Vertretung 8a. Französisch. Die jungen Leute erklären mir kurz, woran sie gerade arbeiten. Dann senken sich wieder die Köpfe.
„In der achten Klasse können sich Schüler schlecht konzentrieren, haben Mühe, sich auf schulische Inhalte einzulassen, normaler Unterricht ist kaum möglich“, sagen Lernpsychologen. Mein Blick gleitet über die Gesichter der Schüler vor mir: Keiner spielt am iPad. Keiner knufft seinem Nachbarn in die Seite. Keiner muss erstmal auf die Toilette. Sportklasse. Stille, Konzentration. Voller Fokus. Wie beim Start zum 100-Meter-Lauf. Ruder-Vierer. Siebenmeter-Wurf. Und jetzt: französische Konjugationen.
„Die sind aber mächtig verliebt“, denke ich. „Verliebt ins Gelingen“.
Wie der liebe Gott, als er sich die Welt und diese Mädchen und Jungs erdacht hat: „Siehe, es war sehr gut“, kommentiert die Bibel (1.Mose 1,31). So viel Begabung. So viel Talent. Möglichkeiten, Spielräume, die der Schöpfer ihnen mitgegeben hat. Machen muss natürlich jeder selbst etwas daraus. Die Schüler hier zeigen mir gerade, wie‘s geht: „Verliebtsein sein ins Gelingen“. Schwächen? Wer hätte die nicht. Diese Reibe- und Reifeflächen zu menschlicher Größe. Scheitern, Versagen gehört dazu. Mal nicht ganz oben auf dem Treppchen stehen. Kennen sie auch vom Sport. Für diesmal aber stehen alle auf der Gewinnerseite. Ihre Arbeitshaltung: Weltklasse!
Als ich beim Gongschlag mit Dank in die Runde den Raum verlasse, treffe ich im Flur noch auf Lennie, einen Schüler der Oberstufe. Sitzt in einem Spezialrollstuhl. Lächelt. Hebt die schmale Hand zum Gruß. Wie der Junge die Schule meistert und seinen Tag: Der gehört für mich ganz oben aufs Siegertreppchen.
Ja, ich glaube, keiner ist wie er verliebt ins Gelingen. Und wer Lennie kennt, seine Seelenpower, mit der er unterwegs ist, weiß: Bei ihm, da war auch der liebe Gott mächtig verliebt. Na, Sie wissen schon worin.

Jens Burgschweiger

Jens Burgschweiger

Schulpfarrer an der NRW-Sportschule Besselgymnasium Minden