Karin Birkholz und Ulrike Barg haben viel gemeinsam. Für beide beginnt am 1. September nach einer langen Zeit ein neuer Lebensabschnitt.

Birkholz war seit 1989 Fachberaterin für evangelische Kindertageseinrichtungen (KiTa’s) im Kirchenkreis Minden. Nun geht sie nach 32 Jahren in den Ruhestand. Barg hat seit 1989 als Erzieherin gearbeitet, davon 15 Jahre als Leiterin der KiTa in Holzhausen-Nordhemmern. Jetzt, nach insgesamt 32 Jahren, freut sie sich auf einen Neuanfang und tritt zum 1. September die Nachfolge von Birkholz an.

Bargs Aussage dazu, warum sie sich für diese Position beworben hat, könnte auch von Birkholz stammen. Sie habe die Arbeit mit den Kindern, Familien, Kolleginnen und Kollegen sehr geliebt, nun aber den Wunsch, gewissermaßen eine Ebene höher zu gehen. Auch Birkholz hatte vor 1989 zunächst als Erzieherin und Kindergarten-Leiterin gearbeitet, bevor sie sich für die übergeordnete beratende Tätigkeit interessierte.

Mit dem Wechsel zur Fachberatung stellt sich Barg einer sehr komplexen Aufgabe. Die Fachberaterin für evangelische KiTa’s arbeitet als Synodaler Dienst, also im Auftrag der Synode beziehungsweise des Kirchenkreises. Sie ist Ansprechpartnerin für insgesamt 33 KiTa’s in Minden, Petershagen, Hille und Porta Westfalica und steht nicht nur den Mitarbeitenden zur Seite, sondern auch Trägerinnen und Trägern von KiTa’s, Eltern und weiteren Personen, die sich für Fragen zum Thema Kindertageseinrichtungen interessieren.

Die Fachberatungsstelle informiert und berät zu gesetzlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen, analysiert bestehende Organisationsstrukturen und prüft Möglichkeiten für Verbesserungen, sie hilft bei Konflikten und unterstützt bei der Konzeption sowie Weiterentwicklung von Konzepten. Große und wichtige Arbeitsbereiche sind weiterhin die Organisation und das Angebot von Fortbildungen wie zum Beispiel der „religionspädagogischen Langzeitfortbildung“, die Moderation von Kommunikationsprozessen wie beispielsweise durch regelmäßige Leiterinnen- und Leiter-Treffen sowie die kontinuierliche Arbeit an der Qualitätssicherung im Sinne des Beta-Gütesiegels. Hinzu kommt die Vernetzung mit Kooperationspartnern wie dem Landesjugendamt, dem Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe, dem Evangelischen Fachverband in Westfalen und Lippe, dem Gesundheitsamt und diversen weiteren kirchlichen und politischen Gremien.

Auf die Frage, was in ihrer Amtszeit die größte Herausforderung war, antwortet Birkholz kurz, knapp und ohne lange überlegen zu müssen: „Im Prinzip das Kinderbildungsgesetz, aber letztlich war Corona schlimmer.“ Zentraler Punkt beim Kibiz (Kinderbildungsgesetz) sei neben der Pro-Kopf-Abrechnung die veränderte Gruppen-Definition: Von 20 Kindern pro Gruppe seien nun sechs unter drei Jahren und 14 von drei bis sechs Jahren vorgesehen. Diese Altersgruppen hätten sehr unterschiedliche Bedürfnisse, die mit dem geltenden Personalschlüssel nicht erfüllt werden könnten. „Deshalb hätte ich mir ein deutlich anderes zahlenmäßiges Verhältnis zwischen Kindern und Betreuerinnen beziehungsweise Betreuern gewünscht“, sagt sie. Was die Corona-Krise betreffe, so habe es allzu oft an Freitagnachmittagen neue Bestimmungen gegeben. „Dann wurde erwartet, dass diese Neuerungen bis Montag umgesetzt wurden – aber das war natürlich zu wenig Zeit.“

Barg kennt beides – die veränderte Gruppenstruktur und die Folgen der Pandemie für die KiTa-Arbeit – aus der Perspektive der KiTa-Leitung. „Vor dem Kibiz galt, dass Kinder erst in die KiTa gehen konnten, wenn sie trocken waren“, gibt sie zu bedenken. Plötzlich sechs Wickel-Kinder in der Gruppe zu haben, mache einen enormen Unterschied. Als größte Herausforderung ihrer eigenen Amtszeit sieht sie den Fachkräftemangel und die Digitalisierung. „Schon in der Corona-Zeit haben wir verstärkt digitale Mittel eingesetzt, um Kontakte aufrecht zu erhalten, und dabei schätzen gelernt“, sagt sie. Das müsse nun weiterentwickelt werden; ein gutes Beispiel sei eine KiTa-App, die es zum Beispiel ermögliche, auf dem Smartphone vorab Essenspläne einzusehen und Kinder an- oder abzumelden.

Den ganzen August über hatten Birkholz und Barg die Gelegenheit, die Arbeit der Fachberatung gemeinsam zu tun. Durch die vier Wochen des intensiven Austauschs und der detaillierten Übergabe fühlen sich beide gut vorbereitet und gestärkt für den „richtigen“ Neuanfang am 1. September.

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