nicht auseinander gehen.
„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein“, verspricht Gott Abraham als er aufbricht und sein altes Leben mit 75 Jahren hinter sich lässt. Abraham geht. Nur mit der Verheißung. Fünfmal insgesamt wird der Segenswunsch bekräftigt, das verleiht ihm Gewicht und Kraft. Dort, wo Abraham ankommt, soll Gott seine Verheißung erfüllen.
Dieser Segen soll auch über Ihrem Abschied und Aufbruch stehen. Wohin auch immer sie gehen. All das steckt im Zuspruch des Segens. Das ist Gottes Gegenwart im Handgepäck. Sie können sie brauchen, wenn Sie jetzt auf Reisen gehen. Bon voyage!

Maike Brodowski-Stetter,
Pfarrerin am Leo Sympher Berufskolleg
So schmeckt das Leben
Vom Essen, Jesus und den Wundern, die dann passieren…
Essen finde ich gut. Pistazieneis. Spaghetti. Schokoladenkäsekuchen mit Salzbrezeln (klingt eklig, ist aber extrem lecker).
Keine Ahnung, was Jesus gerne gegessen hat. Aber dass er gerne gegessen hat, davon erzählen viele Geschichten in der Bibel. Am liebsten hat Jesus mit anderen am Tisch gesessen. Seine Gästeliste fanden die frommen Leute manchmal nicht gut. Da waren nämlich auch Gauner dabei, Leute mit schlechtem Ruf und arme Socken.
Wenn die vom Essen mit Jesus aufgestanden sind, dann waren sie nicht nur satt. Sondern hatten was davon gemerkt, dass Gott sie liebt. Dass sie dazu gehören. Und dass das Leben gut schmecken kann. Nach solchen Essen passierten manchmal verrückte Sachen. Z.B. als Zachäus der Zöllner das Geld zurückgab, das er den Leuten zu viel abgeluchst hatte, und dann einfach mit Jesus mitging.
Manchmal beten wir vor dem Essen: Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast. Und sagen damit: Jesus, wir stellen uns vor, du sitzt jetzt mit am Tisch. Lass das Wunder passieren, dass wir nicht nur satt werden. Sondern, dass wir was davon merken, dass Gott uns liebt. Dass wir dazu gehören. Und dass das Leben gut schmecken kann.
Das Wunder passiert immer noch. Besonders, wenn die Gästeliste schön bunt ist. Was es zu essen gibt, ist dann gar nicht so wichtig. Dass wir teilen, was wir haben, dass wir uns zuhören und dass wir uns gegenseitig was von Gottes großer Liebe merken lassen, das ist wichtig. Dabei ist Jesus gerne zu Gast. Und dann schmeckt das Leben.
An diesem Sonntag ist übrigens Gemeindefest rund um die Thomaskirche. Geht um 11:00 Uhr los. Vielleicht gibt´s ja sogar Schokoladenkäsekuchen mit Salzbrezeln …

Catharina Bluhm
Pfarrerin, Kirchengemeinde St. Simeonis - St. Thomas
Warten auf Besuch
Es ist Samstagvormittag und wir warten!
Warten… wie oft wird doch in einem Alten- und Pflegeheim gewartet:
Warten auf die Pflege, warten auf das Essen und auf einen lang ersehnten Besuch.
Heute lohnt sich das Warten, denn die Kinder aus dem Albert-Schweitzer-Haus samt Pfarrer und jugendlichen Betreuern kommen zu Besuch.
Es wird ein herzliches und quirliges Miteinander! Wir singen und schmunzeln über die Andacht, in der die Jugendlichen auf humorvolle Weise das Miteinander zwischen Jung und Alt bedenken.
Dann vertiefen wir uns ins gemeinsame Spiel:
Der Saal füllt sich mit gespannten und fröhlichen Gesichtern. Erleichtertes Seufzen ist zu hören, wenn man sich beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ nicht ärgern muss. Entzückte Rufe mischen sich ins fröhliche Gemurmel, wenn die Glasmurmeln das Tor finden oder sich auf der weißen Tischdecke die Schätze aus Großmutters Knopfkiste zu einem Kunstwerk vollenden.
Der Alltag mit all den Anforderungen und Sorgen wird für einen Moment vergessen und das Leben fühlt sich leicht an.
Zwischendurch habe ich das Gefühl, als würden sich die Worte, die wir in der Andacht bedacht hatten, für einen kurzen Moment mit Leben füllen.
Im Buch Sacharja spricht Gott in einem Heilswort zu seinem Volk:
„Es sollen hinfort wieder sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen“.
Fröhliche Kinder, die unbeschwert spielen und alte Menschen, die vergnügt zuschauen und sich nicht um ihren Lebensabend sorgen!
Was für eine große visionäre Kraft steckt doch in diesen alten Worten!
Sie inspirieren und laden ein zu einem herzliches Miteinander der Generationen. „ Aufstehn, aufeinander zugehn und voneinander lernen“ wie es in einem modernen Kirchenlied heißt, damit unsere Kinder vom Lebensreichtum älterer Menschen erfahren und in den Heimen nicht vergebens gewartet wird

Eva Binder
Pfarrerin im Kirchenkreis Minden u.a. in der Altenheimseelsorge tätig