„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21)
Dieser Satz des Apostels Paulus klingt gut. Aber wenn wir ehrlich sind, erscheint er oft schwer umzusetzen. Wie soll man das Böse mit Gutem überwinden, wenn Menschen andere verletzen, beleidigen oder bewusst ausgrenzen?
Gerade in einer Zeit, in der der Ton in unserer Gesellschaft rauer geworden ist, gewinnt dieser Bibelvers an Bedeutung. In sozialen Medien, in politischen Debatten und manchmal auch im persönlichen Miteinander werden Menschen schnell herabgesetzt. Aus unterschiedlichen Meinungen werden Feindbilder. Verachtung erzeugt neue Verachtung.
Paulus fordert nicht dazu auf, Unrecht zu übersehen. Er weiß, wie zerstörerisch Hass und Bosheit sein können. Seine Mahnung lautet vielmehr: Lass dich nicht von ihnen bestimmen. Denn in dem Moment, in dem wir selbst anfangen zu verachten, hat das Böse bereits gewonnen.
Darum setzt sich die Diakonie Stiftung Salem mit dem Slogan „Würde ist kein Konjunktiv“ für gegenseitigen Respekt und die Achtung der Menschenwürde ein. Für Christinnen und Christen ist die Würde des Menschen keine Frage von Leistung, Herkunft, Gesundheit oder Orientierung. Sie ist jedem Menschen von Gott verliehen. Deshalb gilt sie ohne Einschränkung und ohne Vorbehalt.
Das Böse mit Gutem zu überwinden, beginnt oft im Kleinen: Wenn Menschen einander zuhören, statt übereinander zu urteilen. Wenn jemand widerspricht, wo andere herabgewürdigt werden. Wenn Versöhnung wichtiger wird als Rechthaben.
Das gelingt nicht immer. Aber die Bibel erinnert uns daran, dass Gott uns dabei hilft. Wer sich von seiner Liebe tragen lässt, kann dem Bösen etwas entgegensetzen: Güte, Respekt und Barmherzigkeit.
Die Welt wird dadurch nicht über Nacht friedlich. Aber dort, wo Menschen die Würde anderer achten, verliert das Böse ein Stück seiner Macht.

Pfarrer Thomas Lunkenheimer
Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem