Der Ev. Kirchenkreis Minden steht an der Seite der Menschen in der Ukraine. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs unterstützen der Kirchenkreis und seine Gemeinden besonders die Region Lwiw in der Westukraine. Aus diesem Engagement ist eine immer engere Zusammenarbeit geworden, die nun in eine feste Partnerschaft überführt werden soll. In der kommenden Woche empfängt der Kirchenkreis eine Delegation mit hochrangigen Vertretern der ukrainischen Kirche und Diakonie aus der Region Lwiw zur Gründung dieser Partnerschaft.

Der ersten Hilfstransport war nur Wochen nach der russischen Invasion aus dem Ev. Kirchenkreis Minden in Richtung Osten aufgebrochen. Wiederholte Transporte mit Hilfsgütern und Spenden haben geholfen, die Menschen in der Ukraine zu unterstützen. Mit ihnen und mit der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Lwiw wurden neue Beziehungen geknüpft, oft vorangetrieben vom Petershäger Pfarrer Daniel Brüll, der nicht fern von der ukrainischen Grenze aufgewachsen ist. In Morschyn, einer Kleinstadt mit langer Tradition als Kur- und Heilort in der Oblast Lwiw, unterstützt der Ev. Kirchenkreis Minden so eine Klinik für die Rehabilitation verwundeter und traumatisierter Männer und Frauen. Oberstleutnant Olga Ciupa, die medizinische Leiterin der Klinik, wird als Teil der Delegation aus Lwiw ihre neuen Partner in Minden besuchen. 

Zur Gründung der Partnerschaft reisen zudem der Vorstand der Lwiwer Diakonie „Eleos-Lviv“, Ivan Danyliv, und Vertreter der Militärgeistlichkeit, Sektorleiter Oberst Dmytro Tukalo und der an der Front dienende Militärseelsorger Vjatscheslav Olshansky, sowie der Lwiwer Priester Oleh Drevnyak an. Die Gäste aus der Ukraine werden am Dienstag in der Weserstadt ankommen. Auf sie wartet ein umfangreiches Begegnungs- und Besuchsprogramm mit mehreren öffentlichen Veranstaltungen.

Ein Highlight des Besuchs ist das öffentliche Podiumsgespräch zwischen den ukrainischen Gästen und ihren Gastgebern und Fachkollegen, ab 18 Uhr im Marienstift. Der Austausch wird ein Licht auf die unterschiedlichen und gemeinsamen Herausforderungen und Erfahrungen werfen. Begleitend zeigt eine Fotoausstellung im Marienstift die Realität des Lebens in der Ukraine, mit einer Fotoreportage sowie Eindrücken von den Besuchen Mindener Delegationen in der Oblast Lwiw.

Die neue Partnerschaft des Kirchenkreises wird am Donnerstag offiziell initiiert. Beim Besuch bei der Landeskirche in Bielefeld wird dafür erst die förmliche Partnerschaft mit der diakonischen Organisation „Eleos-Lviv“ begonnen. Die Kirchenkreispartnerschaft mit der Erzeparchie Lwiw selbst – ein Novum in der evangelischen Kirche – wird zu einem späteren Zeitpunkt besiegelt. Denn nach ukrainischem Kirchenrecht muss dies durch den Metropoliten Makarij Maletytsch persönlich geschehen, der der Lwiwer Kirche seit 1996 vorsteht. Der Tag endet um 18 Uhr mit einem öffentlichen Friedensgebet in Petershagen.

Der Freitag gilt der Entdeckung der Weserstadt und der Begegnung mit Mindens ukrainischer Community: Ab 15 Uhr besuchen die Gäste Fluchtpunkt und die Flüchtlingsberatung im Petri-Gemeindehaus an der Ritterstraße, wo sie mit ihren geflüchteten Landsleuten und den Menschen aus Minden und Umgebung ins Gespräch kommen können. Anschließend endet das öffentliche Delegationsprogramm mit einem ökumenischen Gottesdienst nach ukrainischem Ritus in der Mauritiuskirche am Pauline-von-Mallinckrodt-Platz – wieder ein Novum für Minden. „Ich freue mich, einen ukrainisch-sprachigen Gottesdienst für die Ukrainer und Ukrainerinnen und alle Menschen in Minden ermöglichen zu können“, erklärt Superintendent Michael Mertins, „denn der nächste ukrainische Priester wohnt in Hessen.“ Die neue Partnerschaft macht solche Gottesdienste und Begegnungen zwischen Minden und Lwiw jetzt möglich, trotz der räumlichen Distanz.