Minden. Alle zwei Jahre bittet die „Stiftung Baudenkmal Ratskirche St. Martini zu Minden“ Stiftungsmitglieder, Freunde und Förderer üblicherweise zum Martinsgansessen in den Ständersaal des Preußen-Museums. Dass es im Corona-Jahr 2021 riskant sein könnte, eine solche Einladung auszusprechen, war den Verantwortlichen früh klar. Deshalb gab es dieses Mal stattdessen ein Treffen in der St.-Martini-Kirche. Dieses andere „Format“ des Treffens wurde von den Gästen sehr gut angenommen; viele freuten sich über die offenere Form und die besondere Atmosphäre bei Begegnungen vor Ort in der fast 1.000 Jahre alten Kirche.

Im Mittelpunkt stand statt der Martinsgans an festlich gedeckten Tischen eine vielseitige Begegnung mit der Schönheit und Geschichte der Kirche. Leckere Kleinigkeiten gab es zwar auch, serviert im rechten Seitenschiff vom Team „Essence Catering“. Zwischen den Gängen jedoch bat Hausherr Pfarrer Christoph Ruffer immer wieder in verschiedene andere Bereiche des Gotteshauses und machte aufmerksam auf besondere Ausstattungsstücke. Zu diesen Besonderheiten gehört etwa  eine Darstellung der berühmten Szene, in der der Heilige Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Um zum Ausdruck zu bringen, dass eine solche Ausprägung von Nächstenliebe auch in Minden herrschen sollte, hat der Maler in seinem Werk schemenhaft eine Darstellung der St.-Martini-Kirche untergebracht. Im Epitaph der Familie Sobbe ist u. a. auch Johannes Wesling zu erkennen, der Namensgeber des Mindener Klinikums. Zu den kunstvollen Schnitzereien am Chorgestühl im Altarraum gehört die älteste bekannte Darstellung eines Nashorns nördlich der Alpen.

Nicht nur optisch durch die Betrachtung der Kunstschätze, sondern auch akustisch lud der Abend zu einer Zeitreise ein. Dr. Ulf Wellner (Orgel) und Rebekka Wittig-Vogelsmeier (Cello) spielten zunächst ein Musikstück aus der Lutherzeit, das Avé Maria von Josquin des Préz. Später folgten die Fantasia g-Moll von Johann Sebastian Bach, das Pie Jesu aus dem Requiem opus 48 von Gabriel Fauré  und die Prière à Notre Dame von Léon Boellmann.

Der Abend endete mit einem Überblick zum aktuellen Stand der gründlichen Sanierung der Kirche. Die Außensanierung sei abgeschlossen und nun gehe es um die Arbeiten im Inneren der Kirche, berichtete Ruffer. Auch der nächste Bauabschnitt sei dringend auf die Unterstützung durch Spenderinnen und Spender angewiesen. Aktuell werde die Idee geprüft, mit einem Projekt zu beginnen, das nicht nur der Sanierung dienen würde, sondern zugleich für die Gemeinde neue Möglichkeiten erschließen könnte. Hinter der Orgel gibt es einen Raum, der ursprünglich als Loge für den Kaiser gebaut wurde und rechts von der Orgel eine Empore, von der aus man leider kaum etwas sieht. Aus der „Kaiser-Empore“ könnte ein Raum werden, den die Gemeinde für kleinere Besprechungen und Sitzungen nutzen würde. Die große Empore neben der Orgel würde Platz für größere Begegnungen bieten; nicht nur für Gruppen aus der Gemeinde, sondern generell aus dem Stadtteil könnte ein solcher Raum eine Bereicherung sein. „Denn ein solcher Raum für Veranstaltungen und Begegnungen fehlt in der Oberen Altstadt“, sagte Ruffer.

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