Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
„In varetate concordia“ – In Vielfalt geeint.
Liebe Leserinnen und Leser,
unsere Stadt Minden und unsere Region ist von vielen verschiedenen Kirchbauten geprägt. Schon von weiten gut sichtbar erheben diese Zeugen des Glaubens ihre Türme über die Dächer der Stadt. Etwas unscheinbarer, da turmlos, rückt dabei die Kirche St. Mauritius in den Hintergrund, die sich im Südwesten der Altstadt, angeschmiegt an St. Simonis befindet. Der Namensgeber und Patron der ehemaligen Klosterkirche, der Hl. Mauritius ist eine interessante Figur der Kirchengeschichte. Der Überlieferung des 5. Jahrhunderts nach soll er ägyptischer Abstammung und Anführer der dort ausgehobenen Thebaischen Legion gewesen sein (3. Jahrh.), die aus christlichen Soldaten gebildet wurde. Später habe Mauritius und seine Truppe gegen den Befehl gemeutert, an der Verfolgung und Ermordung von Christen teilzunehmen. Deshalb wäre er selbst zusammen mit seinen Offizieren zum Tode verurteilt worden und als Zeuge für den Glauben an Jesus Christus gestorben. Interessant ist, dass Mauritius in Statuen und Abbildungen traditionell als Soldat oder römischer Legionär mit afrikanischer Abstammung dargestellt wird. Den Menschen früherer Generationen, wie sicherlich auch damals den Benediktinermönchen in der Mindener Mauritiuskirche, die wenig bis nie in ihrem Leben Kontakt mit Menschen fremder Kulturen und Herkunftsländer hatten, muss der Heilige aus Afrika immer etwas fremdartig und exotisch vorgekommen sein. Aber schon in damaliger Zeit, wie auch heute zeigte sich am Beispiel des Hl. Mauritius, dass die Gemeinschaft des Glaubens, die Kirche, über alle Grenzen und Meere hinweg alle Menschen, die an Jesus glauben, in sich vereint.
Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, von Feuerland bis Sibirien, vom Nordkap bis Australien und vereint viele unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Nationen in sich. Doch so divers, verschieden und bunt sie ist, im Kern verbindet sie alle gläubigen Menschen in einem gemeinsamen Glauben und Bekenntnis. Das Motto der Europäischen Union „In Vielfalt geeint“ ist also in der katholischen Universalkirche schon verwirklicht.
Wenn wir in diesen Tagen über Grenzen (im doppelten Sinne), Möglichkeiten und Visionen der europäischen Idee nachdenken, so dürfen wir in dieser Woche, in der am Dienstag (22.09.) der Gedenktag des Hl. Mauritius begangen wurde, nicht vergessen, wie sehr Einheit und Vielfältigkeit in der richtigen Balance gehalten werden müssen, damit Staatengemeinschaften und Gesellschaften funktionieren.

David F. Sonntag
Pastor am Mindener Dom
Von Wahlen und Gewählten ….
Nun hat NRW gewählt. Bald werden die Gewählten ihre Ämter antreten. Ob die Wahlversprechen auch in die Tat umgesetzt werden können? Manches wird umgesetzt werden können, andere Vorhaben werden vielleicht scheitern. Aber – das wissen wir nicht im Voraus. Jede Wahl gründet darauf, dass man einem Menschen seine Stimme gibt, weil man ihm zutraut, seine Zusagen erfüllen zu können.
Ich werde durch solche Wahlen daran erinnert, wie es mit Gott und uns ist. Im Epheserbrief heißt es: „Denn in Christus hat Gott uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war.“ (Eph. 1,4). Uns hat er erwählt – weil er uns etwas zutraut. Das hat er schon getan, als er die ersten Menschen beauftragt hat, seine Schöpfung, diese Erde, zu bewahren. Offensichtlich sieht Gott in uns etwas, was wir uns manchmal nicht einmal selber zutrauen.
Denn wir schauen uns diese Erde an und können nicht sagen, dass wir Menschen immer gut mit ihr und den Menschen auf ihr umgegangen wären. Und doch – Gott wählt uns nicht ab. Er steht zu seiner Wahl. Er traut uns zu, dass wir mehr tun können. Etwa im Umgang miteinander. Oder im Umgang mit der Umwelt. Und wenn wir am Ende des Tages vor Gott stehen und es wieder nichts geworden ist mit all dem Guten, was wir hätten tun sollen, dann ist Gott barmherzig, vergibt uns und macht uns Mut, es am nächsten Tag besser zu machen. Denn er hat in seinem Sohn Jesus gewissermaßen ein Kreuz für uns gemacht, als Zeichen seiner Liebe und Vergebung.
Gott kennt uns Menschen, unseren Egoismus und unsere Gleichgültigkeit. Aber seine Liebe bringt ihn dazu, uns immer wieder zu erinnern, dass wir auch anders können. Denn es heißt ebenfalls im Epheserbrief: „Wir sind Gottes Schöpfung. Er hat uns in Christus Jesus neu geschaffen, damit wir die guten Taten ausführen, die er für unser Leben vorbereitet hat.“ (Epheser 2,10). Das kann uns Mut machen, uns selbst etwas zuzutrauen. Und dann das zu tun, was Gott uns zutraut: Das Gute, das nötig ist.

Thomas Salberg
Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Friedewalde
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So ganz allgemein; so aufrührerisch; so gerechtigkeitsliebend; so umfassend:Die Menschen sind gemeint – das Umfeld, in dem alles Leben lebt ist gemeint, die Natur mitsamt dem Klima.
Positiv alles und alle ins Recht setzen, denen es am Recht fehlt.Das ist natürlich eine Aufgabe für die professionellen juristischen Instanzen, einerseits – andererseits ist es eine Aufgabe für unsere eigene persönliche Umsetzung, die letztlich in einen gesamtgesellschaftlichen Fluß mündet, sich speisend aus allen Eintragungen und Zuflüssen einzelner Menschen und Organisationen.Eine Herausforderung ist es wohl für unsere Wahrnehmung -eine Herausforderung bleibt es auch für unsere Motivation.Hilfreich sind die konkreter gefassten Ausführungen der allgemeinen programmatischen Forderung:
„Integriert die Fremden; gebt Brot den Hungrigen; öffnet die Augen der Blinden; richtet die Gebeugten auf; liebt die, die gerecht handeln; helft denen, die am Rand der Gesellschaft stehen!“Programmatische Forderungen seit Jahren, was sag´ ich: Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden; in diesem Fall um 3000 Jahre alt, entnommen dem Buch der Psalmen (Ps. 146,7 ff).Die Fremden integrieren: Sich gegenseitig bereichern, fördern, lernen ermöglicht erst einen gesunden Aufbau und Zusammenhalt von Gemeinschaften und Gesellschaften.
Den Hungrigen Brot geben: Endlich eine gerechte Weltwirtschaftsordnung installieren mit Löhnen, Absatzmärkten und Ressourcenverwendung, die alle gut über-leben lässt; endlich innerhalb eines Landes die Güter gerecht verteilen.
Den Blinden die Augen öffnen: Den Fake-News-Anhängenden die Fakten vorhalten; den Umwelt-Unbewussten das Umwelt-Bewusste lehren; den Klima-Schädigenden das Klima-Schützende vorgeben.
3 ausgelegte Verse und im Folgenden noch 3 für Sie selbst auszulegende Verse:
Die Gebeugten aufrichten: …
Die Gerechten lieben: …
Den am Rand der Gesellschaft Stehenden helfen: …
Ewig jung bleiben solche Lebens-Programme. Sie waren, sind und bleiben immer eine gute Wahl!

Iris Rummeling-Becht
Pfarrerin, St. Marien-Kirchengemeinde Minden, Bezirk St. Lukas