Wenn Minden in Bayern oder im Saarland läge, hätten Sie heute einen arbeitsfreien Feiertag. Die katholische Kirche feiert am 15. August die Aufnahme Mariens in den Himmel oder volkstümlich „Mariä Himmelfahrt“. Letzte Woche haben wir in Minden Freischießen gefeiert und in beiden Fällen könnte bei Außenstehenden die Frage aufkommen: Was feiern die da eigentlich? Ich weiß noch, als ich nach Minden zog, es war zehn Wochen vor dem anstehenden Freischießen, bekam ich den zugleich freundlich und ernsthaften Hinweis: Sprechen Sie niemals von Schützenfest, das ist politischer Selbstmord. Beide Feste, so unterschiedlich sie sind, bedürfen der Erklärung. Man muss in die Geschichte hineingehen, um zu verstehen, wenn man nicht mit einem sofort fertigen Urteil daherkommen will. Wenn beim Fest Mariä Himmelfahrt auch noch das Stichwort „Dogma“ fällt, machen viele Menschen sofort dicht. Am 01. November 1950 hat der damalige Papst Pius XII die Lehre, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet. Das war nicht neu, sondern er hat damit die seit alters vorhandene christliche Glaubensüberzeugung endgültig bestätigt. Das Fest Mariä Himmelfahrt ist in der Ostkirche bald nach dem Konzil von Ephesus (423 n.Chr.) aufgekommen. Von Kaiser Mauritius wurde um 600 der 15. August als staatlicher Feiertag anerkannt und in der römischen Kirche wird das Fest seit dem 7. Jhd. gefeiert. Und was feiern die da jetzt eigentlich? Am besten drücken dies zwei Gebete aus, die in den Messfeiern für das Hochfest vorgesehen sind. Im Schlussgebet der Messe zum Vorabend heißt es: „Erhöre unser Gebet und lass auch uns nach aller Mühsal dieser Zeit zu dir in die ewige Heimat gelangen“, und im Tagesgebet: „Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit.“ Wir feiern also, dass Maria als Vorbild dort angekommen ist, wohin wir noch unterwegs sind.

Probst Roland Falkenhahn
Seelsorger im Pastoralverbund Mindener Land