Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Eine erfolgreiche Fußball-WM?

​Wie erfolgreich wird die Fußball WM im Sommer sein, mal ganz abgesehen vom Abschneiden der deutschen Mannschaft? Trump wird sie zur schönsten und besten aller Zeiten erklären. Und jedem ist klar, dass Großveranstaltungen des Sports, wie die kommende Fußball WM, politische Bühnen sind. Diese Bühne weiß Trump zu nutzen. Und auch Infantino will vorne mitspielen. Infantino hat ja Trump unlängst den lächerlichen und eigens für ihn gestifteten Fifa-Friedenspreis verliehen.
Und wer setzt sich für die Grundsätze des Sports ein? Als Christen wissen wir, dass Frieden und ein gerechtes Miteinander keine Show sind, sondern das Ergebnis der Einsicht von uns allen gegenüber den Wegen Gottes. Wenn ein Spieler ausgepfiffen wird oder rassistisch beleidigt, da erheben viele ihre Stimme und nehmen Stellung für einen fairen Sport. Aber zu den Veranstaltern der WM herrscht großes Schweigen. Wenn sich Funktionäre überhaupt einmal zur völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Politik Trumps und zu der Verletzung der Privatsphäre der Fans und der Unterdrückung von Kritik äußern müssen, sagen viele: Wir wollen doch Sport und Politik trennen. Es ist schon klar, nichts soll das Geschäft stören. Und auch die Fans hoffen auf Spiele ohne Boykott. Aber was tut der Sport, um seine Grundsätze von Fairplay, Toleranz, und Mitmenschlichkeit zur Geltung zu bringen, wenn viele Funktionäre und Reporter schweigen. Diese WM können nur Spieler und Fans retten, indem sie eindeutig gegen Krieg, Massenabschiebungen, Rassismus und Korruption Stellung beziehen. Kein Stadion, kein Talk und keine Fanmeile dürfen ohne Hinweis auf die Folgen von Krieg und Menschenverachtung sein.
Als Kirche haben wir eine klare Haltung. Trump und Infantino können das Recht nicht mit Füßen treten. Die Kirche erinnert an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten.

Clemens Becht

Clemens Becht

Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien/Bezirk St. Lukas

ER hat längst JA gesagt

​Gefühlt habe ich vorgestern noch die Anmeldungen zur Erstkommunionvorbereitung verschickt und gestern erst mit der katechetischen Arbeit begonnen. Jetzt ist der Tag da, an dem 46 junge Menschen erstmals den Leib des Herrn empfangen. Meine Aufgabe war es in den letzten Monaten nicht, alles selbst zu machen; ein kompetentes Team Ehrenamtlicher stand mir zu Seite, leitete Gottesdienste und Gruppenstunden, brachte Ideen ein, packte an. Als Gemeindereferentin koordinierte und organisierte ich, hielt den roten Faden. Gerade kurz vor der Erstkommunion ist ein klarer Leitfaden nötig. Zwischen Absprachen und letzter Planung darf das Wichtigste nicht verloren gehen. Den Leitfaden schlechthin fand ich in der Lesung des heutigen Sonntages. „Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42). Der Vers bringt auf den Punkt, worum es bei der Erstkommunion, bei Kirche überhaupt geht: Die „Lehre“ ist, was wir den Kindern an die Hand geben, wenn sie das Glaubensbekenntnis als Sprache für Hoffnung und Vertrauen kennenlernen. „Gemeinschaft“ ist das Netz, das trägt: die brennenden Taufkerzen und das Bekenntnis der Kinder rufen uns zu: Als Getaufte(r) bist Du ein Kind Gottes, ein Glied der Kirche, ein wichtiger Teil der Gemeinschaft aller Gläubigen! Dann „das Brechen des Brotes“: Erstmals empfangen die Kinder dieses „Stück Brot“. Es ist Christus selbst, der sich hier teilt: Still, unspektakulär und deshalb so besonders. Das Tischgebet, das Vaterunser, sprechen manche noch zögernd, andere ganz selbstverständlich. Aber die Botschaft scheint angekommen: Beten ist keine Zauberei oder Leistung. Es ist eine Verbindung, eine Art, Gott Platz im Leben zu geben. Wie befreiend es doch ist, dass Glaube nicht damit beginnt, dass ich alles verstanden habe. Er beginnt damit, dass Gott schon längst „Ja“ gesagt hat. Weiter geht es in meiner Geschwindigkeit zu erkennen, dass ich diesem Ja trauen darf…

Michaela Langner

Michaela Langner

Gemeindereferentin im Pastoralverbund Mindener Land

Gedanken zu Palmsonntag

Liebe Leserinnen und Leser,
der morgige Sonntag heißt Palmsonntag. Er trägt seinen Namen nach der biblischen Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Menschen stehen am Stadttor und auf den Straßen und jubeln. Sie legten Palmzweige und bunte Kleider auf den Weg. Jetzt kommt er, der Gottessohn, der Messias. Jetzt beginnt eine neue Zeit! Frieden und Freiheit statt römischer Besatzung, Gerechtigkeit, das Ende der Not. Er kommt im Namen Gottes. Das waren hohe Erwartungen an Jesus. An ihm schieden sich die Meinungen: Du bist der Sohn Gottes. Du bist ein Scharlatan, ein Unruhestifter. Er hat mich geheilt. Seine Worte berühren mich. Er erzählt von Gott, wie keiner vor ihm. Er befreit unser Volk. Seine Familie hielt ihn für verrückt. Andere sagten sogar, er sei mit dem Teufel im Bunde. Wer bist du also? Vor allem – wer bist du für mich?
In unserer Zeit kommt eine Gleichgültigkeit hinzu. Jesus, christlicher Glaube? Was soll ich damit, interessiert mich nicht, ist mir egal. Die christlichen Kirchen verlieren an Bedeutung und Akzeptanz. Kaum mehr als die Hälfte der Menschen in unserem Land gehören einer christlichen Gemeinschaft an. Ist damit die Botschaft erledigt?
Dass sich Güte und Barmherzigkeit lohnen. Dass das Leben mehr ist als das, was wir in unsren Taschen nach Hause tragen? Dass Gott eine neue Qualität von Leben verspricht? Dass am Ende nicht die Skrupellosen, Brutalen und Totschläger triumphieren, sondern Gott selbst. Dafür bürgt Jesus mit seinem Namen. Dafür bürgt seine Auferstehung von den Toten. Und das gibt dem Glauben auch etwas Trotziges. Diesem Glauben gegen den Augenschein, gegen eine Welt, die uns weiß machen will: Gott und der Glaube haben sich erledigt. Da bin ich doch gerne trotzig.

Dieter Maletz

Dieter Maletz

Pfarrer aus Oberlübbe - Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde An der Bergkante