Manchmal merke ich es erst hinterher. Ich habe einen Text geschrieben, einen Gedanken formuliert, eine Aussage auf den Punkt gebracht – und jemand liest ihn und sagt, das hat ihn bewegt. Nicht ich. Der Text, der Gedanke, die Sache dahinter. In solchen Momenten bin ich schon einmal überrascht. Ich hätte erwartet, enttäuscht zu sein. Bin ich aber nicht. Der Text hat funktioniert, weil ich nicht im Weg stand.
Am 24. Juni feiert die Kirche den Johannistag – die Geburt von Johannes dem Täufer. Kein großes Fest, eher ein stiller Tag im Kirchenjahr. Und doch hat dieser Tag es in sich: Ausgerechnet dieser Mann wird der Größte, weil er auf einen anderen zeigt. Er wächst in einer Priesterfamilie auf, geht dann in die Wüste, predigt, tauft, sammelt Menschen um sich – und weist sie weiter. Seht, das ist das Lamm Gottes, sagte er, als Jesus vorbeikam; nicht er sollte gesehen werden, sondern der, auf den er zeigte.
So sagt es die Predigt für diesen Tag: Wie Johannes sind auch wir berufen, Christus zu bekennen. Durch das, was wir sagen, wie wir leben, wie wir mit Menschen umgehen. Ich frage mich manchmal, ob das durch mich wirklich zu spüren ist – ob durch mich wirklich jemand merkt, dass da jemand ist, der größer ist als ich.
Mit der Taufe gehöre ich dazu – zu dieser langen Reihe von Menschen, die auf Christus gezeigt haben und zeigen. Ich muss kein Johannes sein. Aber ich darf mich immer wieder fragen: Kommt durch mich jemand einen kleinen Schritt näher – nicht zu mir, sondern zu Christus? Vielleicht ist das genug. Vielleicht ist das sogar alles.

Priester Oliver Rütten
Bezirksvorsteher Neuapostolische Kirche Minden