Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
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Wie zeigt man Liebe?
STOPP! Nicht weiterlesen.
Zunächst 30 Sekunden selbst denken! (Gucken Sie lieber auf die Uhr!)
Also: Wie zeigt man Liebe? (Die Zeit läuft…)
… (30 Sekunden) …
Gar nicht so leicht, oder?
Ist Ihnen (als Mann) auch der Klassiker eingefallen?
Manchmal bringe ich meiner Frau ein paar Blumen mit. Einfach so. Nicht um „was gut zu machen“ oder um etwas zu erreichen. Einfach so.
Oder: Meine Frau nimmt mich in den Arm. Einfach so. Ohne besonderen Anlass. Oder doch: Weil sie mir sagen will: „Ich habe dich lieb.“
So ist Gott auch: Zuvorkommend. Er kommt mir zuvor.
Seine Liebe ist schon da, wenn wir ihn noch nicht sehen.
Lassen Sie sich von seiner Liebe erreichen? Man kann sich das schlecht selbst sagen. Aber morgen ist es in vielen Gottesdiensten auch in ihrer Nähe zu erfahren:
Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Brief des Apostels Paulus an die Römer Kapitel 5, Vers 8)
Seine Liebe drückt sich nicht einfach in Worten aus, sondern ist eine Geschichte geworden, die Geschichte des Jesus von Nazareth. Der schon für Sie und mich da ist, bevor wir uns ihm zuwenden.
So ist er eben, der Vater von Jesus Christus: Zuvorkommend. Unsere Ablehnung überwindend.
Daran gilt es sich zu erinnern. Heute, morgen, immer wieder neu.
Schönen Sonntag!

Hans-Hermann Hölscher
Pfarrerin, Kirchengemeinde Lahde
Wann beginnt der Vorkrieg?
In ihrer Erzählung „Kassandra” lässt die Schriftstellerin Christa Wolf die trojanische Seherin Kassandra fragen: „Wann der Krieg beginnt, wissen wir, aber wann beginnt der Vorkrieg?“Die Erzählung von Christa Wolf ist eine moderne Verarbeitung des Trojanischen Krieges von Homer, allerdings mit dem Unterschied, dass Krieg und Gewalt hier nicht heldenhaft verherrlicht werden, sondern Gewalt und ihre Vorstufen unter kritisch analytischen Blick kommen.„Wann der Krieg beginnt, wissen wir, aber wann beginnt der Vorkrieg?“Im Abschnitt des Matthäusevangeliums, der vor zwei Wochen in den katholischen Kirchen gelesen wurde, setzt sich Jesus mit den Erdbeben, aber vor allem mit den Vorbeben der Gewalt auseinander: „Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten. Ich aber sage Euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein..“. (Mt 5,21).Natürlich ist das orientalisch zugespitzt. Jeder von uns hat seinem Nächsten schon mal gezürnt und wird deswegen nicht gleich in der Hölle landen. Aber wenn dieser Satz auch nicht wortwörtlich zu verstehen ist, dann will er sagen: Die Gewalt beginnt im Kopf, im Zorn und im Hassen. Das zweite Vorbeben der Gewalt ist dann das Hetzen.Um die Frage der Seherin Kassandra zu beantworten:“ Wann beginnt der Vorkrieg?“, kann man biblisch aber genauso psychologisch und soziologisch sagen: Wenn Hass, Angst oder auch Frustration sich in Hetze umsetzen, dann braucht es nur noch eines labilen Menschen und einer Waffe bis Menschen tot auf der Straße liegen.
Die Botschaft Jesu ist nicht nur eine Botschaft an die Frustrierten und die Zornigen, sondern an alle Menschen: Gewalt beginnt im Kopf.

Wolfgang Ricke
Pfarrer am Johannes Wesling Klinikum
….überwinde das Böse mit Gutem!
Martin Luther King war herausgefordert durch die alltägliche Ungerechtigkeit der Rassentrennung vor seiner Tür. Er fragte sich: Wie kann ich dem Bösen widerstehen, ohne selbst Böses zu tun oder in eine Spirale der Rache und Gewalt zu fallen? Er entdeckt den gewaltlosen Widerstand als Methode, um der Ungerechtigkeit zu begegnen. In einer Gerichtsverhandlung 1958 sagt er nach dem Urteil gegen ihn, dass „die Zeit gekommen ist, da vielleicht nur bereitwillig ertragenes Leiden und gewaltloser Protest Unschuldiger diese Nation aufrütteln können“. Für diese Haltung erntet er jede Menge Spott und den Hinweis, er sei unfassbar naiv.
Im Musical „Martin Luther King – Ein Traum verändert die Welt“ singt heute Abend der große Chor:
Im Leiden und Schweigen Versöhnung bezeugen
wirkt schwach und naiv.
Doch so machte es Gott:
Bespuckt und geschlagen hat Christus ertragen die Schuld aller Menschen
und erntete Spott.
Er, der sich nicht wehrte,
besiegte die Härte der Herzen, die hassen.
Durchbrach selbst den Tod.
Martin Luther King hat seine Stimme für die Schwachen erhoben, so wie der Prophet Amos im Alten Testament. Mit anderen biblischen Personen teilt Martin Luther King die Überzeugung, dass die Liebe sich durchsetzt und stärker ist als aller Hass und jede Gewalt.
Jesus Christus hat es selbst so vorgelebt: Obwohl er unschuldig war, hat er gelitten, obwohl er ohne Sünde war, hat er alle Schuld getragen.
Der Apostel Paulus fasst es in seinem Brief an die Römer Kapitel 12 Vers 21 so zusammen: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Paulus hat in seinem Leben erlebt, wie die Kraft der Liebe sein ganzes Leben verändern hat. Gottes Liebe hat die Kraft, das Böse mit dem Guten zu überwinden – immer und immer wieder
Ich wünsche ihnen und mir diese Erfahrung und diese Hoffnung

Olaf Mohring
Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden