Minden. Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine ist in Minden und Umgebung eine Fülle unterschiedlicher Hilfsangebote entstanden. Was jedoch bislang fehlt, ist eine zentrale Anlaufstelle für Hilfesuchende, an der sie einen Überblick bekommen können, welche Art der Hilfe wo zu finden ist. Eine solche zentrale Anlaufstelle richtet der Evangelische Kirchenkreis Minden nun im Martinihaus ein: den „Fluchtpunkt Martinihaus“.

Im Martinihaus war früher die Familienbildungsstätte der St.-Martini-Gemeinde untergebracht. Seit Juli 2020 befindet sich das Martinihaus in der Trägerschaft des Kirchenkreises, der das Gebäude zur zentralen Geschäftsstelle umbauen will. Durch die Corona-Krise hat sich der Baubeginn verzögert; deshalb ist der Kirchenkreis jetzt in der Lage, das Martinihaus kostenfrei für ein Jahr für einen anderen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Der Fluchtpunkt Martinihaus soll zunächst einmal „Infobörse“ und Beratungsstelle sein, also ein Ort, an dem Geflüchtete Antworten auf Fragen zum Wohnen, Lernen, Arbeiten, zu Kindertageseinrichtungen und Schulen, zum Recht und zur Gesundheitsversorgung bekommen. Außerdem soll eine Spenden-Vermittlungsstelle entstehen, über die es möglich ist, gezielt nach bestimmten Sachspenden zu suchen. „Aktuell ist es allerdings noch nicht möglich, Spenden entgegenzunehmen, weil zunächst gesichtet und sortiert werden muss, was ohnehin schon vorhanden ist“, erklärt Flüchtlingsberaterin Elke Bikowski.

Eine zentrale Rolle spielen im Martinihaus Deutschkurse. Schon jetzt haben sich rund 15 Ehrenamtliche bereit erklärt, Deutschkurse durchzuführen. Dabei handelt es sich um pensionierte Lehrer*innen und ausgebildete Sprachcoachs. Bei Bedarf kann parallel zu den Kursen eine Kinderbetreuung angeboten werden. Sobald wie möglich soll außerdem ein PC-Raum entstehen, in dem zwischen den Kurs-Terminen online gelernt werden kann.

Die Räume im Martinihaus stehen auch für Hilfsangebote anderer Institutionen zur Verfügung. So zieht die Stadt dort mit ihrem Projekt „Migranten helfen Migranten“  ein. Die Caritas und der Jugendmigrationsdienst bieten dort Zeiten für Flüchtlingsberatungen an.

Das Angebot im Martinihaus wird wesentlich getragen vom Engagement ehrenamtlicher Kräfte. Schon zur ersten Info-Veranstaltung zum Projekt Fluchtpunkt Martinihaus erschienen 30 Personen, die sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit interessieren. Noch einmal ebenso viele Menschen konnten zwar am Tag der Info-Veranstaltung nicht dabei sein, bekundeten aber auf andere Weise ihr Interesse und ihre Hilfsbereitschaft.

Hauptamtlich wird der Fluchtpunkt organisiert vom Team Integrationsdienst und Flüchtlingsberatung des Kirchenkreises Minden, Oliver Roth, Elke Bikowski, Anna Gasiewski und Suzan Azer. Alle vier arbeiten allerdings auf Teilzeitstellen und müssen parallel weiterhin ihre ohnehin vorhandene Arbeit tun und ihre eigentliche Beratungsstelle in der Kuhlenstraße 82 betreuen. Um Stundenaufstockungen möglich zu machen, hat der Kirchenkreis an verschiedenen Stellen Förderanträge gestellt. „Die Sachkosten, die durch unsere Angebote im Martinihaus entstehen – etwa für Material für die  Deutschkurse und für die Kinderbetreuung – können wir erfreulicherweise aus Spendengeldern finanzieren“, erklärt Superintendent Michael Mertins. Schon für die erste Ukraine-Hilfsaktion des Kirchenkreises habe es zahlreiche Sach- und Geldspenden gegeben. Damals wurden Hilfsgüter nach Krakau gebracht, die dorthin evakuierten Waisenkindern aus Odessa und Cherson zu Gute kamen.

„Die Hilfsbereitschaft in Minden und Umgebung ist geradezu überwältigend und wir sind von Herzen dankbar dafür, dass dank weiterer Spenden nun nach dem Hilfstransport auch das Projekt im Martinihaus möglich ist“, sagt Mertins.

Fluchtpunkt Martinihaus, Martinikirchhof 7, 32423 Minden, Telefon: (05 71) 8 88 04 94 13, montags bis freitags vormittags 10 bis 13 Uhr, montags, dienstags und donnerstags auch nachmittags 14 bis 17.30 Uhr

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