Minden. Wie die übrigen drei Planungs- und Kooperationsräume des Kirchenkreises Minden hat auch „Minden-Ost / Porta-Nord“ im Juni seine Gebäudestrategie offen gelegt.

Zielvorgabe war, bis zur Synode  Konzepte zu entwickeln, mit denen mindestens 40 Prozent der so genannten „Gebäudepauschale“ eingespart werden können. Dabei handelt es sich um den nach einem bestimmten Schlüssel berechneten Betrag, der alljährlich aus Kirchensteuer-Mitteln für die Unterhaltung der Gebäude an die Kirchengemeinden geht. Sinn der Einsparungen ist es, über entsprechend mehr Geld für die Gemeindearbeit verfügen zu können.

Anders als Minden-West, Hille und Petershagen hat Minden-Ost / Porta-Nord beschlossen, neben anderen kirchlichen Gebäuden auch eine historische Kirche aufzugeben und damit viel Kritik und Irritation ausgelöst. Mit der Kirche in Lerbeck ersetzte die Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts die St.-Andreas-Kirche, die zu klein geworden war. Die St.-Andreas-Kirche wiederum war am Standort einer im Mittelalter gebauten Kapelle entstanden, deren Existenz ab 1181 belegt ist. Noch heute erinnert am Zugang zum Hauptportal der Lerbecker Kirche der Eingangsbogen der St.-Andreas-Kirche an die weit zurückreichende Tradition und Geschichte des Ortes.

Der Geschichtsträchtigkeit zum Trotz sieht sich der Kooperationsraum, zu dem neben Lerbeck die Gemeinden St. Markus (Leteln), St. Matthäus, Dankersen und Kleinenbremen gehören, gezwungen, sich von der Kirche zu trennen und sie nach Möglichkeit zu verkaufen. Darüber hinaus soll entweder das Gemeindehaus in Lerbeck oder das Paul-Gerhardt-Haus in Meißen aufgegeben werden.

In St. Matthäus ist geplant, das Gemeindehaus Arche abzureißen und das Grundstück zu verpachten. In der St.-Matthäus-Kirche soll durch Umbaumaßnahmen Raum für die Gemeindearbeit entstehen.

Auch die Kirche in Kleinenbremen soll für die Gemeindearbeit ertüchtigt werden. Das Gemeindehaus in Kleinenbremen kann und soll dann entweder vermietet oder verkauft werden.

Die Gemeinde in Dankersen hat vor, einen Teil ihres Albert-Lortzing-Gemeindehauses zu vermieten. Die St.-Markus-Gemeinde in Leteln behält ihr Gemeindezentrum und verzichtet als Beitrag zu den Sparmaßnahmen auf zehn Prozent der Gebäudepauschale.

Hintergrund für die Reduzierung kirchlichen Gebäudebestands ist der deutliche Rückgang an Kirchenmitgliedern und somit an Kirchensteuer-Einnahmen. Ursachen sind der demografische Wandel, die seit der Corona-Zeit stark gestiegenen Zahlen an Kirchenaustritten und der Trend, dass Kinder heute nicht mehr so selbstverständlich getauft werden wie früher.

Aktuell unterhalten die 21 Gemeinden des Kirchenkreises Minden 27 Kirchen und sechs Kapellen, elf Gemeindezentren und 30 Gemeindehäuser. Davon wurden drei Kirchen, zwölf Gemeindezentren und 27 Gemeindehäuser nach 1945 errichtet, weil man damals in der Bundesrepublik Deutschland davon ausging, dass jedes Gemeindeglied „seine“ Kirche beziehungsweise „sein“ Gemeindehaus zu Fuß erreichen können sollte.

Es liegt auf der Hand, dass sich hinsichtlich des kirchlichen Gebäudebestands im Laufe der Jahre auch dann ein Missverhältnis entwickelt hat, wenn es im Einzelfall schwer auszuhalten ist, dass wohlmöglich die Kirche, in der man getauft wurde, geschlossen werden soll. Trotzdem sind, wie Superintendent Michael Mertins auf der Synode erläuterte, unter den gegebenen Umständen solche Schritte unvermeidlich und vernünftig zugleich. Denn die Systematik, mit der die Zuweisung finanzieller Mittel an die einzelnen Gemeinden erfolgt, hätte zur Folge, dass künftig Jahr für Jahr von insgesamt sinkenden Gesamtbeträgen anteilig immer noch mehr Geld für die Gebäude („Gebäude-Pauschale“) und noch weniger Geld für die eigentliche Gemeindearbeit („Gemeindeglieder-Pauschale“) zur Verfügung stehen würde.

Letztlich muss es aber der Kirche um Menschen gehen und nicht um Gebäude. Auch kann die Quantität kirchlicher Bauwerke keine Priorität haben vor der Qualität der Angebote für ihre Mitglieder.