Am Sonntag, den 20. September, beginnt um 16:00 Uhr in der Offenen Kirche St. Simeonis in Minden eine musikalische Lesung mit Frank Meier-Barthel und Gerlind Tautorus. Gemeinsam stellen sie Ernst Tollers „Eine Jugend in Deutschland“ vor.
Ernst Tollers Lebenserinnerungen zählen zu den besten autobiographischen Schriften des 20. Jahrhunderts. 1893 wurde er in einer kleinen Stadt in Posen in eine bürgerliche deutsch-jüdische Familie geboren. Er erinnert sich, wie schon die Kinderwelt durch unterschwellige Gewalt und Unrecht geprägt gewesen sei. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich, Vorurteile zwischen Polen und Deutschen und antisemitische Beschimpfungen belasteten die Beziehung zwischen seinem Freund Stanislaus und ihm.
Toller meldete sich freiwillig in den Ersten Weltkrieg, um seine Zugehörigkeit zu den Deutschen zu beweisen. Rasch war er entsetzt, wandelte sich zum Kriegsgegner und nahm schließlich an der Revolution im November 1918 teil. Seine Wandlung habe sich vollzogen, als er auf dem Schlachtfeld auf einen Leichnam traf und dachte: „Ein toter Mensch. Nicht: ein toter Franzose. Nicht: ein toter Deutscher. Ein toter Mensch.“
Ernst Toller gelang es durch die Beschreibung alltäglicher Situationen viel von der Mentalität, der Atmosphäre und den Konflikten seiner Zeit einzufangen. Da vergleichen Schuljungen, womit ihr Pausenbrot belegt ist. Da überlegt ein junger Soldat, was er der Mutter seines gefallenen Freundes schreiben solle. Toller konnte, Grundsätzliches einfach, konkret und sehr berührend darstellen.
Frank Meier-Barthel von der Ev. Erwachsenenbildung wird vorlesen, und Gerlind Tautorus greift die Stimmung der Texte auf und verstärkt sie musikalisch durch ihr Spiel auf der Violine mit ausgewählten Fragmenten aus Werken von Vivaldi, Prokofjew und anderen. Der Eintritt ist frei. Die musikalische Lesung ist eine Kooperation der Ev. Erwachsenenbildung mit der Offenen Kirche St. Simeonis in Minden. Weitere Informationen erhalten Sie unter Email: frank.meier-barthel@ekvw.de oder Tel.: 0174 – 93 79 572.