Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Suche Frieden und jage ihm nach!
Was haben wir Hektik, Streit und Hass entgegenzusetzen? Was kann ich tun, damit das Gute wieder in Mode kommt? Und woher kommt die Kraft, dies alles in die Tat umzusetzen? Eines meiner Vorbilder ist Martin Luther King. Am vierten April 1968 ist er in Memphis, Tennessee / USA ermordet worden. Er hat bereits als Student und später als Gemeindepastor sehr darum gerungen, wie er sich als Christ gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Hass zur Wehr setzen kann.
Dass Frieden und Gerechtigkeit niemandem einfach so zufallen wurde ihm schnell klar. Aber wie könnte sich Gewalt und Hass zum Guten wenden lassen? Aus dem Busboykott von Montgommery 1956 – ausgelöst durch Rosa Parks, die sich als schwarze Frau der rassistischen Praxis wiedersetzte, Ihren Platz im Bus für einen weißen Fahrgast zu verlassen – entwickelte sich eine Bürgerrechtsbewegung, die sich den Prinzipien des gewaltlosen Widerstandes verschrieben hatte. Dies sind die Prinzipien, über die Martin Luther King oft gepredigt hat:
- Gewaltloser Widerstand ist keine Methode für Feiglinge. Körperlich bin ich passiv, aber geistig aktiv und lasse mich nicht provozieren.
- Ich will meinen Gegner nicht vernichten oder demütigen. Ich möchte bei ihm Scham über seine Taten wecken.
- Es geht gegen die Mächte des Bösen, nicht gegen die Personen, die vor mir stehen.
- Ich erdulde Demütigungen ohne zurückzuhassen.
- Weder innerlich noch äußerlich will ich mich zur Gewalt hinreißen lassen.
Diese fünf Prinzipien liess Martin Luther King von jedem Demonstranten unterschreiben. Damit der Zettel nicht verloren ging, sollte jeder diesen Zettel in seiner Bibel aufbewahren.
Wie können wir das heute im Alltag leben? Wie kann ich diese Liebe aufbringen? Martin Luther King hat seiner Gemeinde und den Demonstranten empfohlen, jeden Tag einen Abschnitt aus der Bibel zu lesen, zu beten und Gott zu fragen: Wie kann ich mich heute richtig verhalten? Wie kann ich heute den Hass in Liebe verwandeln? Was kann ich heute tun, um neu und anders zu leben?
Mich inspiriert die Jahreslosung — ein ausgeloster Bibelvers für dieses Jahr – aus Psalm 34,15: „Suche Frieden und jage ihm nach!“
Es ist nicht immer einfach, zum Frieden beizutragen. Manchmal ist es harte Arbeit. Ich will mich immer wieder dafür entscheiden. Die zeitlosen Ratschläge von Martin Luther King helfen mir, zur Mitte zu finden, bewußt Gottes Stimme zu hören, mich von seinem Wort der Bibel leiten zu lassen und das Gute erneut in Mode zu bringen.

Olaf Mohring
Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind….
Da saßen wir gemeinsam an einem Tisch im Schulgarten unserer Grundschule. Fünf Menschen jesidischen, muslimischen und christlichen Glaubens. Wir tranken gemeinsam Kaffee, aßen Kuchen und erzählten uns von unserem Glauben. Einer unter uns, ein gebürtiger Kurde muslimischen Glaubens, wusste sehr viel über das Jesidentum, diese bis heute so verfolgte Religionsgemeinschaft. Geboren noch im Irak hatte es ihn sehr interessiert, was seine Nachbarn glauben. Und er erzählte, dass es Kurden/innen christlichen, muslimischen, jesidischen und jüdischen Glaubens gibt. Neugierig fragten wir nach, diskutierten, hörten zu. Wie waren wir in den Schulgarten gekommen? Es war vergangenen Donnerstag, am Tag der Einschulung für die Erstklässler. Nach dem Einschulungsgottesdienst im Martin-Luther-Haus, der Einschulungsfeier in der Mosaikschule, saßen wir `Großen´ nun bei Kaffee und Kuchen zusammen, während die `Kleinen´ ihre erste Schulstunde hatten. Und da auf der Bank im Schulgarten waren wir uns einig: So wie wir in der Kirche gemeinsam unser Vertrauen in den einen Gott, Schöpfer aller Menschen, bekannt haben, so wollen wir unsere Kinder großziehen – in Frieden und Respekt vor einander. Ich habe mich an ein Wort Jesu erinnert gefühlt: „Wo zwei oder drei in meinem (nämlich in Gottes) Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Ich denke, Jesus, Gott, war mitten unter uns. Klar, auch wir in Bärenkämpen haben Menschen, die den Worten der AfD von einem `christlichen Abendland´ und der Angst vor `Überfremdung´ folgen. Bei den letzten Wahlen haben bei uns in Bärenkämpen über 15% der wahlberechtigten Menschen die AfD gewählt. Haben sie dabei manche menschenverachtenden Worte überhört? An diese Bank im Schulgarten habe ich mich noch einige Tage erinnert: Wir haben geredet, zugehört und nachgefragt. Wir haben durchaus auch schwierige Themen angesprochen: `Ehrenmorde´, Respekt vor den Regeln im aufnehmenden Land, Respekt vor der Polizei… Ich denke, das ging, weil wir uns erst so sehr zugehört haben – neugierig und interessiert am Anderen. Ich wünsche mir mehr solcher Bänke des Zuhörens und am liebsten bei Kaffee und Kuchen.

Sabine Bade
Pfarrerin, Ev. St. Marien-Kirchengemeinde, Bezirk MLH in Minden
Es gibt noch viel zu lernen

Dr. Jörg Bade
Pfarrer, unterrichtet als Religionspädagoge am Leo-Sympher-Berufskolleg