Minden. Statistiken zeigen, dass bis zum 31. Lebensjahr fast ein Drittel der Mitglieder die Kirche verlässt. Um diesem Trend entgegenzuwirken und junge Menschen zwischen zwölf und 31 Jahren wieder aktiver in das kirchliche Leben einzubinden, starten jetzt insgesamt 14 westfälische Kirchenkreise, darunter auch der Kirchenkreis Minden, das innovative Projekt „Kirchenpost“.

Hintergrund ist, dass viele Jugendliche zwar in der Konfirmanden-Zeit und mit kirchlichen Jugendgruppen gute Erfahrungen machen. Danach verlieren jedoch viele von ihnen mehr und mehr den Bezug zur Kirche und ihren Angeboten. Sobald junge Menschen eigenes Geld verdienen und Kirchensteuer zahlen müssen, ist für sie die Versuchung groß, aus der Kirche auszutreten. Mit der Initiative Kirchenpost machen die beteiligten Kirchenkreise darauf aufmerksam, dass die Kirche auch für junge Menschen attraktive Angebote hat.

Das Projekt setzt auf eine Methode, die auf den ersten Blick überraschend wirkt: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden per Post angesprochen, also „old school“ auf Papier und per Briefkasten. Ziel der Initiative ist es, junge Menschen auf eine persönliche und kreative Weise zu erreichen. Unter dem Einfluss von Smartphones und Social Media ist physische Post selten geworden. Statistisch gesehen nehmen daher junge Menschen Post, die ausdrücklich an sie persönlich adressiert ist und die sie direkt in den Händen halten, bewusster und intensiver wahr.

Bei der Kirchenpost handelt es sich um sogenannte „Selfmailer“ – kreativ gestaltete, personalisierte Briefbögen, die ohne Kuvert auskommen und durch ihre Gestaltung sofort ins Auge fallen. Die Erfahrungen aus Süddeutschland, wo das Modell bereits erfolgreich läuft, sind beeindruckend: 90 Prozent der Befragten bewerteten die Kirchenpost dort mit „gut“ oder besser.

Trotz des analogen Formats bleibt der Bezug zur Lebenswelt der Zielgruppe gewahrt. Jeder Brief enthält themenbezogene QR-Codes, die direkt auf eine spezielle Webseite führen (www.kirchenpost-westfalen.de). Die Kirchenpost bildet also eine Brücke zur digitalen Welt, in der kirchliche Angebote für junge Leute zu entdecken sind wie zum Beispiel Jugendfreizeiten und Praktikum-Plätze; auch gratuliert die Kirche ihren Mitgliedern per Kirchenpost zum 18. Geburtstag und es gibt einen Gruß zum Valentinstag für Menschen, die im Jahr zuvor geheiratet haben.

Die Initiative Kirchenpost ist zunächst als Pilotprojekt auf drei Jahre angelegt. Daran beteiligt sind die Kirchenkreise Bielefeld, Bochum, Dortmund, Hattingen-Witten, Herford, Lübbecke, Lüdenscheid-Plettenberg, Minden, Münster, Paderborn, Schwelm, Siegen-Wittgenstein, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Vlotho. Insgesamt sollen pro Jahr rund 150.000 Kirchenpost-Briefe verschickt werden.