Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Licht am Ende des Tunnels
Nach den kürzesten Tagen des Jahres zu Weihnachten, sehnen sich alle nach dem Licht. Jeder Sonnenstrahl ist willkommen, damit wir nicht dem Winterblues zum Opfer fallen. Das passt zu unserer Kirchenjahreszeit. Wir sind in der Zeit nach dem Fest der Erscheinung Epiphanias. Jetzt wird durchbuchstabiert, wie das aussehen kann, dass mit Jesu Geburt das Licht der Liebe Gottes in unserer Welt scheint. Deshalb beschreibt ein Lied, das wir jetzt singen Jesus mit den Worten: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Denn der Morgenstern ist zu sehen, bevor es richtig Tag ist. Er ist wie ein Licht am Ende des Tunnels. Mit all den Nachrichten von Krieg, Gewalt und Unterdrückung, sei es im Krieg gegen die Ukraine, im Iran, oder wo auch immer oder seien es Drohungen der mit uns verbündeten USA – wir fühlen uns manchmal wie in einem Tunnel von Krise, Unvernunft und Unmenschlichkeit gefangen. Und auch im eigenen Leben gibt es Krisen, Leid und Schmerz auszuhalten.
Das Licht des Morgensterns spricht eine tröstliche Sprache. Dieser Stern scheint in der Zeit zwischen Nacht und Tag und kündigt so den Morgen an. Im Zwielicht, in der Zweideutigkeit gibt er uns Hoffnung. So wie Jesus die Krisen seiner Zeit nicht beschönigt hat, sondern er hat sie klar beim Namen genannt. Er macht Mut zum Durchhalten, denn diese Krisen werden nicht das letzte Wort behalten. Der Glaube macht Mut standhaft zu bleiben in der Mitmenschlichkeit, standhaft zu bleiben und Gewalt und Unterdrückung nicht nachzugeben. Es macht viel mehr Sinn aus der Liebe zu leben und nicht aus dem Hass. In der Bibel heißt das ein Leben im Licht zu führen – wer dagegen seine Mitmenschen hasst und ihnen Böses will lebt nicht im Licht.
Suchen wir in diesen Tagen miteinander das Licht, das Sonnenlicht gegen Winterblues, aber vor allem das Licht der Liebe Gottes, die uns bestärkt, der Finsternis von Unvernunft und Unmenschlichkeit nicht nachzugeben.

Katja Reichling
Pfarrerin, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien, Bezirk Christuskirche (Todtenhausen/Kutenhausen)
„Fürchte dich nicht, glaube nur!“
Angst beginnt oft leise. Manchmal beim Blick aufs Handy am Morgen, zwischen Eilmeldungen und dem eigenen Terminkalender. Manchmal mitten in einem ganz normalen Gespräch, wenn plötzlich eine Frage hängen bleibt: Wie sicher ist das alles eigentlich noch? Wir kennen diese Unruhe, die sich nicht einfach abschütteln lässt. Sorgen um die Familie, den Frieden in der Welt. Auch der Glaube bleibt davon nicht verschont. Zweifel melden sich, vertraute Gewissheiten geraten ins Rutschen.
In diese Wirklichkeit hinein spricht Jesus einen Satz, der fast zu schlicht wirkt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ (Mk 5,36). Er sagt ihn zu Jaïrus, einem Vater, der gerade die schlimmste Nachricht erhalten hat. Seine Tochter ist tot. Nichts ist gut, nichts ist heil. Und Jesu Worte machen das Geschehene nicht ungeschehen. Vielleicht tun sie sogar weh, weil sie Jaïrus nicht in der Verzweiflung stehen lassen, sondern ihn herausfordern, weiterzugehen.
Wer glaubt, weiß: So einfach ist das nicht. Glaube ist kein Licht, das man anknipst und sofort ist alles hell. Er ist ein Weg – manchmal mühsam, oft widersprüchlich. Er verlangt Schritte, obwohl der Ausgang unklar bleibt. Jaïrus geht diesen Weg. Nicht heldenhaft, sondern zögernd, und vielleicht gegen den Gedanken: Es hat keinen Sinn mehr.
Und doch ist dieser Glaube mehr als reine Willenskraft. Er ist zugleich Geschenk. Gott traut dem Menschen Vertrauen zu – und schenkt zugleich, was er verlangt. Wo wir uns ihm aussetzen, wirkt er: unspektakulär, aber verlässlich. Das Wunder an Jaïrus’ Tochter weist über sich hinaus. Es erzählt von einem Gott, der dem Tod nicht das letzte Wort lässt.
„Glaube nur“ heißt deshalb nicht: Verdränge deine Angst. Es heißt: Lass dich von ihr nicht regieren. Wage Vertrauen – immer wieder neu. Dieser Weg bewahrt nicht vor Brüchen. Aber er eröffnet eine Hoffnung, die trägt. Auch dann, wenn das Leben schwer bleibt. Und vielleicht bleibt die Frage: Welche Schritte kann ich heute wagen, auch wenn die Angst da ist?

Priester Oliver Rütten
Bezirksvorsteher Neuapostolische Kirche Minden
Knoten lösen
Lächelnd streicht sie das glänzende Band glatt. Jetzt nur noch über die Hand aufrollen, dann ist der letzte Weihnachtsknoten gelöst. Sie löst in jedem Jahr die Knoten aus den schimmernden oder samtenen Geschenkbändern. Für sie endet damit Anfang Januar die Weihnachtsfestzeit und ihre Gedanken gehen zurück auf die Festtage.
Eigentlich ist das Knotenlösen eine symbolische Aufgabe, denkt sie. Es gibt ja immer Verknotetes, Verwirrtes und Verschlungenes, das sich an den Familientagen in wechselnder Zusammensetzung zeigt. Vorfreude, Aufregung, Anstrengung, unterschiedliche Charaktere und Temperamente treffen aufeinander. Keine einfache Gemeinschaft zwischen Freude und Last. Manche Streitereien sind wie die Knoten vor ihr. Die Einen sind nur mit Geduld und Anstrengung zu lösen, die Anderen öffnen sich, sobald sie daran zieht. Manche Konflikte brauchen nur eine Atempause, um sich zu klären. Andere Verwicklungen benötigen ein offenes Ohr, ein vertrauensvolles Gespräch und einen guten Rat.
Sie blickt auf die Bänder unter ihren Händen. Sie hat auch diese ganz eng gezogenen Knoten gelöst, mit Mühe und dem aufsteigenden Wunsch sie einfach abzuschneiden, damit das Band glatt vor ihr liegt. Aber um im Bild zu bleiben: So ist das Leben nicht. Das Abschneiden löst die Konfliktknoten nicht. Oft ist an den Weihnachtstagen ein ganzes Knäuel an Lebensfäden vorhanden, manchmal so eng ineinander verschlungen, dass die Fäden kaum noch unterscheidbar sind. Schneidet oder schlägt man sie durch, bleiben auf beiden Seiten die gleichen Verwirrungen wie vorher. Um das Lösen der Knoten kommt niemand herum, denkt sie.
Sie lächelt in sich hinein. Einige Knoten darf man nicht lösen, denn sie halten lose Enden fest zusammen oder sie bilden Netze, die uns auffangen und tragen. In der Bibel heißt es: Ein dreifaches Seil reißt nicht so schnell. Ja, Gottes Kraft stärkt Freundschaft, Liebe und Verbundenheit. Das hat sie oft erlebt – gerade an Festtagen. Noch einmal streicht sie über das schimmernde Band.

Pfarrerin Ulrike Lipke
Schulreferentin der Kirchenkreise Minden, Lübbecke und Vlotho