Menschen denken. Das ist wunderbar. Schafft es doch die Möglichkeit, vernünftig zu handeln. Zumindest nach den Maßstäben, Werten und Einstellungen, die dem jeweils vernunftbegabten Menschen gegeben sind.

Die Wissenschaft – und dahinter steckt ja letztlich das vernünftige Denken – hat unsere Welt, so wie sie jetzt ist, geprägt. Zusammenhänge werden begriffen, Neues wird durchdacht und ausprobiert. Altes wird erneuert. Ich liebe es, zu denken, gute Gedanken zu haben und mein Leben denkerisch zu durchdringen.

Menschen denken und das ist beizeiten überhaupt nicht wunderbar. Weil das Denken destruktiv und selbstzerstörerisch sein kann. Schlechte Gedanken führen zu negativen Einstellungen zu sich selbst und zu der Welt. Menschen denken und denken und kommen nicht in den Schlaf, weil sie denken und die Gedanken sie im wahrsten Sinne des Wortes fertig machen.

Auch von Gott wird gesagt, dass er denkt. So heißt es bei Jeremia:

„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides.“ (Jer 29,11)

Gedankenlosigkeit wird normalerweise im Sinne von Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit, Unachtsamkeit oder Ungenauigkeit gebraucht. Ich meine aber, dass Gedankenlosigkeit in einem anderen Sinn eine Tugend sein kann: Gedankenlosigkeit bedeutet Entspannung, heraus aus dem ewigen Denken hinein in das Vertrauen in einen größeren Zusammenhang.

So heißt es bei Jesaja: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; sondern so viel der Himmel höher ist denn die Erde, so sind auch meine Wege höher denn eure Wege und meine Gedanken denn eure Gedanken.“ (Jes 55,8.9)

Ich nehme diese Sätze in der Bibel über das Denken Gottes als Ermutigung: Denken ist etwas Wunderbares, Nicht-Denken aber auch, führt es doch zu Gelassenheit, auch zum Loslassen. Gedankenlosigkeit ist auch etwas Wunderbares. Es ist letztlich der jüdisch-christliche Gedanke des Sabbats: nichts tun, nicht das Alltägliche denken, Höheres denken, gedankenlos sein, einen Tag in der Woche.

Eckhard Hagemeier

Eckhard Hagemeier

Pfarrer, Gymnasium Porta Westfalica

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen