„Stärke unseren Glauben!“. So lautet die Bitte der Jünger an Jesus in Lukas 17,5. Und Jesus antwortet mit einem ungewöhnlichen Bild: Schon ein Glaube so klein wie ein Senfkorn könne etwas bewirken, das eigentlich unmöglich scheint.
Ein Senfkorn ist winzig. Man kann es leicht übersehen. Aber aus diesem kleinen Korn kann etwas Großes wachsen.
Am 27. September 2026 ist der Tag der Gehörlosen. Er erinnert daran: gehörlose Menschen gehören mitten in unsere Gesellschaft. Sie leben ihren Alltag, arbeiten, feiern, lieben, hoffen und glauben – wie hörende Menschen auch. Und doch gibt es viele Erfahrungen, die Hörende nur schwer nachvollziehen können.
Stellen Sie sich vor: Sie gehen zum Arzt. Der Arzt spricht mit Ihnen, aber Sie verstehen ihn nicht, die Diagnose bleibt unklar. Im Wartezimmer wird Ihr Name aufgerufen – aber Sie hören es nicht. Oder Sie sitzen bei einer Familienfeier inmitten von Menschen. Alle unterhalten sich munter, es werden Reden gehalten, aber Sie selbst bleiben außen vor. Gehörlose Menschen haben das alles schon erlebt.
Aber gerade hier kann der Gedanke vom Senfkorn wichtig werden: Veränderung beginnt oft klein.
Ein hörender Mensch lernt einige Gebärden. Jemand schaut einen gehörlosen Menschen beim Gespräch wirklich an und spricht langsam und deutlich. Eine Veranstaltung wird mit Gebärdensprachdolmetscherinnen so gestaltet, dass alle teilnehmen können.
Das sind kleine Schritte. Aber sie können viel verändern.
Christlicher Glaube zeigt sich in der Liebe. Diese Liebe muss nicht alles auf einmal verändern. Sie beginnt mit einem kleinen Schritt, mit Aufmerksamkeit und mit der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.
Jesus macht Mut: Auch ein kleiner Glaube kann wachsen und Großes bewirken.
Der Tag der Gehörlosen ist deshalb auch eine Einladung an uns Hörende: Schauen wir hin. Lernen wir einander kennen. Überwinden wir Barrieren.
Vielleicht beginnt es mit einem kleinen Schritt.
Ein Senfkorn ist klein. Aber daraus kann etwas Großes wachsen.

Pfarrer Christian Schröder

Pfarrer Christian Schröder

Gehörlosenseelsorger in der EKvW