Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Gottesdienst zwischen Himmel und Erde

Vieles, was ich in den letzten Wochen zu tun hatte, fand möglichst im Freien statt. Gottesdienste draußen an den Kirchen, Gottesdienst auf den Spielplätzen und dem Außengelände der Kindergärten, Konfirmandenunterricht rund ums Gemeindehaus, Schulgottesdienst auf der Wiese, sogar der Gottesdienst zu einer Goldenen Hochzeit konnte im Innenhof der Kirche gefeiert werden, rund um einen schattenspendenden Baum.  Manchmal gab es auch einen kleinen Schauer, Regenschirme und Jacken waren vorsichtshalber mitgebracht worden. Mein Auto ist jetzt ein Technikmobil zum Transport von Verstärkeranlage und E-Klavier. Corona macht es möglich und nötig. Manchmal fühlt sich diese Zeit eben wie ein fortdauernder Campingurlaub an, in dem vieles spontan geplant werden muss und man nie so genau weiß, was am nächsten Tag ansteht. 

Das Schöne an den Veranstaltungen im Freien ist, dass man dem Himmel so nah ist, die Luft und die Sonne im Gesicht spürt, auf die Weser schauen kann oder in die Blätter der Bäume. Viele sagen, es ist alles „irgendwie lockerer“ als drinnen.  Die Open Air Gottesdienste veranschaulichen die Verbindung von Himmel und Erde. All das, was uns in dieser schwierigen Zeit auf dem Herzen liegt, stellen wir in den Zusammenhang Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat und bitten ihn um seine Hilfe. Der Segen, den wir zusprechen, kommt aus der Weite der Liebe und Barmherzigkeit Gottes: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, so sagt es Psalm 31.   Wenn ich auf der Wiese sitze, den Himmel über mir, dann kann ich mir das besser vorstellen.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und einen erholsamen Sommer!

MIrjam Philipps

MIrjam Philipps

Pfarrerin, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Windheim

Gott sucht dich…..

Zärtlich nimmt die Mutter das Kind in den Arm, schaut sich das aufgeschlagene Knie an, tröstet und wischt die Tränen ab, die die Wange des Kindes hinunterlaufen. Nun kann alles wieder gut werden, zumindest ein Stück weit. Auch wenn wir erwachsen sind, gibt es diese Momente, in denen es so wohltuend ist, wenn wir getröstet werden. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen …“. Was für ein starkes Bild finde ich im letzten Buch der Bibel, gerade richtig für graue, trübe Novembertage. Die Worte berühren mich. Gott sieht jede Träne, die ein Mensch weint: Tränen der Trauer und des Schmerzes, Tränen der Verzweiflung und des Leids. Bei ihm sind sie gut aufgehoben. Ganz gewiss schaut er nicht aus irgendeiner Ferne auf unsere Sorgen und Nöte, vielmehr kommt er zu jedem und jeder von uns persönlich, rührt uns an. Wir dürfen unsere Tränen weinen, unseren Schmerz zeigen. Gott bietet sich als Adressat unserer Tränen an. Aber er ermutigt uns auch, die Trauer und die Tränen unserer Mitmenschen zu begleiten, Tränen bei ihnen abzuwischen. Gott tröstet. Oftmals erleben wir das durch liebevolle Worte, kleine Gesten und Zeichen, die ein anderer Mensch uns schenkt. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein …“ – Eine zärtliche Berührung Gottes, die etwas von dem erahnen lässt, das einmal sein wird. Es wird eine Zeit kommen, in der alle Tränen getrocknet sein werden. In Gottes Ewigkeit wird es keine Tränen und auch keinen Tod mehr geben. Dafür steht Jesus Christus, ein Lichtblick in den Schattenseiten unseres Lebens. Er hat dem Gott, der am Ende die Tränen abwischen wird, vertraut. Das dürfen wir auch. Alles kann gut werden.
Thomas Pfuhl

Thomas Pfuhl

Pfarrer in der St. Martini-Kirchengemeinde, Bezirk Erlöser

Wer ist der Größte im Himmelreich….

„Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie Kinder, werdet ihr keinen Anteil am Himmelreich haben. Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“

Und dann gehen mir die Horrorgeschichten aus Lügde und Bergisch-Gladbach, aus Münster und Halle, aus dem Bistum Limburg und tausend anderen Gemeinden und aus der Odenwaldschule und was weiß ich noch alles, durch den Kopf…

Mir wird regelmäßig übel, wenn ich solche Berichte in den Zeitungen und Magazinen lesen muss. Und trotzdem finde ich es gut, dass unser Innenminister Herbert Reul sich da dran begeben hat, und eben auch wegen stärkerer Fahndung mehr Fälle aufgedeckt werden und mehr Fälle vom Versagen der Jugendämter, bei denen manche auch lieber sich durch (Ver-)Schweigen schützen, als den Opfern mit der Wahrheit zu helfen… Ja, da wird einem übel, und es kommt einem hoch…

Martin Luther soll gesagt haben: „Wenn du ein Kind siehst, begegnest du Gott auf frischer Tat.“

Ich kann das bestätigen, nicht nur von meinen Kindern und Enkeln, auch wenn ich in unseren Kitas unterwegs bin, geht mir vor Freude und Mitgefühl und Rührung manchmal das Herz auf.

Wie kann man solche Geschöpfe zu Objekten eigener Gewalttätigkeit und Perversion machen?

Ja, man kann das krank nennen, aber es ist kein Husten und keine Grippe, auch keine Krebserkrankung, man zerstört durch das eigene krankhafte Sein Menschenleben, Kinderleben. Gibt es dafür eine Entschuldigung? – Ich weiß es nicht…

Jesus war nicht bekannt dafür, mit dem Vorschlaghammer der Rache oder unbarmherziger Strafe zu agieren, aber er sagt: „Wer einen dieser Kleinen verführt (und Schaden antut, füge ich hinzu), für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am Tiefsten ist.“ Harte Worte…

Sie spiegeln sicher das Empfinden von vielen von uns. Aber davon sollten wir uns nicht leiten lassen. Ich selbst bin von Selbstjustiz weit entfernt und vertraue auf unser Rechtssystem. Am letzten Ende spricht Gott ein Urteil, und nicht wir.

Volker Niggemann

Volker Niggemann

Pfarrer , St. Marienkirchengemeinde Bezirk St. Matthäus