Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Der Bibelsonntag

Der Bibelsonntag

 

Weltknuddeltag, Welttag der Jogginghose, Tag der Komplimente – fast jeder Tag ist ein besonderer Tag, manchmal zum Schmunzeln, manchmal zum Nachdenken, manchmal weltweit bedacht. Der Bibelsonntag ist ein solcher Tag, der Christen in aller Welt wichtig ist. Dabei sollte eigentlich jeder Tag ein Bibeltag sein, Sonntage  mit ihren Gottesdiensten sowieso. In meinem Regal finden sich eine ganze Reihe von Bibeln. Manche sind eingestaubt, denn sie sind schwer verständlich, die Schrift alt und mühsam zu lesen. Zum Glück gibt es auch neuere Bibelübersetzungen, die in heutigem Deutsch geschrieben sind. In der einen finden sich Erklärungen zum Text, in einer anderen sind schöne Bilder zu einzelnen Geschichten. Beim Blättern fallen mir einzelne Bibelverse ins Auge. Manche habe ich unterstrichen, bei einigen steht eine Notiz am Rand. Diese Bibel begleitet mich schon lange. Immer wieder sind mir neue Bibelverse wichtig geworden. An diesem Wochenende ist es das Wort des Bibelsonntags, es geht um Christus, „der mir die Kraft gibt, die ich brauche.“. Das Besondere  der Bibel ist für mich, dass die Menschen ihren Alltag mit allen Höhen und Tiefen erleben. Sie feiern und freuen sich, sie sind enttäuscht und mutlos, sie gründen Familien, führen Kriege, sie erleben Tod und Elend und sind im Auftrag des Herrn unterwegs. Sie klagen Gott ihr Leid, sie jammern und stöhnen. Sie tanzen vor Freude und bedanken sich überschwänglich bei Gott. Sie erfahren in ihrem Leben, dass Gott ihnen die Kraft gibt, die sie brauchen, wenn sie sich an Gott wenden. Manchmal vergesse ich das in meinem Alltag. Mir sind viele Bibeltexte vertraut, ich gucke nicht mehr so genau hin. Der Bibelsonntag ist mir deshalb wichtig, die Bibel ist mir wichtig. Sie zeigt, wie Gott sich den Menschen bekannt gemacht hat, sie zeigt die große Liebe Gottes zu uns. Mein Horizont weitet sich, ich sehe wieder die unterschiedlichen Seiten Gottes. Das gibt mir Kraft für meinen Alltag, weil ich weiß, Gott ist auch heute da.

 

Kündet allen in der Not, fasset Mut und habt Vertrauen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Mitchristen!
Mit diesen Worten aus einem Kirchenlied, die aber dem biblischen Buch Jesaja entstammen (vgl. Jes 35, 1-10), überschreibt Erzbischof Hans-Josef Becker seinen Brief, der in diesen Tagen jeden Haushalt im Erzbistum Paderborn zugesandt wurde, in dem ein katholischer Christ oder eine katholische Christin lebt. Erzbischof Becker nimmt die Veröffentlichung der „MHG-Studie: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker“ zum Anlass, zu Beginn des neuen Jahres sich in diesem sehr persönlichen Brief, – einem nicht alltäglichen Vorgang-, direkt an die Gläubigen im Erzbistum zu wenden. Nicht nur unseren Erzbischof und die Christen in unserem Land, viele Menschen haben die Ergebnisse der Studie erschreckt und zu tiefst erschüttert, vor allem in Ihrem Vertrauen zu der Institution Kirche und ihrer Vertreter. Der Erzbischof schreibt dazu: „Durch Vertuschung und Verdrängung hat die Kirche […] jahrzehntelang schwere Schuld auf sich geladen. Als Kirche sind wir unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen oft nicht gerecht geworden.“ In dieser tiefen Krise gilt es nun Vergangenes intensiv und nachhaltig aufzuarbeiten und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Das Erzbistum Paderborn hat seit 2010 dazu einige entscheidende Schritte eingeleitet. Dazu zählen eine umfassende Präventionsarbeit in Form verpflichtender Schulungen aller Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt und eine Aufarbeitung aller bekannten Fälle, in denen sich Kleriker des Erzbistums Paderborn im Umgang mit Minderjährigen schuldig gemacht haben. Zudem gibt Erzbischof Becker an, dass den staatlichen Ermittlungsbehörden Zugang zu allen angefragten Unterlagen verschafft wurde.
Die Entwicklung der vergangenen Monate im Zusammenhang mit der „Missbrauchsstudie“ hat vielen Menschen in unserem Land, auch mir als
katholischen Geistlichen noch einmal vor Augen geführt, dass die Kirche, keine unangreifbare und unfehlbare Institution ist, sondern als die Gemeinschaft der Glaubenden, eine Gemeinschaft von Menschen mit all ihren Schwächen und ihrem Versagen ist. In der katholischen Kirche gibt es viele Heilige: Menschen, die sich stetig und selbstlos für Arme, Schwache und Hilfsbedürftige einsetzen und die aus den tiefen Quellen des Glaubens leben und Zeugnis davon geben. Ebenso gibt es in ihr aber auch Menschen, die sich schuldig gemacht und anderen unglaubliches Leid zugefügt haben.
An diesem Sonntag begehen die Christen in unserer Stadt Minden das Fest „Taufe des Herrn“, das an die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer erinnert. Mit Jesus ließen sich viele Menschen von Johannes taufen: Sünder wie Gerechte, Heilige wie auch Schufte, Gute und weniger Gute. Jesus steht mitten unter ihnen, als einer von ihnen und doch als der ganz andere: als jener, der selbst ohne Schuld ist, aber als menschgewordener Sohn Gottes, – wahrer Mensch und wahrer Gott-, die Schuld der Welt auf sich nehmen wird. Versuchen wir in diesen verwirrenden Zeiten erneut in IHM Mut zu fassen und Vertrauen zu finden, dass es sich lohnt, diesem Jesus Christus in unserem Leben im Glauben nachzufolgen.
In besten Wünschen für das neue Jahr 2019 grüßt Sie,

David F. Sonntag

David F. Sonntag

Pastor am Dom Minden

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade

 

Weihnachten das Fest der vielen Wünsche und Geschenke liegt nun 4 Wochen zurück.Viele Wünsche haben sich erfüllt, einige sind unerfüllt geblieben.So ist das im Leben.Wir alle sind erfüllt von Wünschen, Träumen und Sehnsüchten und wir brauchen sie auch, um einen Horizont für unser Leben zu behalten.So etwas wie den Wunsch nach einem Lottogewinn, einem neuen Auto oder einem größeren Haus klammere ich hier aus.Mir geht es um Wünsche nach Gesundheit, einem Partner oder Kindern, Frieden in der Familie, mit Freunden, in der Welt.Aber auch hier erleben wir, dass sich unsere Weihnachtswünsche nicht alle erfüllen.Es tut gut sich daran zu erinnern, was das größte Geschenk an Weihnachten ist: Gott kommt in Jesus Christus in unsere Welt.„Aber wozu?“, das fragen sich viele Menschen.
Wozu kommt Gott in unsere Welt?Der Wochenspruch zum 2. Sonntag nach Epiphanias gibt da ein bisschen verschlüsselt Auskunft: Von seiner (Gottes) Fülle (in Jesus Christus) haben wir alle genommen Gnade um Gnade.Das Johannesevangelium spielt hier bereits auf die Brücke zwischen Weihnachten und dem Ostergeschehen an, denn das Kommen Jesu in diese Welt und sein Fortgehen aus dieser Welt gehören untrennbar zusammen.
In beidem ist Jesus Christus der Überbringer des Heils, an dem wir teilhaben.Gott will unser Bestes und das sieht oft anders aus als unsere eigenen Wünsche.Er will, dass sich seine Gnade in unserem Leben auswirkt.Er will, dass unser Leben gelingt und gibt uns deshalb das, was wir wirklich brauchen für unser Leben:Erlösung in Jesus Christus,Begleitung durch Jesus Christus und das ewige Leben.

Dazu kann ich selbst nichts tun, das ist Geschenk –
ich kann mich nur darauf einlassen, dass Gott bedingungslos zu mir steht, mir meine Schuld vergibt und mich beruft zum Ewigen Leben –
und das alles nur aus Gnade!

Thomas Pfuhl

Thomas Pfuhl

Pfarrer, St. Martinikirchengemeinde Minden, Bezirk Erlöser