Hille. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Aber deutlich mehr Klarheit darüber, was aus den kirchlichen Gebäuden in Hille und Umgebung werden soll, gibt es seit der Synode des Kirchenkreises Minden in der zweiten Junihälfte durchaus.
Wie in den übrigen drei „Planungs- und Kooperationsräumen“ des Kirchenkreises hatten die Verantwortlichen in Hille Monate lang um Entscheidungen gerungen, welche Gebäude aufgegeben oder einer neuen Nutzung zugeführt werden können. Zielvorgabe war, mindestens 40 Prozent der so genannten „Gebäudepauschale“ einzusparen. Dabei handelt es sich um den nach einem bestimmten Schlüssel berechneten Betrag, der alljährlich aus Kirchensteuer-Mitteln für die Unterhaltung der Gebäude an die Kirchengemeinden geht. Sinn der Einsparungen ist es, über entsprechend mehr Geld für die Gemeindearbeit verfügen zu können.
Auf der Synode galt es, die diesbezüglichen Pläne der einzelnen Kooperationsräume vorzustellen und zu beschließen. Dabei wurde deutlich: Der Kooperationsraum Hille mit seinen Gemeinden Hartum-Holzhausen, Hille und der Gemeinde „An der Bergkante“ (Bergkirchen, Rothenuffeln, Haddenhausen, Ober- und Unterlübbe) erreicht potenziell sogar 42,46 Prozent.
In Bergkirchen und in Holzhausen sollen die Gemeindehäuser verkauft werden. In Bergkirchen besteht die Möglichkeit, in einem Anbau an der Kirche Raum für gemeindliche Angebote wie Konfirmandenunterricht und Gesprächskreise zu schaffen. In Holzhausen soll ein Umbau innerhalb der Kirche Platz für solche gemeindlichen Angebote entstehen lassen.
Das Gemeindehaus in Hartum könnte in die Trägerschaft des Sportvereins übergehen, der das Gebäude schon jetzt zeitweise nutzt. Ähnlich wie in Holzhausen könnten dann Umbaumaßnahmen in der Kirche dafür sorgen, dass dort neuer Raum für die Gemeindearbeit entsteht. Für die Marienkapelle in Hahlen hat bereits vor einigen Wochen ein Trägerverein die Verantwortung übernommen.
Das Johannes-Gemeindezentrum ist schon im vergangenen Jahr entwidmet worden. Das Gemeindezentrum in Eickhorst liegt in der Mitte zwischen zwei anderen kirchlichen Begegnungsstätten und soll verkauft werden. Das Gemeindehaus in Haddenhausen ist noch relativ neu und befindet sich auf einem überdurchschnittlich großen Gelände. Auf diesem Areal und gegebenenfalls nach Umbaumaßnahmen im Gemeindehaus könnte Wohnraum entstehen. Das Gemeindehaus und die Scheune in Südhemmern sollen aufgegeben werden; ihre Nachnutzung wird noch geprüft. In Oberlübbe geht Pfarrer Dieter Maletz demnächst in den Ruhestand. Da die Pfarrstelle nicht zur Wiederbesetzung freigegeben ist, wird das Pfarrhaus dann nicht mehr gebraucht und kann vermietet werden. Die Kirche in Oberlübbe bleibt erhalten. Die Gemeinde verzichtet künftig auf einen Teil der Gebäudepauschale (7.500 Euro) und erreicht auf diese Weise das Einsparziel von 40 Prozent.
Hintergrund für die Reduzierung kirchlichen Gebäudebestands ist der deutliche Rückgang an Kirchenmitgliedern und somit an Kirchensteuer-Einnahmen. Ursachen sind der demografische Wandel, die seit der Corona-Zeit stark gestiegenen Zahlen an Kirchenaustritten und der Trend, dass Kinder heute nicht mehr so selbstverständlich getauft werden wie früher.
Aktuell unterhalten die 21 Gemeinden des Kirchenkreises Minden 27 Kirchen und sechs Kapellen, elf Gemeindezentren und 30 Gemeindehäuser. Davon wurden drei Kirchen, zwölf Gemeindezentren und 27 Gemeindehäuser nach 1945 errichtet, weil man damals in der Bundesrepublik Deutschland davon ausging, dass jedes Gemeindeglied „seine“ Kirche beziehungsweise „sein“ Gemeindehaus zu Fuß erreichen können sollte.
Es liegt auf der Hand, dass sich hinsichtlich des kirchlichen Gebäudebestands im Laufe der Jahre auch dann ein Missverhältnis entwickelt hat, wenn es im Einzelfall schwer auszuhalten ist, dass wohlmöglich die Kirche, in der man getauft wurde, geschlossen werden soll. Trotzdem sind, wie Superintendent Michael Mertins auf der Synode erläuterte, unter den gegebenen Umständen solche Schritte unvermeidlich und vernünftig zugleich. Denn die Systematik, mit der die Zuweisung finanzieller Mittel an die einzelnen Gemeinden erfolgt, hätte zur Folge, dass künftig Jahr für Jahr von insgesamt sinkenden Gesamtbeträgen anteilig immer noch mehr Geld für die Gebäude („Gebäude-Pauschale“) und noch weniger Geld für die eigentliche Gemeindearbeit („Gemeindeglieder-Pauschale“) zur Verfügung stehen würde.
Letztlich muss es aber der Kirche um Menschen gehen und nicht um Gebäude. Auch kann die Quantität kirchlicher Bauwerke keine Priorität haben vor der Qualität der Angebote für ihre Mitglieder.