In der vergangenen Woche ist mir eine Karikatur aufgefallen (Johann Mayr „Verzweiflung“), in der dargestellt ist, wie ein kniender Mann mit dem Blick nach oben fragt: „Gott …. ! Was soll ich machen?“ Und in einer Sprechblase, die aus dem Himmel kommt, steht in großer Schrift: „Lachen!“

Worüber soll man lachen, wenn die Infektionszahlen steigen, Menschen auf Intensivstationen liegen, die einen um ihre finanzielle Existenz fürchten, die anderen überlastet sind von Arbeit und Kindererziehung, das Gefühl von Einsamkeit in allen Altersklassen steigt und die Aggression im gesellschaftlichen Miteinander zunimmt.

Zynismus oder Galgenhumor ist der aktuellen Lage ganz gewiss nicht angemessen, sich über die Not und Verzweiflung anderer lustig zu machen, finde ich abscheulich.

Aber trotzdem entlockt der hintergründige Sinn der Karikatur mir ein Schmunzeln.

Wie befreiend kann es sein, sich weniger zu sorgen und weniger zu grübeln, sondern stattdessen mal zu lächeln oder zu lachen!

Eine Empfehlung von Psycholog*innen sagt, dass man, um aus der Sorgen- und Grübelfalle hinauskommen, ganz bewusst einen Zeitrahmen einplanen soll, nur in dem das Sorgen und Grübeln erlaubt sind.

Wie wäre es, wenn wir einen Zeitabschnitt einplanen, der für das Lachen reserviert wäre?

Es muss ja nicht gleich ein Online-Kurs in Lach-Yoga sein, aber mehr Leichtigkeit, mehr Unbeschwertheit, mehr Lachen und Freude könnten uns allen in diesem langen Lock-down guttun.

Lachen ist gesund, sagen der Volksmund und wissenschaftliche Studien.

Und auch die Bibel weiß, was für Menschen in Verzweiflung und Sorgen wichtig ist: „Freut euch, wenn ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten.“ (Römer 12, 12)

Und wenn gemäß der Karikatur, die Stimme aus dem Himmel zum Lachen auffordert, dann können wir Gott auch um mehr Leichtigkeit, mehr Freude, mehr Humor bitten. Vielleicht öffnet er uns die Augen für die Absurditäten des Alltags in der Pandemie und lässt uns lachen, notfalls auch über uns selbst

Karin Daniel

Karin Daniel

Pfarrerin, Kirchengemeinde St. Martini, Minden

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