Am Sonntag, den 19. April, beginnt um 18 Uhr in der Petri-Kirche in Petershagen ein atmosphärischer Abend, der Gesang, Gitarrenspiel und Rezitation miteinander verbindet. Die Dresdnerin Ursula Kurze gastiert mit ihrem poetisch berührenden und historisch informativen Programm „Ich bin eingehüllt in Sehnsucht“ erstmals in Petershagen. Viele Menschen aus der Region kennen Ursula Kurze von Konzerten in der Herforder Synagoge, in deren Gottesdienstraum sie im vergangenen Jahr 100 Gäste mit Lyrik und Gesang begeisterte.
„Ich bin eingehüllt in Sehnsucht“ ist ein Zitat der Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942). Ursula Kurze spürt Selma Meerbaum-Eisinger seit Jahrzehnten nach. Sie traf Freundinnen der jüdischen Dichterin in Israel und vertonte einige ihrer Gedichte. Diese wird sie vortragen, andere rezitieren und aus dem Leben Selma Meerbaum-Eisingers erzählen.
Selma Meerbaum-Eisinger war 18 Jahre alt, als sie in einem Konzentrationslager an Typhus starb. 57 Gedichte hat sie hinterlassen. Zwei Freundinnen führten ihren handgeschriebenen Gedichtband „Blütenlese“ auf der Flucht vor den Nationalsozialisten bei sich und retteten ihn.
Selma Meerbaum-Eisinger wurde in Czernowitz in der Bukowina geboren, genau wie ihr Verwandter, der Lyriker Paul Celan (1920-1970). Er nannte die Bukowina „das Land, in dem Bücher und Menschen lebten“. Dort, im Osten Europas, war ein deutsch-jüdisches, kulturell sehr gebildetes Milieu entstanden, das weitestgehend vernichtet wurde. Ursula Kurze wird es dem Publikum am Abend nahebringen.
Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Ev. Kirchengemeinde Petershagen mit der AG Alte Synagoge Petershagen, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden, der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica und dem LWL-Museum Glashütte Gernheim. Weitere Informationen bei Frank Meier-Barthel (Email: frank.meier-barthel@ekvw.de oder Mobil: 0174 – 93 79 572).