Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Das kommt in den besten Familien vor…..

Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen      Epheserbrief 4, 26

„Das kommt in den besten Familien vor“ sagt eine alte Redensart. Denn niemand ist davor sicher, auch mit Menschen, mit denen man sicher eigentlich prima versteht, in Streit zu geraten. Oft sind Kleinigkeiten die Ursache, nicht selten aber auch gravierende Dinge über die man verschiedener Ansicht sein kann: Ein schlimmer Streit tut niemandem wirklich gut. Natürlich müssen Menschen zu wichtigen Fragen diskutieren, wenn möglich einen Kompromiss finden oder einfach mal bereit sein, unterschiedliche Meinungen gelten zu lassen. Schwierig ist es immer dann, wenn die einen immer nur klein bei geben und die Lauteren oder die,  die immer das letzte Wort haben müssen, sich ständig durchsetzen. So wie schwere Sorgen rauben nicht beigelegte Streitigkeiten oder der Zorn auf jemanden vielen Menschen den Schlaf.  „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“. Eigentlich recht bekannt dieser Satz. Aber nicht alle wissen,  dass das ein Satz aus der Bibel ist, den Paulus vor bald  2000 Jahren an die Gemeinde in Ephesus schrieb. Auf jeden Fall war und ist es und ist es immer noch ein guter Rat für das Zusammenleben von Menschen, sei in einer Partnerschaft, in der Familie, in Beruf, Verein oder Kirche. Ein guter Rat auch in der Politik, wenn es um Auseinandersetzungen im großen Rahmen geht. Das Wichtige dabei ist ja nicht zu allererst, dass man einfach um jeden Preis einen vielleicht billigen Kompromiss herbeiführt ohne dass eine Angelegenheit wirklich geklärt ist. Es geht vielmehr darum nicht zornig auseinander zu gehen, sondern sich weiter in die Augen sehen zu können, sich menschlich zu vertragen, auch wenn etwas vertagt werden muss oder vielleicht gar nicht geklärt werden konnte. Das geht gewiss nicht, wenn Gewalt und Hinterhältigkeit im Spiel sind. Zorn loswerden kann man wohl nur, wenn man dafür irgendwie ein wirklich geeignetes Ventil findet. Und da ist  sicher eine gewisse gemeinsame Grundeinstellung hilfreich. Wenn Paulus einst Menschen in einer christlichen Gemeinde den Rat gab, einen Tag nicht im Zorn zu beenden, damit hoffte er natürlich, dass für Christen Liebe, Vergebung, Achtung vor dem anderen auch zum gemeinsamen Glauben gehörten. In der Politik ist es dann eher die gemeinsame Basis eines grundlegend demokratischen Denkens, das auch bei unterschied-lichsten Meinungen doch die Achtung vor dem anderen nicht aus dem Blick verliert. Nach dem in Ostwestfalen wichtigen Motto: wir waren zwar überhaupt nicht einer Meinung, aber am Ende konnten wir doch noch ein Bier zusammen trinken.

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Verantwortungsvoll leben ….

Gehen Sie (noch) zum Gottesdienst?

Als Jugendliche musste ich da hin: nach dem Gottesdienst haben wir uns mit vielen anderen zum Tee getroffen und den weiteren Tag geplant. Die Predigt, die Musik? Egal, wichtig waren die Freunde, die Verabredungen.

Später gab es ein Jugendfrühstück vor dem Gottesdienst – echt früh. Wir waren danach in der Kirche nicht zu übersehen, manchmal auch nicht zu überhören. Der Gottesdienst? Schon gut, aber die Begegnungen waren mindestens genauso wichtig.

Nach und nach haben Gottesdienste sich verändert. Lieder sind moderner geworden, Bibeltexte verständlicher. Tee und Kaffee gibt es inzwischen für alle Generationen. Es gibt die regelmäßigen Gottesdienstbesucher, die sporadischen und die Feiertagsbesucher.

Und dann gab es ….nichts.

Jetzt gibt es Hybridgottesdienste: in kürzerer Form, Gesang nur draußen, der Kaffee fällt weg. Dafür wird alles ins Internet übertragen und viele sehen sich das an.

Gottesdienste hätte ich gerne wieder anders. Lebendiger, mit viel Musik zum Mitsingen, mit guten Gesprächen hinterher. Den Senioren fehlt die Begegnung, die Gemeinschaft, das kann ich gut verstehen. Aber was macht einen guten Gottesdienst aus?

Für regelmäßige Besucher ist der jetzige Gottesdienst nicht so einfach, vieles fehlt, was eigentlich gut tut und wichtig ist. Für andere ist ein Kurzgottesdienst optimal, der Gesang, vielleicht eine Theaterszene, fällt weg.

Dass wir gerade in den Kirchen nicht singen, hat etwas mit Verantwortung zu tun. Für mich gehört dazu, auf die Schwächeren Rücksicht zu nehmen. „Vergesst nicht, dass Gott selbst uns aufgetragen hat: Wer Gott liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.“ 

Wir verzichten in diesen Monaten auf vieles, was uns vorher selbstverständlich war. Manchmal verlieren wir dabei aus den Augen, warum wir gerade so eingeschränkt leben: weil wir Verantwortung füreinander übernehmen. Gott traut uns das zu, auch im Gottesdienst. Er ist dabei. Sie auch?

Beate Rethemeier

Beate Rethemeier

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Dankersen

Warum Erntedank ?

Diese Welt ist wunderbar geschaffen. Fruchtbar und schön. Gott versorgt. So, dass es für alle reicht. Deshalb können wir teilen. Auch du. Darum.

Ein guter Text. Ich habe ihn vor einigen Tagen auf einer Karte entdeckt

(siehe#Kirche feiert).

Welche Rolle spielt eigentlich Dankbarkeit in Ihrem Leben? Wofür sind Sie dankbar? Sind es eher die kleinen Dinge oder ist es das große Ganze? Ich denke, dass diese Frage nur jeder für sich beantworten kann. Manchmal gibt es Situationen, wo uns das große Ganze bewusst ist: Gesundheit, das Leben, die Zeit, die Heimat. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns berühren: das Lächeln eines Kindes, die helfende Hand der Unbekannten oder die strahlenden Augen meines Gegenübers. Dann stellt sich die Frage nach dem Dank. Gibt es einen Grund zu danken?

Francis Bacon, ein englischer Philosoph, soll gesagt haben: Nicht der Glückliche ist dankbar, sondern der Dankbare ist glücklich. Wenn Bacon recht hat, dann sollten wir doch alle miteinander üben, dankbar zu sein! Die Kirche bietet hierfür einen besonderen Tag an: Erntedank – der erste Sonntag im Oktober. Ein Tag, miteinander zu danken und das Danken zu üben. Warum? Weil wir Menschen eben nicht einfach so dankbar sind. Wir neigen dazu, das Gute, das wir erleben, als etwas Normales anzusehen und das Schlechte als etwas Besonderes. Im Lukasevangelium im 17. Kapitel wird berichtet, wie Jesus zehn Männer vom Aussatz heilt. Er schickt sie zum Gesundheitsamt – damals der Tempel – damit ihnen  schriftlich bestätigt wird, dass sie wieder gesund sind. Und nur einer von Ihnen kommt danach zu Jesus zurück, um sich zu bedanken. Neun zu Eins für die Undankbaren, die das Gute als etwas Normales … Sie wissen schon.

Lasst uns bewusst dankbare Menschen werden! Und heute damit anfangen.

Michael Brandt

Michael Brandt

Pfarrer, St. Jakobus-Kirchengemeinde in Minden