Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Gedanken zum Sonntag, den 02. November 2025
Achtung – tödlich! – Wer so etwas liest oder hört, wird sofort alles tun, um die Lebensbedrohung abzuwenden. – Doch lesen Sie ruhig weiter, sie werden den Artikel überleben! Allerdings kommen sie nicht darum herum, sich mit Gedanken zum Tod auseinanderzusetzen.
Der November, der gerade begonnen hat, markiert auf vielschichtige Weise das Thema Tod. Die Gedenktage Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag rahmen diesen Monat am Beginn der dunklen Jahreszeit. Die Natur selbst liefert den Hintergrund für die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Tod. Das Leben zieht sich über den Winter zurück und der Mensch verbindet dies auf der nördlichen Erdhalbkugel seit Urzeiten mit der eigenen Sterblichkeit, dem Tod und den Umgang mit den Toten. Doch wie bei der anfangs erwähnten Warnung versuchen viele sofort alles zu tun, um der tödlichen Bedrohung zu entgehen. Sie wenden sich dem Leben zu, machen, wenn sie können, gerade jetzt Urlaub in wärmeren Gegenden. Trotzdem: um den Tod kommt ausnahmslos keine und keiner herum. Der Tod ist schlichtweg und unumstößlich ein Ende. Und wir brauchen immer wieder das Ende. Diesen Artikel werden sie möglicherweise zu Ende lesen. Ein schöner Tag geht zu Ende, eine anstrengende Autofahrt endet. Eine unhaltbar gewordene Beziehung findet ihr Ende. Die Corona-Pandemie hat ihr Ende gefunden und die Kriege, unter denen Menschen leiden, werden enden… Wir brauchen die Endlichkeit. Denn nur, wenn etwas zu Ende geht, kann Neues kommen. Selbst die schönen Dinge im Leben brauchen ihr Ende. Ein spannendes Buch muss ein Ende haben, sonst kämen wir aus der Spannung nicht heraus. Ein schöner Film muss ein Ende haben, sonst verlören wir das Gespür für das Schöne und Angenehme. Und bei allen Leiderfahrungen, sehnen wir uns nach einem möglichst schnellen Ende. Es ist nichts schlimmer, als wenn sich Leid schier unendlich in die Länge zieht. Partner, die sich in einer Beziehung nur noch streiten und aufreiben, können zu einem neuen Leben finden, wenn sie zu einem Ende bereit sind. Und am Ende von den großen Katastrophen atmen die Menschen auf und das Leben beginnt von Neuem. Sicher ist dabei der Weg zum Ende einer Katastrophe mit tiefen und schmerzlichen Einschnitten für viele im eigenen Leben verbunden und es braucht länger, ja mitunter sehr lange, bis neues Leben Raum greifen kann. Schlimm, wenn es dann aber nicht gelingt, sich vom unwiederbringlich Vergangenen zu lösen. Dann gehen Menschen daran zugrunde. Mit den erfahrenen Verlusten bindet der Tod die Lebenden und hier gilt die Warnung: Achtung – tödlich! Dem zu entgehen ist nicht leicht und soll auch nicht verharmlost werden, aber es kann gelingen, wie bei dem befreundeten Paar, das vor einiger Zeit sein vierzehnjähriges Kind verlor. Ein Schock, eine Katastrophe, ein scheinbar totales Ende und doch gelingt es den beiden Eltern mehr und mehr sich dem Leben und seinen angenehmen Seiten wieder zuzuwenden, durch die Freunde, die eigenen Interessen und den gegenseitigen Halt, den die beiden verwaisten Eltern einander geben, ohne dabei ihr Kind aus den Gedanken zu verlieren. Und so leben die beiden heute mit neuer Lebensfreude und haben den Tod überwunden und das Leben gewonnen. Hierin mag sich verwirklichen, was Jesus nach dem Johannesevangelium sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird Leben auch wenn er stirbt.“ (Joh. 11,25).

Pfarrer Christoph Kretschmer
Berufskolleg Freiherr-vom-Stein
Wort zum Sonntag 26.10.2025
Liebe Leser und Leserinnen,
der christliche Glauben ist nicht einfach nur eine Weltanschauung oder eine Tradition, die wir mit uns tragen. Es ist eine lebendige Kraftquelle – die uns im Alltag trägt und hindurchträgt.
Gerade dann, wenn die Zeiten schwer sind, die Aufgaben uns über den Kopf zu wachsen drohen, die Sorgen groß und schwer liegen. Der Glaube hilft, weil ich das Gefühl geschenkt bekomme, ich muss das alles nicht allein ertragen. Da ist einer an meiner Seite, der steht das mit mir durch. Er wird mich nicht fallen lassen, sondern er fängt mich auf mit all meinem Kummer und meinem Schmerz. Jesus selbst lädt uns ein: „Kommt her alle die Ihr mühselig und beladen seid; ich will Euch erquicken.“ Die Familie, der kleinste Pflegedienst der Stadt, kann gelegentlich an seine Grenzen stoßen. Überforderung macht sich breit und der Körper sendet Warnsignale.
Und dann sind da auch die, die in der Pflege oder Betreuung arbeiten. Bei Kirche und Diakonie trägt man ein besonderes Selbstverständnis mit sich. Man will nicht nur pflegen oder anderen etwas Gutes tun, sondern auch Licht und Salz sein. (Matthäus 5,13-14) Auch das Umfeld hat diese Erwartungshaltung längst kommuniziert: Diakonie und Kirche muss das machen, dafür sind die da! Dieser Anspruch macht schon enormen Druck und diese Rolle kann zu einer schweren Last werden.
Ich gebe aber zu bedenken,
auch“ Samariter“ brauchen Zeiten des Ausruhens, der Klage und des Gehaltenwerdens. Denn unsere Stärke kommt nicht aus uns selbst, sondern von dem der uns trägt. Christus erwartet von uns nicht Superkräfte. Es ist keine Schande, nicht immer zu leuchten. Er will uns helfen, wenn wir matt und müde werden. Er tritt mit uns in eine Beziehung und lädt uns ein ihm zu vertrauen: „Ich bin der gute Hirte, der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe.“ Dieser Hirte sieht uns an- kennt alle unsere Schwächen und Grenzen. Das macht den christlichen Glauben so anziehend. Er ist keine zusätzliche Last, sondern die Kraft, die uns entlastet.
Bleiben Sie behütet

Schwester Andrea Brewitt
Oberin der Schwesternschaft der Diakonie Stiftung Salem
„Vergiss das Danke nicht“ – Impuls zum Sonntagsevangelium (Lk 17,11–19)
Kennen Sie das auch? Wir wünschen uns sehnlichst, dass etwas gelingt: die OP der Mutter, das x-te Vorstellungsgespräch, der ersehnte Anruf. Und wenn es gut ausgeht, fällt der Druck ab, der Kalender füllt sich – und wir rennen weiter. Das Danke bleibt irgendwo zwischen Supermarkt und nächstem Termin liegen.
Vom Umkehren erzählt das heutige Evangelium: Zehn schwer Erkrankte werden heil. Nur einer hält inne, dreht um – und dankt. Nicht „der Medizin“, nicht „dem Glück“, sondern Gott. Er fällt vor Jesus nieder und lobt Gott mit lauter Stimme. Jesu Frage brennt: „Wo sind die neun?“
Warum diese Schärfe? Weil Dankbarkeit hier mehr ist als gute Manieren. Sie ist Gottesbeziehung. Wer dankt, erkennt an: ich verdanke mein Leben nicht nur meinem Können, sondern einem größeren Du. Dank heißt: Ich bin gehalten. Ich werde gesehen. Ich muss die Welt nicht allein stemmen. Aus Anspruch wird Anbetung, aus Selbstverständlichkeit wird Staunen.
Natürlich gehört die zwischenmenschliche Dankbarkeit dazu – sie macht uns feinfühlig und fair. Aber das Evangelium geht einen Schritt weiter: Es ruft uns, den Blick zu heben. Nicht nur „Danke, dass es gut gegangen ist“, sondern „Danke, Gott, dass Du mich getragen hast“. Dieses Danke ist nicht naiv, ignoriert Schmerzen und Brüche nicht. Es ist die Entscheidung, Gott mitten im Unvollkommenen zu ehren.
Vielleicht ist dieser Sonntag eine Einladung, es dem einen Geheilten gleichzutun: Umdrehen, für einen kurzen Augenblick. Anhalten. Atmen. Und sagen: „Gott, danke für das Gelungene. Danke für die Kraft, die ich nicht aus mir hatte. Danke für die Menschen an meiner Seite. Danke, dass Du nicht fern bist.“ Eine solche Dankbarkeit macht weit. Sie erdet und richtet auf. Wer so dankt, wird nicht kleiner, sondern freier. Vielleicht probieren wir’s diese Woche aus: ein kleines Umkehren – und ein bewusstes „Danke, Gott“. Es verändert mehr, als man denkt.

Michaela Langner
Gemeindereferentin des Pastoralverbundes Mindener Land