Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Gemischte Realität

Für diejenigen, die mit der Realität ihrer Umgebung noch nicht ausgelastet sind, gibt es seit einigen Jahren „augmended reality“. So bezeichnet man eine computerunterstützte Wahrnehmung bzw. Darstellung, die die reale Welt um virtuelle Aspekte erweitert. Durch die Integration von Kameras in immer mehr mobile Geräte wie z.B. Handys oder Pkws können zusätzliche Informationen oder Objekte direkt in ein aktuell erfasstes Abbild der realen Welt eingearbeitet werden. So kann man im Bild der Rückwärtskamera gezeichnete Umrisse des eigenen Autos erkennen, um rechtzeitig festzustellen, ob die Parklücke groß genug ist. Ihren Durchbruch feierte augmended reality mit dem Handyspiel Pokémon go. Vor dem Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden gibt es zufällig einen Pokéstop, also einen Ort, an dem die Spieler mit der Handykamera etwas finden können, das ihr Spiel voranbringt. Da sind dann Sätze zu hören wie „ich muss mit diesem Ball unbedingt treffen“ oder „schnell noch die Sananabeere füttern“. Auch Christen sind seit mehr als zweitausend Jahren bekannt dafür, dass sie mehr für wahr halten, als unser menschliches Auge wahrnehmen kann. Der Apostel Paulus beschreibt es im Brief an die Hebräer im elften Kapitel so: „Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge“. Wenn ich an Jesus Christus glaube, dann vertraue ich darauf, dass Gott sich mir zu erkennen gibt. Durch das Lesen der Bibel, durch Gebet, oder durch den einfachen Wunsch: „Bitte zeig dich mir“ steige ich in diese Realität ein, die mich umgibt. Deshalb bin ich überzeugt, dass Gott überall um uns herum wirkt und sich zeigt. Wenn sie Menschen suchen, die diese erweiterte Realität kennen, dann besuchen sie doch morgen einen der Gottesdienste.

Olaf Mohring

Olaf Mohring

Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Minden

Vorhut der neuen Welt

Ein Pedant. Jemand, der alles ganz genau nimmt. Der sich pedantisch an Regeln hält und auch anderen gegenüber auf Einhaltung pocht. Da bleibt die Freude oft auf der Strecke. Nein, so will keiner sein!

Aber dann stoße ich mich doch an der Bergpredigt: „Kein einziger Buchstabe und kein Satzzeichen“ darf in den Geboten der Bibel gestrichen werden, „das ganze Gesetz muss erfüllt werden“ sagt Jesus im Matthäusevangelium (Kapitel 5, Vers 18). Und er erklärt, was das z.B. für die Zehn Gebote bedeutet: nicht töten, nicht ehebrechen, nicht lügen. Ist Jesus ein Pedant?

Nein, sondern Jesus hat Großes im Sinn mit seinen Leuten: Sie sollen Vorhut und Beispiel seiner neuen Welt sein!

Bei uns gibt es traurige Menschen, die über den Tod eines geliebten Menschen auch nach Jahren nicht hinweggekommen. Ihr Tod tötet auch sie, innerlich. Sie sollen getröstet werden, ihre Wunden sollen sich in Lebensweisheit verwandeln. Es gibt Menschen, die stehen plötzlich alleine da mit ihren Kindern, nach jahrelangem, kräftezehrenden Streit, mit Schuldgefühlen, alleingelassen. Sie sollen Freunde finden! Sie sollen spüren, dass sie wertvoll sind! Es gibt Menschen, denen Unrecht geschieht und die hinters Licht geführt  werden und nicht einmal ihre Versicherung kümmert sich darum. Sie sollen Recht bekommen!

Das Gesetz Gottes, die Bibel, hat diese neue Welt zum Ziel – Davon darf man nichts wegstreichen! Im Gegenteil, den eigentlichen Sinn muss man immer wieder freilegen! Es sind die Regeln einer neuen Welt – damit die Freude eben nicht auf der Strecke bleibt! Dafür ist Jesus in der Bergpredigt angetreten.

Matthias Rohlfing

Matthias Rohlfing

Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Lahde-Bierde

Etwas aus der Konfizeit….

Unruhiger und gleichzeitig konzentrierter als sonst sind sie im den Raum gestürmt – Konfiprüfung. Sie haben sich mehr, manche auch weniger vorbereitet. Klappt das Glaubensbekenntnis? Und wie geht es mit den Geboten? Die Konfizeit geht zu Ende und da muss eben auch diese Hürde noch genommen werden. Zwei Presbyter sind gekommen und schauen mit wohlwollendem Blick auf die Jugendlichen und was sie an Wissen zu bieten haben. Eigentlich gibt es das gar nicht mehr, so eine Konfirmandenprüfung. Und jeder Konfirmand und jede Konfirmandin weiß auch aufzuzählen, welche anderen Kirchengemeinden wirklich darauf verzichten. Natürlich war das früher viel schlimmer, als noch eine vollbesetzte Kirche beim Abfragen der damals vielen Lieder, Psalmen und Katechismustexten zuhörte.  Das haben die allermeisten Gemeinden schon lange überwunden. Doch hier in dieser Gemeinde wird noch geprüft – wenn auch im gezähmten Rahmen nur vor zwei wohlwollenden Presbytern und mit sehr viel weniger Auswendiggelerntem. Nach einer knappen Stunde ist alles durch und alle einschließlich des Pastors sind erleichtert. Alle haben es geschafft und sollen konfirmiert werden. Sie können jetzt wieder draußen über die Pfützen springen.

Da fragt man sich: Woran werden sie sich später, lange nach der Konfirmation erinnern? An die dann doch nicht so schwere Prüfung? An die auswendig gelernten Texte? An die Inhalte?  An das Erlebnis Konfiunterricht?  Mir wäre das letzte am liebsten.  An was erinnern wir Erwachsene uns? Gut, wenn etwas Tragendes aus der Konfizeit bleibt, das auch später noch Halt gibt.

Henrik Rethemeier

Henrik Rethemeier

Pfarrer, Ev. Kirchengemeinde Petershagen