Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Den anderen achten?!

Dem Gesicht des siebenjährigen Jungen sieht man seine Gedanken förmlich an: Soll ich die Süßigkeit auf dem Teller sofort essen, oder warte ich einige Minuten ab und bekomme dann die doppelte Portion? Wie soll ich mich nur entscheiden??

Im sogenannten Marshmallow Experiment von Walter Mischel wollte man in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wissen: Können Kinder den Impuls nach sofortiger Wunscherfüllung so lange unterdrücken, bis sie ihre Belohnung bekommen? 1960 ging man davon aus, dass eine Wartezeit von 15 Minuten angemessen ist, bevor das Kind die Belohnung bekommt.

Walter Mischel zeigte mit seinen Experimenten, dass Kinder ab vier Jahren dem Impuls nach sofortiger Erfüllung eines Bedürfnisses kontrollieren können und damit zeigen, dass sie ihre Wünsche und Handlungen kontrollieren können.

Rücksicht zu nehmen, meinen Impuls nach sofortiger Erfüllung meiner Bedürfnisse kontrollieren zu können, macht das Zusammenleben so viel einfacher.

Jesus Christus fasst seine erste große Predigt, die Bergpredigt im Matthäusevangelium Kapitel 7,12a so zusammen: Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen!

Bei uns gibt es das Sprichwort in der Umkehrung: Was du nicht willst das man dir tue, das füg auch keinem andern zu.

Jesus meint es positiv: Ich fange an, die anderen so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte. Jesus hat diesen Leitsatz gelebt und hat damit angefangen, mit großer Liebe und Geduld auf die Menschen seiner Zeit zuzugehen. Das hat ihm auch Widerstand und Skepsis eingebracht, aber ich finde, dass sich dieser Lebensstil lohnt und Veränderung bringt. Und irgendwo muss einer ja schließlich anfangen.

Vielleicht sehen wir uns ja in einer dieser Experimentiergruppen, die sich sonntagvormittags in den Kirchen treffen?

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor, Evangelische Freikirche Minden

vom Hausbau…..

Auf dem Nachbargrundstück wird gebaut. Seit Wochen dringt der Baulärm durch unsere Fenster: quietschender Kran, scheppernde Eisengeflechte, rufende Arbeiter, Klopfen und Hämmern, lauter LKW-Verkehr – und natürlich das ewig dudelnde Baustellenradio. Ich bin ganz schön bedient …

Aber: so ist das nun mal auf dem Bau. Der Lärm der Geschäftigkeit. So ärgerlich das für uns Anwohner auch manchmal sein mag – es ist doch immer wieder eine faszinierende Sache, wenn so ein Haus entsteht! Es ist einfach beeindruckend, wie quasi aus dem Nichts ein Gebäude wächst. Und am Ende wird man sehen, ob hier mit Sachverstand und Qualität gebaut wurde.

Genau deshalb verwendet das Neue Testament mehrfach das Bild vom Hausbau, um uns damit etwas vom christlichen Glauben, von der Kirche Jesu Christi und vom Reich Gottes zu erzählen. Denn wir haben eine Vergleichseben, die wir alle kennen. So nutzt auch der Apostel Paulus in seinen Worten an die Christen in Korinth (1. Korinther 3, 9-17; Predigttext für den morgigen Sonntag) den Vergleich mit dem Hausbau, um nochmal besonders auf die Grundlage unseres Glaubens hin zu weisen: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der bereits gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

In Jesus Christus hat Gott das Fundament unseres Lebens gelegt – für uns Einzelne wie für die ganze Christenheit. Alles, was darauf gebaut wird, wird Bestand haben. Auch wenn uns unser Leben selber oftmals krumm und schief erscheint, wenn uns Wege verbaut und Fenster vermauert erscheinen; auch wenn wir allzu oft denken, dass das Material für unser Lebensgebäude schlecht ist oder das andere Leute mit bauen, die keine Ahnung haben; auch wenn uns die Kirche als sichtbare Organisationsform der Christen manchmal fragwürdig erscheint oder wir Konstruktionsweisen in ihr entdecken, die einsturzgefährdet sind – am Ende wird alles fest und sicher stehen, wenn es nur auf Jesus Christus als Fundament unseres Glaubens gebaut ist!

So kommen mir beim Anblick des entstehenden Nachbarhauses wirklich „er-bauliche“ Gedanken. Das dämpft den Ärger über Staub und Lärm und lenkt den Blick auf das Wesentliche, das Fundament des Lebens: Jesus Christus, Gottes Sohn!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Christoph Ruffer

Christoph Ruffer

Pfarrerin, St. Martinikirchengemeinde Minden

Wem kann ich noch glauben?

Was hat uns die Corona-Pandemie nicht schon alles gebracht: Krankheit und Tod, Firmenpleiten und zerstörte Existenzen, begründete und irrationale Todesangst. Und zu all dem viel dummes Geschwätz.

Verschwörungstheoretiker nutzen die Gunst der Stunde. Für sie ist Covid-19 wahlweise eine Erfindung des Milliardärs Bill Gates zur Durchsetzung von Zwangsimpfungen oder tödliches Komplott einer geheimen Weltregierung zur Entvölkerung des Planeten. Der Wunsch nach Klarheit und Orientierung in Krisenzeiten lässt manche Mitmenschen selbst offensichtlichen Unsinn glauben.

Doch woher weiß ich, was wahr und was falsch ist? Wie soll ich wissen, welche Informationsquellen vertrauenswürdig sind? Wem kann ich in diesen verrückten Zeiten noch glauben?

Um es klar zu sagen: Ich glaube nicht an Verschwörungsmythen. Ich gehe immer noch davon aus, dass die meisten Politiker in unserem Land in guter Absicht handeln und die Mehrzahl der Journalisten ehrlich berichtet.

Doch zugleich weiß ich auch: Niemand ist absolut zuverlässig und keiner spricht immer die Wahrheit. Dafür sind wir Menschen zu wechselhaft und zu eigensüchtig. Wenn es uns nützt, dann schummeln, verschweigen oder lügen wir.

Ich kenne nur einen, der anders ist: der Gott, von dem Jesus erzählt hat. Über ihn heißt es: „Du darfst nicht meinen, Gott sei wie ein Mensch! Er lügt nicht und er ändert niemals seinen Sinn. Denn alles, was er sagt, das tut er auch. Verspricht er etwas, hält er es gewiss.“ (4. Mose 23,19)

Wer sich ausschließlich auf Menschen verlässt, ist früher oder später verlassen. Wer sich auf den Gott der Bibel verlässt, hat selbst in unruhigen Zeiten festen Boden unter den Füßen. Denn nur bei ihm ist ungetrübte Wahrheit und absolute Zuverlässigkeit.

Ist das eine steile Behauptung? Allerdings! Ist es eine weitere verquere Theorie von religiösen Spinnern? Keinesfalls! Denn diesen Gott können Sie erleben. Nehmen Sie wieder einmal die Bibel zur Land. Lesen Sie die Verheißungen, die Gott uns macht. Und dann reden Sie mit ihm im Gebet. Dann werden Sie sehen, dass Gott nicht lügt und unser ganzes Vertrauen verdient.

 

Johannes Röskamp ist Pfarrer der Markusgemeinde Minden. Seine Predigten veröffentlicht er in seinem Podcast www.son-of-a-preacher-man.de

Johannes Röskamp

Johannes Röskamp

Pfarrer der Markusgemeinde Minden