Er war einer der populärsten Komponisten der Romantik, aber gleichzeitig eigentümlich unzeitgemäßer Wiederentdecker barocker Schätze. Aus jüdischer Familie stammend schuf er einige der beliebtesten Werke der christlichen Kirchenmusik: Minden widmet einem der großen Querköpfe der Musikgeschichte, Felix Mendelssohn Bartholdy, und seinem Oratorium „Elias“ ein ganzes Wochenende. Mit einem Kindermusical in der Christuskirche geht es am Freitagabend los. Der Samstag gilt der Orgelmusik, bevor am Sonntag um 18 Uhr das große Oratorium wieder in der Christuskirche aufgeführt wird.
Die „Lerchen“ der Chorschule Christuskirche machen am Freitag ab 18 Uhr den Auftakt mit dem Musical „Elias. Kämpfer Gottes“ von Matthias Pech. Die Kinder der dritten oder vierten Klasse übernehmen unter der Leitung von Frauke Seele-Brandt die gesungenen und gesprochenen Parts und sogar die Schauspieleinheiten (Szene: Regina Kruse-Mohrhoff) des Musicals, das die dramatische Eliasgeschichte musikalisch vielfältig umsetzt (Arrangement: Thomas Wirtz). Mit dem PLONG-Orchester der Chorschule an der Seite verspricht das Musical ein Highlight unter den jährlichen Kantaten und Musicals der Lerchen zu werden.
Am Samstag kommt in St. Martini in Minden eine andere Seite von Mendelssohn Bartholdy in den Fokus: seine Orgelwerke. Die zweite Orgelsonate c-Moll war eine der ersten Arbeiten Mendelssohns in der Auseinandersetzung mit der Orgeltradition, begonnen 1832 in den Jahren seiner Arbeits- und Entdeckungsreisen quer durch Europa. Mit ihrer Wiederentdeckung der Orgelmusik als Beschäftigungsfeld für einen Komponisten von Rang und Rückgriffen auf die Orgelkunst des Barocks hat Mendelssohn diese Tradition bewahrt und belebt. Gleichzeitig zeigen die Mendelssohnschen Orgelsonaten eine stilistische Vielfalt und Freiheit, die zu einem Markenzeichen der romantischen Sonate wurde. In Mendelssohns Worten an seinen Verleger war dies einfach „meine Art, die Orgel zu behandeln“. Unter diesem Titel bringt Nils Fricke anlässlich des Mendelssohn-Themenwochenendes die Orgelsonate c-Moll und weitere Orgelwerke auf die historischen Orgel der Martinikirche. Als Teil der Musik zur Marktzeit beginnt „Meine Art, die Orgel zu behandeln“ um 11 Uhr.
Das eigentliche Oratorium „Elias“ bildet den Höhepunkt des Wochenendes. Mendelssohn vertont hier die Geschichte des Propheten Elias. Auch er ist ein Querkopf, ein Mahner und Streiter. Elias stellt sich gegen das vom rechten Weg abgefallene Volk, gegen den importierten Baalsglauben und dessen Priesterkaste, trotz ihrer Protegierung durch die Königin Isebel. Mit seiner Kritik an königlicher Macht war das Oratorium bereits in seiner Entstehungszeit, im Vormärz, hochpolitisch. Die dramatische Zuspitzung des Konflikts zwischen Elias und den Baalspriestern, der mit ihrer massenhaften Ermordung durch das von ihm aufgepeitschte Volk endet, verlangt aber auch oder gerade vom heutigen Zuhörer eine selbstkritische Haltung zu Populismus und nationalen oder religiösen Fanatismus.
Dennoch blieb Mendelssohns großes Oratorium seit seinen frühesten Aufführungen (in Ostwestfalen in Auszügen bereits 1848) ein durchweg populäres Chorwerk. Entgegen der Tradition großer, manchmal gigantomanischer Aufführungen bringen in der Christuskirche nur 70 Mitwirkende Mendelssohns Werk auf die Bühne und verleihen dem Werk damit einen intimeren, weniger überwältigenden Charakter, der eine bewusstere Begegnung mit dem Werk erlaubt. Es singen der Chor „Brutal Vokal“ aus Hannover und das ebenfalls Hannoveraner Ensemble „Vox Spiritus“ (Chor und Soli), musikalisch unterstützt von einem Orchester aus Musikstudierenden und Profi-Musikern und Musikerinnen. Die Gesamtleitung liegt bei Johanna Gronemann und Silas Bredemeier.
Für Silas Bredemeier ist es die Rückkehr in seine musikalische Heimat. In der Christuskirche hat er mit Nils Frickes Vorgänger, Thomas Wirtz, und mit Frauke Seele-Brandt die ersten Schritte seiner musikalischen Laufbahn genommen. Daher war es für den in Bückeburg geborenen Wahl-Hannoveraner selbstverständlich, dass er mit dem Elias in Mindens Norden zurückkehren würde, den er dort schon in seiner Jugend als Mitsänger erleben durfte.
Das Oratorium beginnt in der Christuskirche um 18 Uhr (Einlass ab 17.30 Uhr); der Eintritt ist frei.