Petershagen. In Stein gemeißelt ist noch nichts. Aber sehr viel mehr Klarheit darüber, was aus den kirchlichen Gebäuden in Petershagen und Umgebung werden soll, gibt es seit der Synode des Kirchenkreises Minden am vergangenen Wochenende durchaus.
Wie in den übrigen drei „Planungs- und Kooperationsräumen“ des Kirchenkreises hatten die Verantwortlichen im Planungs- und Kooperationsraum Petershagen Monate lang um Entscheidungen gerungen, welche Gebäude aufgegeben oder einer neuen Nutzung zugeführt werden können. Zielvorgabe war, mindestens 40 Prozent der so genannten „Gebäudepauschale“ einzusparen. Dabei handelt es sich um den nach einem bestimmten Schlüssel berechneten Betrag, der alljährlich aus Kirchensteuer-Mitteln für die Unterhaltung der Gebäude an die Kirchengemeinden geht. Sinn der Einsparungen ist es, über entsprechend mehr Geld für die Gemeindearbeit verfügen zu können.
Auf der Synode galt es, die diesbezüglichen Pläne der einzelnen Kooperationsräume vorzustellen und zu beschließen. Dabei wurde deutlich: Der Kooperationsraum Petershagen mit seinen Gemeinden Friedewalde, Ovenstädt, Buchholz, Petershagen, Lahde, Windheim, Schlüsselburg und Heimsen erreicht potenziell sogar 54 Prozent.
Von den Plänen sind insgesamt 15 Gebäude betroffen. In Friedewalde soll der Krummenhof abgegeben und das Gemeindehaus zum Dorfgemeinschaftshaus entwickelt werden. Auch als Dorfgemeinschaftshaus wäre das Gebäude weiterhin u. a. für kirchliche Zwecke nutzbar. Da Pfarrer Thomas Salberg bald in den Ruhestand geht, wird die Gemeinde darüber hinaus das Pfarrhaus zum Kauf anbieten.
Auch die Kirche in Neuenknick soll zu einem Dorfgemeinschaftshaus werden. Im Gemeindehaus in Neuenknick sollen nach entsprechenden Umbaumaßnahmen Wohnungen entstehen. In Schlüsselburg gibt es schon seit mehreren Jahren im Pfarrhaus eine Pilgerherberge. Da sich dieses Angebot großer Beliebtheit erfreut und der Platz oft nicht ausreicht, soll künftig auch das Gemeindehaus zur Pilgerherberge werden. Dort ist es dann auch möglich, einen großen Gemeinschafts- und Frühstücksraum einzurichten. Für das Gemeindehaus in Heimsen will ein neu gegründeter Förderverein die erforderliche Einsparsumme erwirtschaften.
In Buchholz und Ovenstädt würde man gern die bestehenden Gemeindehäuser abgeben und ein neues gemeinsames Gemeindehaus bauen. Ob das möglich und sinnvoll ist, wird noch geprüft. Ein vergleichbarer Prozess läuft in Lahde. Dort wird überlegt, ein neues Gemeindehaus zu bauen und dann die jetzigen Gemeindehäuser in Lahde und Bierde zu schließen. Sollte sich dieser Plan nicht verwirklichen lassen, müsste entweder auf das Lahder oder das Bierder Gemeindehaus verzichtet werden. Grundsätzlich sind Neubauten aber natürlich sehr teuer und letztlich ist zu bedenken, dass für neue Gebäude wieder neue Gebäudepauschalen anfallen.
Das Volkening-Haus in Meßlingen und das Jugendhaus in Petershagen sollen aufgegeben werden. Einsparmöglichkeiten ergeben sich außerdem aus der Zusammenlegung von Gemeindebüros. Genügend Platz für alle Gemeindebüros des Kooperationsraums ist in Windheim vorhanden. Ohne dass aufwendige Umbaumaßnahmen nötig wären, gibt es im dortigen Gemeindehaus genügend Büroräume – und damit ideale Voraussetzungen für eine gute Vernetzung der Mitarbeitenden. Eine Etage des Gemeindehauses in Windheim soll außerdem nach Möglichkeit vermietet werden.
Hintergrund für die Reduzierung kirchlichen Gebäudebestands ist der deutliche Rückgang an Kirchenmitgliedern und somit an Kirchensteuer-Einnahmen. Ursachen sind der demografische Wandel, die seit der Corona-Zeit stark gestiegenen Zahlen an Kirchenaustritten und der Trend, dass Kinder heute nicht mehr so selbstverständlich getauft werden wie früher.
Aktuell unterhalten die 21 Gemeinden des Kirchenkreises Minden 27 Kirchen und sechs Kapellen, elf Gemeindezentren und 30 Gemeindehäuser. Davon wurden drei Kirchen, zwölf Gemeindezentren und 27 Gemeindehäuser nach 1945 errichtet, weil man damals in der Bundesrepublik Deutschland davon ausging, dass jedes Gemeindeglied „seine“ Kirche beziehungsweise „sein“ Gemeindehaus zu Fuß erreichen können sollte.
Es liegt auf der Hand, dass sich hinsichtlich des kirchlichen Gebäudebestands im Laufe der Jahre auch dann ein Missverhältnis entwickelt hat, wenn es im Einzelfall schwer auszuhalten ist, dass wohlmöglich die Kirche, in der man getauft wurde, geschlossen werden soll. Trotzdem sind, wie Superintendent Michael Mertins auf der Synode erläuterte, unter den gegebenen Umständen solche Schritte unvermeidlich und vernünftig zugleich. Denn die Systematik, mit der die Zuweisung finanzieller Mittel an die einzelnen Gemeinden erfolgt, hätte zur Folge, dass künftig Jahr für Jahr von insgesamt sinkenden Gesamtbeträgen anteilig immer noch mehr Geld für die Gebäude („Gebäude-Pauschale“) und noch weniger Geld für die eigentliche Gemeindearbeit („Gemeindeglieder-Pauschale“) zur Verfügung stehen würde.
Letztlich muss es aber der Kirche um Menschen gehen und nicht um Gebäude. Auch kann die Quantität kirchlicher Bauwerke keine Priorität haben vor der Qualität der Angebote für ihre Mitglieder.