Seit rund 30 Jahren besteht die Partnerschaft des Kirchenkreises Minden mit dem Kirchenkreis Kaskazini in Tansania. Alle paar Jahre kommt entweder eine Delegation aus Kaskazini nach Minden oder eine Gruppe aus Minden reist in die umgekehrte Richtung; in diesem Sommer stand wieder eine Reise nach Tansania auf dem Programm.

In den Zeiten zwischen den Reisen unterstützt der „Arbeitskreis Tansania“, den die Synode zwecks Aufbau und Pflege der Partnerschaft eingerichtet hat, diverse Initiativen, von denen die Wasser-Projekte zweifellos die wichtigsten sind. In Kooperation mit dem Verein „Masi kwa woshe“ („Wasser für alle“) und mit Verantwortlichen vor Ort konnte der Arbeitskreis Tansania bereits in mehreren Gemeinden Kaskazinis für den Bau von Wassertanks, Wasserleitungen und Zapfstellen sorgen.

Nach Kaskazini zu gelangen, ist anstrengend. Man fliegt über Nacht von Hannover aus nach Dar-es-Salaam, kommt dort gegen 2.30 Uhr an und wird per Kleinbus über extrem ruckelige Straßen nach Lushoto gebracht. Dort trifft man gegen 13 Uhr ein und hat danach im Prinzip zehn Tage lang volles Programm.

Zur Reisegruppe gehörten dieses Mal Mitglieder des Arbeitskreises Tansania wie Ulrike Heitkamp, Pfarrer Thomas Salberg und Annika Amran. Mit von der Partie waren außerdem Familienangehörige von ihnen und – erstmals – Superintendent Michael Mertins.

Mertins kannte die Partnerschaftsarbeit bislang vor allem in der Theorie und vom Besuch einer Delegation aus Tansania in Minden vor drei Jahren. „Selbst vor Ort zu sein, ist jedoch eine ganz und gar andere Hausnummer“, sagt er.

Viel hat er in den zehn Tagen zu sehen bekommen. Die Kontinent-übergreifende Partnerschaft besteht auf drei Ebenen: zwischen den Kirchenkreisen, zwischen Gemeinden und zwischen Schulen. Gemeinde-Partnerschaften gibt es zwischen St. Marien und Mtae, St. Martini und Malibwi, St. Jakobus und Malindi, St. Thomas und Mnazi, Friedewalde und Shume, Bergkirchen und Mwangoi sowie Oberlübbe und Fuizai. Schul-Partnerschaften unterhalten die Grundschule am Wiehen und die Kalusese Primary School Malindi, die Wichernschule der Diakonie Stiftung Salem und die Irente Rainbow School, das Herder-Gymnasium und die Secondary School in Malibwi, außerdem die Sekundarschule am Wiehen und die Secondary School in Malindi.

Das ist ein vielseitig geknüpftes Netz und entsprechend dicht gedrängt war für die Reisenden das Programm. So gab es Begegnungen mit Verantwortlichen der Nordost-Diözese Tansanias, zu der Kaskazini gehört, mit Superintendent Charles V. Kazai und Bischof Msafiri Mbilu. Die Gäste aus Deutschland waren in den Gemeinden Malindi, Mlalo, Shume, Gemai, Viti, Kireti und Mnazi zu Besuch. Auch besuchten sie die Rainbow School sowie die Blindenschule in Irente und die kirchliche Schule in Lwandai. Überall seien sie außerordentlich herzlich, zugewandt, hilfsbereit und dankbar empfangen worden, berichtet Mertins und betont seine Begeisterung darüber, wie viel Lebensfreude die Menschen bei aller Armut, Knappheit und Einfachheit ihrer Lebensumstände hätten.

Sehr angetan ist er von den Wasser-Projekten, die er nun mit eigenen Augen gesehen hat in Gemai, Viti und Mnazi. „Man weiß zwar, dass die Frauen überall in Tansania, wo es noch keine Wasserleitungen gibt, kilometerweit gehen müssen und stundenlang unterwegs sind, um Wasser zu holen“, sagt er. Aber erst jetzt habe er die volle Tragweite verstanden. Kaskazini liege in den Usambara-Bergen, es gehe also zur Wasserstelle eine bis zu vier Stunden in Anspruch nehmende Strecke bergab und eine bergauf und in beiden Richtungen sei das Gelände extrem unwegsam.

Auf die Frage, was ihn in Tansania besonders beeindruckt hat, erklärt er: „Ich habe verstanden, dass Wasser Frieden stiften kann.“ In den Gottesdiensten, die er erlebt hat – in Mlalo hat er selbst gepredigt und Annika Amran hat ins Kisuaheli übersetzt – seien immer auch Muslime gewesen. Die Dankbarkeit für das gemeinsam nutzbare Wasser sei so groß, dass in den Dörfern ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen möglich sei. Mitunter werde sogar gemeinsam gebetet.

Für Mertins persönlich war es außerdem ein bewegender Moment, in Malindi die Glocke aus Neesen zu läuten, die er noch aus der Zeit kennt, in der sein Vater Gemeindepfarrer in Meißen war. Als die Glocke in Neesen nicht mehr gebraucht wurde, sorgte der Arbeitskreis Tansania dafür, dass sie per Schiff auf die Reise Richtung Kaskazini gehen konnte.