Minden. Immer schwieriger ist es in letzter Zeit für die Evangelische Kirche geworden, frei gewordene Pfarrstellen wiederzubesetzen. Wegen der gesunkenen Mitgliederzahlen gibt die Landeskirche in den meisten Fällen Stellen nicht wieder frei oder kürzt doch zumindest den Stellenumfang. Wo eine Stelle besetzt werden kann, fehlt es häufig an Bewerbungen. „Insofern ist es ein kleines Wunder, dass die Pfarrstelle in der St.-Jakobus-Kirchengemeinde von der Landeskirche zur Wiederbesetzung frei gegeben worden ist“, sagt Michael Mertins, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Minden.
Einstimmig ist nun Pfarrer Oliver Jusek auf diese Pfarrstelle gewählt worden. Schon am 1. September tritt er seinen Dienst an. In den Sommerferien zieht er mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Minden um und wird dann im Pfarrhaus der St.-Jakobus-Kirchengemeinde wohnen.
All das ist für Jusek ein bisschen „wie nach Hause zu kommen“. Der 38-Jährige ist in Minden geboren und in Porta Westfalica-Neesen aufgewachsen. Sein Abitur hat er am Mindener Ratsgymnasium gemacht. In seiner Kindheit hat er in Neesen den Kindergottesdienst besucht und war in der Jungschar aktiv, in seiner Jugend hat er in Porta in einer christlichen Pop-Band Musik gemacht („Heaven’s Up“) und den „TANKE“-Jugendgottesdienst am Ratsgymnasium mitgestaltet.
Schon früh sei ihm klar gewesen, dass er eines Tages gern einen kirchlichen Beruf ausüben würde. Eine Tätigkeit in der Jugendarbeit hätte zwar nahegelegen, sagt er, letztlich habe er sich aber für den Pfarrberuf entschieden, weil es ihm darum gehe, „wirklich umfassend, also von der Wiege bis zur Bahre“ Menschen auf ihrem Weg des Glaubens zu begleiten. So studierte er Evangelische Theologie zunächst an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel, dann an der Universität in Tübingen. Das Vikariat absolvierte er in der Nähe von Frankfurt in Issigheim. Seit 2015 war er Pfarrer der Kirchengemeinde Elbenberg im Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, seit 2016 neben der Gemeindearbeit auch Kreisjugendpfarrer. Seit 2023 – nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Elbenberg und Balhorn-Altenstädt – war er auf der neu gegründeten Pfarrstelle Balhorn-Altenstädt tätig.
Um die Pfarrstelle in St. Jakobus neu zu besetzen, war es nötig, diese Stelle pfarramtlich mit den Nachbargemeinden Barkhausen und St. Simeonis/Thomas zu verbinden. Die Pfarrstelle hat nun einen Dienstumfang von 75 Prozent für die St. Jakobus-Kirchengemeinde. Damit sie auf 100 Prozent Dienstumfang aufgestockt werden konnte, wurde sie mit einer Viertelstelle des Kirchenkreises verbunden. Nachdem die Wahl für die Pfarrstelle in St. Jakobus ordnungsgemäß stattgefunden hat, wird nun der Kreissynodalvorstand offiziell über die 25-Prozent-Stelle beschließen. Neben der Gemeindearbeit in St. Jakobus wird durch Jusek auch noch der Vertretungsdienst in den beiden genannten Nachbargemeinden und im Planungsraum „Minden-West“ abgedeckt werden. Jusek freut sich auf den Neuanfang in der „alten Heimat“, auf die räumliche Nähe zu seiner Mutter und weiteren Verwandten, auf die gute Infrastruktur – in Kurhessen-Waldeck hat die Familie in einem Ort mit 1.200 Einwohnern und weiten Wegen zu Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Angeboten gelebt – , auf das frisch renovierte Pfarrhaus. Eine Schlüsselrolle für Juseks Interesse gerade an der St.-Jakobus-Kirchengemeinde spielt deren Offenheit für unterschiedliche Gottesdienst-Formen. Gottesdienste „anders zu denken“ und zum Beispiel an ungewöhnlichen Orten zu feiern, ist einer von Juseks Schwerpunkten.
In seiner Freizeit fährt er gern Fahrrad oder spielt auf seiner – übrigens selbst gebauten – Gitarre.