Liebe Leserinnen und Leser,
der morgige Sonntag heißt Palmsonntag. Er trägt seinen Namen nach der biblischen Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Menschen stehen am Stadttor und auf den Straßen und jubeln. Sie legten Palmzweige und bunte Kleider auf den Weg. Jetzt kommt er, der Gottessohn, der Messias. Jetzt beginnt eine neue Zeit! Frieden und Freiheit statt römischer Besatzung, Gerechtigkeit, das Ende der Not. Er kommt im Namen Gottes. Das waren hohe Erwartungen an Jesus. An ihm schieden sich die Meinungen: Du bist der Sohn Gottes. Du bist ein Scharlatan, ein Unruhestifter. Er hat mich geheilt. Seine Worte berühren mich. Er erzählt von Gott, wie keiner vor ihm. Er befreit unser Volk. Seine Familie hielt ihn für verrückt. Andere sagten sogar, er sei mit dem Teufel im Bunde. Wer bist du also? Vor allem – wer bist du für mich?
In unserer Zeit kommt eine Gleichgültigkeit hinzu. Jesus, christlicher Glaube? Was soll ich damit, interessiert mich nicht, ist mir egal. Die christlichen Kirchen verlieren an Bedeutung und Akzeptanz. Kaum mehr als die Hälfte der Menschen in unserem Land gehören einer christlichen Gemeinschaft an. Ist damit die Botschaft erledigt?
Dass sich Güte und Barmherzigkeit lohnen. Dass das Leben mehr ist als das, was wir in unsren Taschen nach Hause tragen? Dass Gott eine neue Qualität von Leben verspricht? Dass am Ende nicht die Skrupellosen, Brutalen und Totschläger triumphieren, sondern Gott selbst. Dafür bürgt Jesus mit seinem Namen. Dafür bürgt seine Auferstehung von den Toten. Und das gibt dem Glauben auch etwas Trotziges. Diesem Glauben gegen den Augenschein, gegen eine Welt, die uns weiß machen will: Gott und der Glaube haben sich erledigt. Da bin ich doch gerne trotzig.

Dieter Maletz
Pfarrer aus Oberlübbe - Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde An der Bergkante