Espelkamp. Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Lübbecke hat auf ihrer Tagung im Ernst-Wilm-Saal der Evangelischen Stiftung Ludwig-Steil-Hof wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Kirchenkreises getroffen. Die Synodalen stimmten sowohl für eine engere Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Minden als auch für eine neue Gebäudestrategie.

Mit einem Tendenzbeschluss beauftragte die Synode den Kreissynodalvorstand, die Gespräche über eine gemeinsame Leitungsstruktur und eine mögliche Vereinigung mit dem Evangelischen Kirchenkreis Minden fortzuführen. Dafür stimmte die große Mehrheit der Synodenmitglieder mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung.

Geplant ist, zum 1. Januar 2027 zunächst die eine gemeinsame Leitungsstruktur einzurichten. Eine Vereinigung beider Kirchenkreise könnte zum 1. Januar 2029 erfolgen. „Unser Ziel ist es, die lebendige kirchliche Arbeit langfristig zu sichern und die kirchlichen Arbeitsfelder bestmöglich zu unterstützen“, sagte die stellvertretende Superintendentin Barbara Fischer. Hintergrund der Planungen sind sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen sowie der bevorstehende Ruhestand von Superintendent Dr. Uwe Gryczan.

Eine endgültige Entscheidung zugunsten einer engeren Zusammenarbeit ist in Espelkamp jedoch noch nicht gefallen. Zunächst werden die Presbyterien aller Kirchengemeinden und die kreiskirchlichen Arbeitsbereiche angehört. Das Verfahren soll Ende Juli beginnen und bis Ende September abgeschlossen sein. Die Kreissynode Minden hatte einen entsprechenden Beschluss bereits im Juni mit großer Mehrheit gefasst.

Gebäudestrategie und Gebäudeampel

Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war die Zukunft der kirchlichen Gebäude. „Wir müssen handeln, weil wir nicht mehr genügend Kirchensteuermittel haben“, sagte Bernd Kammann, Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses. Seinen Worten zufolge soll eine neue Strategie helfen, trotz sinkender Kirchensteuereinnahmen sowie steigender Energie-, Bau- und Personalkosten handlungsfähig zu bleiben.

Obwohl der Synode die angespannte Finanzlage der Kirche bewusst war, fiel die Entscheidung nicht leicht. Schließlich müssen Entscheidungen auch zu ortsprägenden, liebgewonnenen Gebäuden getroffen werden. „Hier geht es ums Große und Ganze und zugleich um weitreichende Veränderungen“, brachte Pfarrer Steffen Bäcker den inneren Zwiespalt vieler Synodaler auf den Punkt.

Nach intensiven Diskussionen verabschiedeten die Synode mehrheitlich eine kirchenkreisweite Gebäudestrategie. Ziel ist es, den Bestand an Kirchen, Gemeindehäusern und Gemeindezentren an den künftigen Bedarf anzupassen. Durch die Verringerung der Anzahl der Gebäude sollen die aus Kirchensteuermitteln finanzierten Gebäudekosten bis Ende 2029 um die Hälfte reduziert werden.

Als hilfreiches Instrument für die Presbyterien wurde die sogenannte „Lübbecker Gebäudeampel“ beschlossen. „Das ist ein Meilenstein, denn ohne diese Entscheidung, die Sie heute getroffen haben, wird es nicht gehen“, sagte Gemeindeberaterin Helga Trölenberg.

Die Gebäudeampel soll den Gemeinden künftig eine einheitliche Bewertung ihrer Gebäude ermöglichen und als Entscheidungshilfe dienen. Verbindliche Vorgaben macht die Ampel jedoch nicht – die Verantwortung für die Zukunft einzelner Gebäude bleibt bei den Presbyterien der jeweiligen Kirchengemeinden in den Planungsräumen.

Bis Oktober 2026 sollen zunächst alle Gebäudedaten erfasst und ausgewertet werden. Anschließend entwickeln die Planungsräume gemeinsam mit den Presbyterien Konzepte, über die in den Kirchengemeinden im Frühjahr 2027 beraten werden kann. So skizzierte Carsten Schöneberg, stellvertretender Verwaltungsleiter des Kreiskirchenamtes Weser-Werre-Wiehen, den weiteren Weg. Die Ergebnisse sollen dann der Lübbecker Kreissynode im Sommer 2027 vorgelegt werden.

Begleitet werden soll der Prozess durch Gemeindeversammlungen und Informationsveranstaltungen, um möglichst viele Menschen in die Entscheidungen einzubeziehen. „Es ist ein schwerer Weg, den wir gemeinsam gehen müssen. Er erfordert eine offene und ehrliche Diskussion, denn die schmerzlichen Entscheidungen müssen gemeinsam getragen werden“, sagte die stellvertretende Superintendentin Barbara Fischer.

(Beitrag von Alexander Kröger für den Evangelischen Kirchenkreis Lübbecke)