Wort zum Sonntag
Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.
Aufatmen!
Mit diesem Sontag endet eines der größten Volksfeste in unserer Region. Seit 500 Jahren feiert man in Paderborn mit dem Liborifest ein Volksfest, das zugleich mit religiösen Wurzeln und Inhalten Lebensfreude, Unterhaltung und Kulinarik verbindet.
Das Motto lautet in diesem Jahr „Aufatmen“ und wurde wohl auch deshalb gewählt, weil wir auch in diesem Bereich in den letzten zwei Jahren pandemiebedingt die Luft anhalten mussten. Libori bietet einen bunten Dreiklang aus Kirmes, Kirche und Kultur. Im religiösen Teil des Festes, rund um den Paderborner Dom, werden verschiedene Gottesdienstformen, Gespräche, Workshops und Spirituelles angeboten.
An jedem Tag der Liboriwoche werden spezielle Gruppen eingeladen: verschiedene Altersgruppen, Menschen, die sich in verschiedenen Bereichen von Kirche haupt- oder ehrenamtlich engagierten, z.B. im caritativen oder liturgischen Bereich. Hinzu kommen Bischöfe und andere Christen aus allen Teilen der Weltkirche, die zu diesem wohl wirklich einzigartigen Fest eingeladen werden. Für viele Missionare und Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mit der Stadt oder der Region verbunden sind, bietet Libori den willkommenen Anlass sich wieder einmal hier einzufinden und sich wiederzutreffen.
Darum geht es: Menschen mit Gott und mit anderen Menschen zusammenzuführen, gemeinsam zu feiern, Dankbarkeit und Freude zu leben und zu erleben.
Also: Wenn Sie an diesem Wochenende noch nichts vorhaben und Ihnen Aufatmen in dieser besonderen Kombination von Freude und Glaube gut tun könnte, machen Sie sich auf nach Paderborn.

Roland Falkenhahn
Propst am Dom zu Minden, Leiter des Pastoralen Raumes Pastoralverbund Mindener Land
Augen zu …
Im wahrsten Sinne des Wortes zwingt mich dieser Tage oft ein Ohnmachtsgefühl in die Knie. In solchen Momenten schließe ich die Augen und lasse meinen Gedanken Raum:
„Wie wird er sein, unser Alltag in drei oder vier Monaten? Werden wir verzichten müssen? Wann werden wir die Krise überwunden haben? Wie wird es danach sein?
Solche und andere Fragen schwirren mir durch den Kopf. Die Schrecken des Krieges toben ohne Halt weiter. Die Nachrichtensendungen überschlagen sich mit negativen Prognosen.
Ich habe ein Déjà-vu. Irgendwie kenne ich diese Anspannung und diese Fragen alle schon.
Seit nun mehr als zwei Jahren befinden wir uns im Ausnahmezustand. Und nun werden wir als Gesellschaft wieder herausgefordert unsere eigenen Bedürfnisse einzuschränken und solidarisch zu sein.
Um ehrlich zu sein, diesmal fühlen sich die Opfer, die ich bringen soll, bedrohlicher an.
Keine Frage, die Isolation im Lockdown war hart und eine wirklich einschneidende Lebenserfahrung. Aber an die Masken habe ich mich schnell gewöhnt, Impfungen waren für mich nie ein Problem.
Nun aber, stehe ich vor der Herausforderung, zuhause den Gashahn abzudrehen und Geld zur Seite zu legen, um im kommenden Jahr meine Nebenkosten begleichen zu können.
Verstehen Sie mich nicht falsch, nichts was ich tun muss und soll ist vergleichbar mit dem, was Menschen in der Ukraine erfahren und geben müssen. Das weiß ich und dieser Vergleich weckt immer wieder tiefe Demut in mir.
Dennoch merke ich, dass auch mir die vergangenen Jahre ganzschön zugesetzt haben und dass es mir schwerfällt, jetzt wieder und weiterhin Solidarität und Kampfgeist zu beweisen.
Und mit diesem Gefühl trete ich aktuell oft im Gebet vor Gott. Dort ziehe ich ihn zur Verantwortung, klage ihm mein Leid, werde meine Sorgen los und bitte um Kraft.
Und wenn ich dann, nach diesen Gebeten, die Augen wieder öffne, dann fühle ich mich von guten Mächten wunderbar geborgen und kann getrost auf das warten, was kommen mag.

Alexander Möller
Vikar, St.-Martini-Kirchengemeinde Minden
Neue Energie
„Gleich geht es los. Haltet euch fest!“ Ich erinnere mich noch genau an die Worte des Segellehrers. Bei gut 30 Grad dümpelten wir in einer Flaute auf dem Balaton (Plattensee) in Ungarn. Seit einer gefühlten Ewigkeit war nichts passiert und ich hatte keine Ahnung, wann die Flaute vorbei sein würde. Warum soll ich mich jetzt festhalten? Was sah der Segellehrer, das ich nicht sah? Brav habe ich mich festgehalten und wie er es gesagt hatte, griff eine Böe ins Segel, das Boot ruckte, nahm Fahrt auf und der Segelspaß ging weiter.
Lange habe ich mich gefragt, was der Segellehrer da gesehen hatte. Und tatsächlich: Wenn man ganz genau hinsah, dann bemerkte man, dass das Wasser unterschiedliche Farbtöne hatte, sich die kleinen Wellen an einigen Stellen etwas stärker kräuselten und mit etwas Übung konnte man den Wind „sehen“.
Jesus Christus benutzt im Johannesevangelium im dritten Kapitel den Wind als ein Bild dafür, wie Gott in dieser Welt wirkt: „Der Wind weht, wo er will. Du hörst zwar sein Rauschen, aber woher er kommt und wohin er geht, weißt du nicht.“
Wir sehen nur die Wirkungen des Windes. Wir sehen, wie er die Blätter bewegt oder die Segel füllt. Jesus benutzt dieses Beispiel, um zu erläutern, dass wir Gott mit unseren natürlichen Augen nicht sehen können, aber wir können sehr wohl seine Wirkungen bemerken:
Wenn wir achtsam sind, dann erfreuen wir uns am Wachstum und an den Farben der Natur und danken dem Schöpfer dafür. Wenn wir freundlichen Menschen begegnen, dann ist es viel leichter, ebenfalls freundlich zu sein. Wenn meine Entschuldigung ankommt und jemand mir verzeiht, dann ist es, als ob ein Fenster aufgeht und frischer Wind hereinkommt.
Für die Ferienzeit wünsche ich Ihnen viel Rückenwind!

Olaf Mohring
Pastor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Minden