Minden. In dem Reformprozess, der derzeit im Kirchenkreis Minden läuft, haben die Gemeinden einen wichtigen Meilenstein erreicht. Auf der Synode am vergangenen Wochenende sind die „Gebäudestrategien“ der „Planungs- und Kooperationsräume“ vorgestellt und beschlossen worden.
Zielvorgabe für die Gebäudestrategien war, mindestens 40 Prozent der so genannten „Gebäudepauschale“ einzusparen. Dabei handelt es sich um den nach einem bestimmten Schlüssel berechneten Betrag, der alljährlich aus Kirchensteuer-Mitteln für die Unterhaltung der Gebäude an die Kirchengemeinden geht. Sinn der Einsparungen ist es, über entsprechend mehr Geld für die Gemeindearbeit verfügen zu können.
Zum Kooperationsraum Minden-West gehören die Gemeinden St. Marien (ohne St. Matthäus), St. Martini, Petri, St. Thomas mit der Offenen Kirche St. Simeonis, St. Jakobus (Häverstädt / Dützen) und Barkhausen. Minden-West hat also zwei sehr große und sehr alte Kirchen im Gebäudebestand – die St.-Marien- und die St.-Martini-Kirche. Deren Unterhaltung ist, wenig verwunderlich, besonders kostenintensiv und so war von vornherein zu erwarten, dass es in Minden-West besonders schwierig sein würde, das Sparziel zu erreichen. Darüber hinaus sind in Minden-West schon früher, also vor Beginn des Reformprozesses, mehrere Gebäude aufgegeben wurden, die demzufolge jetzt nicht mehr mit einbezogen werden können. Tatsächlich verfehlt Minden-West das 40-Prozent-Ziel knapp und rechnet nun mit Einsparungen von etwa 36,67 Prozent. Dieses kleine Minus wird jedoch kompensiert und ausgeglichen durch überplanmäßige Ergebnisse in den drei anderen Kooperationsräumen.
Im Einzelnen sind folgende Gebäude betroffen. Die Gemeinde Barkhausen, die früher als „Landgemeinde“ zu St. Martini gehörte, also aus historischen Gründen zu Minden-West gezählt wird, will ihr Gemeindehaus aufgeben und die Kirche so umbauen, dass dort Raum für die Gemeindearbeit entsteht. Auch für die St.-Thomas-Kirche am Schwabenring stehen Umbaumaßnahmen an, die dafür sorgen, dass künftig für Angebote wie Gesprächskreise und Konfirmandenunterricht kein Extra-Gebäude mehr nötig ist. Zumindest in einem Teil des Gemeindehauses soll Wohnraum entstehen. Für den Umbau sucht die Gemeinde nach einem Investor.
In der Erlöserkirche ist man schon ein Stück weiter: Hier hat die Umrüstung zum Gemeindezentrum schon stattgefunden. Die Kirche hat eine Küche bekommen, die Kirchenbänke sind verschwunden, so dass der Raum je nach Bedarf mit Stühlen und Tischen (oder auch ohne Tische) für größere oder kleinere Gruppen gestaltet werden kann. Sobald Pfarrer Thomas Pfuhl in den Ruhestand geht, soll das Gemeindehaus mit dem integrierten Pfarrhaus aufgegeben werden.
Die St.-Jakobus-Gemeinde trennt sich vom Wichernhaus; schon vor einigen Monaten ist es entwidmet worden. Alle Gottesdienste finden nun im Gemeindezentrum St. Jakobus statt, wo es auch genügend Räume für gemeindliche Angebote gibt.
Die Evangelisch-Reformierte Petri-Gemeinde verzichtet auf ihr Gemeindehaus.
St. Marien ist die größte Kirchengemeinde Mindens; sie besteht aus mehreren Pfarrbezirken, von denen einer – St. Matthäus – aufgrund der Lange auf der rechten Weserseite nicht zu Minden-West gezählt wird, sondern zu Minden-Ost / Porta-Nord.
St. Marien hat beschlossen, das Martin-Luther-Haus in Bärenkämpen aufzugeben. Stattdessen sollen Räume für Gemeindearbeit im Pfarrhaus entstehen, das nicht mehr als solches gebraucht wird, nachdem Pfarrer Dr. Jörg Bade und Pfarrerin Sabine Bade in den Ruhestand gegangen sind. Das Gemeindezentrum Albert-Schweitzer-Haus soll von einem Trägerverein übernommen werden. Für das Pfarrhaus der Christuskirche in Todtenhausen / Kutenhausen gibt es konkrete Pläne für den Umbau zu Mietwohnungen. Teile des Marienstifts könnten vermietet werden. Über Perspektiven für die St.-Lukas-Kirche wird noch beraten.
Hintergrund für die Reduzierung kirchlichen Gebäudebestands ist der deutliche Rückgang an Kirchenmitgliedern und somit an Kirchensteuer-Einnahmen. Ursachen sind der demografische Wandel, die seit der Corona-Zeit stark gestiegenen Zahlen an Kirchenaustritten und der Trend, dass Kinder heute nicht mehr so selbstverständlich getauft werden wie früher.
Aktuell unterhalten die 21 Gemeinden des Kirchenkreises Minden 27 Kirchen und sechs Kapellen, elf Gemeindezentren und 30 Gemeindehäuser. Davon wurden drei Kirchen, zwölf Gemeindezentren und 27 Gemeindehäuser nach 1945 errichtet, weil man damals in der Bundesrepublik Deutschland davon ausging, dass jedes Gemeindeglied „seine“ Kirche beziehungsweise „sein“ Gemeindehaus zu Fuß erreichen können sollte.
Es liegt auf der Hand, dass sich hinsichtlich des kirchlichen Gebäudebestands im Laufe der Jahre auch dann ein Missverhältnis entwickelt hat, wenn es im Einzelfall schwer auszuhalten ist, dass wohlmöglich die Kirche, in der man getauft wurde, geschlossen werden soll. Trotzdem sind, wie Superintendent Michael Mertins auf der Synode erläuterte, unter den gegebenen Umständen solche Schritte unvermeidlich und vernünftig zugleich. Denn die Systematik, mit der die Zuweisung finanzieller Mittel an die einzelnen Gemeinden erfolgt, hätte zur Folge, dass künftig Jahr für Jahr von insgesamt sinkenden Gesamtbeträgen anteilig immer noch mehr Geld für die Gebäude („Gebäude-Pauschale“) und noch weniger Geld für die eigentliche Gemeindearbeit („Gemeindeglieder-Pauschale“) zur Verfügung stehen würde.
Letztlich muss es aber der Kirche um Menschen gehen und nicht um Gebäude. Auch kann die Quantität kirchlicher Bauwerke keine Priorität haben vor der Qualität der Angebote für ihre Mitglieder.