Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Volkstrauertag 19.11.2017

Ein Bild im ovalen Rahmen über dem Sofa meiner Oma interessierte mich als Kind besonders. Vier Kinder meiner Oma waren dort abgebildet, in festlicher Kleidung und ein wenig steif posieren sie für den Fotografen. Die Kleinste ist meine Mutter. Die beiden Jugendlichen sind ihre älteren Schwestern, der junge Mann, mein Onkel. Ihn habe ich nicht kennengelernt. Auf dem Foto sieht er lustig aus, ganz anders als sein Name Ernst es vermuten lässt. Meine Mutter hat mir erzählt, wie viel Quatsch sie immer mit ihrem großen Bruder gemacht hat. Da hing noch ein Foto, wenig später aufgenommen: Ernst in der Uniform der deutschen Wehrmacht. Weitere Fotos gibt es nicht. Vergleichbare letzte Fotos besitzen viele Familien. Sie halten die Erinnerungen wach an einen jungen Mann, der ein geliebtes Familienmitglied war. Die jungen Männer hatten ihre individuellen Geschichten und Pläne. Vergleichbar ist ihr böser, vorzeitiger Tod: sie sind als Soldaten „gefallen“. An diesem Sonntag ist Volkstrauertag. Ein öffentliches Gedenken der Toten zweier Weltkriege findet statt. Aus biblischer Sicht ist die Erinnerung wichtig, um der Opfer und ihrer Familien, aber auch um unserer Zukunft willen. Im Psalm 90 ruft ein Betender vor 4000 Jahren zu Gott: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. Für diesen Menschen zeigt sich Gottes Zuwendung in erfülltem Leben, das Menschen veranlasst, lebenslang Gott zu loben und fröhlich zu sein. Das ist Gottes Plan! Erinnerungskultur sollte die Zukunft mit einschließen. Am heutigen Sonntag bewegen mich viele Fragen um die Friedensfähigkeit unserer Gesellschaft, die Sicherheit und die Verteidigung unseres demokratischen Staates. War es zielführend die Bundeswehr in eine Berufsarmee umzuwandeln? Trägt die Mehrheit der Gesellschaft mit, dass junge Frauen und junge Männer als Soldaten der Bundeswehr in Mali und Afghanistan Gefechte führen? Ausgehend von Erinnerung wünschte ich mir eine breite Friedensdebatte!

 

Imke Reinhadt-Winteler

Imke Reinhadt-Winteler

Pfarrerin

Laternensegen

An Sankt Martin war ich das erste Mal in einer katholischen Kirche. Und das kam so: Ich bin in Düsseldorf groß geworden und meine Grundschule lag neben der katholischen Pauluskirche. Düsseldorf ist mehrheitlich katholisch und so gab es an St.Martin nicht nur zu Hause eine Martinstüte mit Süßigkeiten, sondern auch in jedem Stadtteil einen eigenen Martinszug. Mit einem Sankt Martin mit echtem Pferd  – von der berittenen Polizei. In der Schule haben wir schon rechtzeitig mit dem Martinslaternenbasteln angefangen und dann kam der Nachmittag des Martinsumzugs. Startpunkt war die Pauluskirche und meine katholische Freundin sagte mit Bestimmtheit „ Jetzt müssen wir erst in die Kirche zum Laternensegen.“ Das kannte ich nicht und so fragte ich: „Warum?“

„Na, willst du etwa, dass deine Laterne abbrennt?“ war die Antwort. Damals gab es  noch echte Kerzen in den Laternen und meinem Bruder war dadurch schon seine Laterne abgebrannt.

„Natürlich nicht!“ sagte ich erschrocken. „Eben“ erklärte meine Freundin „darum müssen wir uns erst den Segen holen, damit nichts passiert. Komm mit, ich zeige es dir.“ So ging ich mit ihr in die Kirche und mit uns drängten sich dort viele Kinder mit ihren Laternen. Der Priester erinnerte uns an Sankt Martin, wir haben gebetet und dann forderte er uns alle auf unsere Laternen hoch zu halten. Dann endlich bekamen wir den Segen für unsere Laternen – damit nichts passiert. Ich bin damals heil mit meiner Laterne nach Hause gekommen. Und ich war nachdenklich geworden. Ich hatte verstanden: Es ist nicht selbstverständlich, wenn alles gut geht. Und: ich habe es nicht in der Hand, ob alles gut geht oder nicht.

Es braucht Gottes Segen, damit nichts Schlimmes passiert.

Später lernte ich dann, dass eine abgebrannte Laterne ein verhältnismäßig kleines Übel ist. Und wenn doch etwas Schlimmes passiert – wo ist dann der Segen?

Ich habe erlebt, dass sich der Segen dann darin gezeigt hat, dass mir Freunde aber auch ganz fremde Menschen, zur Seite gestanden haben, mir ein gutes Wort gesagt haben und mir durch die schwere Zeit geholfen haben. Und so wünschen wir uns gegenseitig: Bleib gesund! Komm gut nach Hause! Das ist ein kleiner Segen für den Alltag. Wir spüren, wie gefährdet wir und unsere Lieben sind und möchten uns unter Gottes Schutz und Segen stellen. Und so wünsche ich Ihnen allen: Gehen Sie unter Gottes Segen in die kommende Woche!

Pfarrerin Katja Reichling

Pfarrerin Katja Reichling

Mariengemeinde Bezirk 3/Christuskirche und Martinigemeinde