Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Knoten lösen
Lächelnd streicht sie das glänzende Band glatt. Jetzt nur noch über die Hand aufrollen, dann ist der letzte Weihnachtsknoten gelöst. Sie löst in jedem Jahr die Knoten aus den schimmernden oder samtenen Geschenkbändern. Für sie endet damit Anfang Januar die Weihnachtsfestzeit und ihre Gedanken gehen zurück auf die Festtage.
Eigentlich ist das Knotenlösen eine symbolische Aufgabe, denkt sie. Es gibt ja immer Verknotetes, Verwirrtes und Verschlungenes, das sich an den Familientagen in wechselnder Zusammensetzung zeigt. Vorfreude, Aufregung, Anstrengung, unterschiedliche Charaktere und Temperamente treffen aufeinander. Keine einfache Gemeinschaft zwischen Freude und Last. Manche Streitereien sind wie die Knoten vor ihr. Die Einen sind nur mit Geduld und Anstrengung zu lösen, die Anderen öffnen sich, sobald sie daran zieht. Manche Konflikte brauchen nur eine Atempause, um sich zu klären. Andere Verwicklungen benötigen ein offenes Ohr, ein vertrauensvolles Gespräch und einen guten Rat.
Sie blickt auf die Bänder unter ihren Händen. Sie hat auch diese ganz eng gezogenen Knoten gelöst, mit Mühe und dem aufsteigenden Wunsch sie einfach abzuschneiden, damit das Band glatt vor ihr liegt. Aber um im Bild zu bleiben: So ist das Leben nicht. Das Abschneiden löst die Konfliktknoten nicht. Oft ist an den Weihnachtstagen ein ganzes Knäuel an Lebensfäden vorhanden, manchmal so eng ineinander verschlungen, dass die Fäden kaum noch unterscheidbar sind. Schneidet oder schlägt man sie durch, bleiben auf beiden Seiten die gleichen Verwirrungen wie vorher. Um das Lösen der Knoten kommt niemand herum, denkt sie.
Sie lächelt in sich hinein. Einige Knoten darf man nicht lösen, denn sie halten lose Enden fest zusammen oder sie bilden Netze, die uns auffangen und tragen. In der Bibel heißt es: Ein dreifaches Seil reißt nicht so schnell. Ja, Gottes Kraft stärkt Freundschaft, Liebe und Verbundenheit. Das hat sie oft erlebt – gerade an Festtagen. Noch einmal streicht sie über das schimmernde Band.

Pfarrerin Ulrike Lipke
Schulreferentin der Kirchenkreise Minden, Lübbecke und Vlotho
Gedanken zum Sonntag, den 04.01.2026
Haben Sie schon mit jemanden Streit gehabt, so einen richtigen?
Wenn nicht, so brauchen Sie weiter nicht zu lesen, die Andacht wird Ihnen nichts zu sagen haben.
Wenn aber eine solche Erfahrung Ihnen nicht fremd ist, dann lesen Sie bitte weiter, der Text wird Sie zunächst mächtig irritieren, vielleicht sogar ärgern, aber am Schluss werden Sie eine wunderbare Befreiung erleben.
Es soll ja Menschen geben, die über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, man soll sich nichts gefallen lassen. Es gibt einen Spruch in der Bibel, der eine gute Werbung für die Rechtsschutzversicherung sein könnte, der beginnt mit den Worten: Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse. Also lass Dich nicht vom Bösen überwinden, „sondern schließe eine Rechtsschutzversicherung ab“. Dann wird der Übeltäter schon sehen, was er davon hat.
ABER NEIN, es heißt: „sondern überwinde das Böse mit Gutem“.
Eine Zumutung – wir werden zur Barmherzigkeit aufgerufen. Die Barmherzigkeit ist eine liebliche Sache, wenn Sie uns selbst gilt. Aber was ist, wenn die Barmherzigkeit jemanden gelten soll, der uns Böses tut? Dann legen wir meistens keinen Wert auf Barmherzigkeit, sondern verlangen Gerechtigkeit. – Und gerade hier spielt Gott nicht mit. „Und vergib uns unsere Schuld“…
Wir haben im Umgang mit erlittenem Bösen zwei Möglichkeiten: Die Vergebung zu verweigern und sich dadurch an den Übeltäter zu binden. Er kann tausende Kilometer von uns entfernt sein und steht trotzdem mit der Peitsche an unserem Bett und raubt uns die Ruhe und den Schlaf und damit auch die göttliche Vergebung unserer Schuld.
Oder wir können dem Übeltäter die Vergebung, auf die er wahrscheinlich keinen Wert legt, einfach hinterherwerfen, damit von der Bitterkeit frei werden und Frieden mit Gott erlangen.
Lass Dich nicht vom Bösen überwinden – man hat seinen Widersacher erst dann wirklich überwunden, wenn man seine Freundschaft gewonnen hat. Dazu brauchen wir die Kraft von oben, aber die kriegen wir. Mit unserer Macht ist nichts getan.

Daniel Brüll
Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Petershagen
Und das Wort ist Fleisch geworden…
War Jesus Christus eigentlich Sportler? Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass er in seiner Kindheit mit anderen Kindern gespielt hat und herumgetollt ist, handelt es sich doch um eine spekulative Frage. Wir wissen es einfach nicht. Wir können wohl sagen, dass Jesus den Beruf seines Adoptivvaters, des Hl. Josef, erlernt hat und mit seiner Hände Arbeit zum Lebensunterhalt der Hl. Familie beigetragen hat. Er hat sich für das tägliche Brot angestrengt.
Weihnachten sagt uns, dass der Sohn Gottes aus der Jungfrau und Gottesmutter Maria Mensch geworden ist. Er, der wie der Vater und der Hl. Geist immer Gott war, ist und bleiben wird, ist vor 2000 Jahren einer von uns geworden. Er ist mir in allem gleich geworden außer der Sünde. Er hat sich bei seiner handwerklichen Arbeit angestrengt. Er hat nicht die Mühe der langen Wege durch das Heilige Land gescheut, um das Reich Gottes zu verkünden und Wunder zu wirken. Wenn wir uns bei unseren täglichen Aufgaben im Haushalt, im Beruf aber auch beim Sport und in der Freizeit anstrengen, erfahren wir, was es bedeutet, dass das Wort (der Sohn Gottes) Fleisch (Mensch) geworden ist. Gott, der Sohn wird einer von uns. Was uns Kraft kostet, hat auch Jesus Kraft gekostet. So nah kommt Gott dem Menschen, so sehr liebt er mich, dass er nicht einmal Krippe, Kreuz oder Grab scheut. Aus Liebe zu mir nimmt er das alles auf sich, damit seine Auferstehung von den Toten auch für mich ewiges Leben bedeutet. Wenn ich also das nächste Mal zuhause, im Beruf oder im Sport schufte, darf ich wissen, dass auch der Sohn Gottes aus Liebe zu mir geschuftet hat und dass er bei mir, an meiner Seite bleibt.
Ja, das Wort ist wirklich Fleisch geworden „und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1,14)

Pastor Christian Bünnigmann
Seelsorger im Pastoralverbund Mindener Land